Bensheim (ps). Das ehemalige Kaufhaus Krämer ist ein geschichtsträchtiges Ensemble direkt am Marktplatz – fünf miteinander verschmolzene Gebäude, die auf einem labyrinthartigen Kellergewölbe aus dem Mittelalter stehen. Nun sucht die Stadt Investoren, die das historische Gebäudeensemble revitalisieren sollen. Wie aus einer Pressemeldung hervorgeht, hat die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim mbH (MEGB) jetzt einen Wettbewerb für das frühere Kaufhaus zwischen Hauptstraße, Bahnhofstraße und Schuhgasse gestartet.
Das Kaufhaus Krämer gehöre zu den markantesten Gebäuden Bensheims. „Es verbindet Gebäudeteile aus verschiedenen Jahrhunderten – von mittelalterlichen Gewölbekellern bis zu Bauten aus dem frühen 20. Jahrhundert – und prägt das Stadtbild an einer der zentralsten Lagen der Innenstadt. In den vergangenen Jahren hat das Ensemble jedoch bekanntermaßen zunehmend an Nutzungsintensität verloren“, so die Stadt. Große Teile der Obergeschosse stünden leer, der bauliche Zustand mache eine „umfassende Sanierung“ erforderlich.
Planungen und Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Neugestaltung des Ensembles mit einem sehr hohen Investitionsvolumen verbunden sei. Wie die Stadt auf Anfrage der Redaktion erklärt, rechne man aufgrund früherer Schätzungen mit Sanierungskosten in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrags.
Stadt hofft auf Stärkung der Innenstadt
Die Stadt erhofft sich von dem Projekt eine Stärkung der Innenstadt und neue Impulse für Handel, Gastronomie, Dienstleistungen sowie mehr Wohnraum. Das Nutzungskonzept solle dazu beitragen, mehr Frequenz und Aufenthaltsqualität im Herzen Bensheims zu erzeugen. Der Verkauf sei an verbindliche Fristen geknüpft: Der künftige Eigentümer verpflichtet sich demnach, innerhalb von drei Jahren nach Zuschlag den Bauantrag einzureichen, spätestens zwei Jahre nach Erteilung der Baugenehmigung mit der Revitalisierung zu beginnen und diese innerhalb von fünf Jahren nach Baubeginn abzuschließen.
Faktoren beim Wettbewerb seien unter anderem der Kaufpreis, die Qualität des Nutzungskonzepts, der Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz, die Gestaltung der Erdgeschosse, Nachhaltigkeitsaspekte sowie die Umsetzbarkeit des Projekts. „Der Kaufpreis fließt zwar mit 35 Prozent in die Bewertung ein, insgesamt entscheidet jedoch das wirtschaftlichste Gesamtangebot aus Preis und Qualität. Der Mindestkaufpreis beträgt 1,55 Millionen Euro“, so die Stadt.
Die beiden Gebäude an der Hauptstraße und der Bahnhofstraße stehen laut der Stadt unter Denkmalschutz und müssten in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde denkmalgerecht saniert werden. Gleichzeitig biete insbesondere der Gebäudeteil in der Schuhgasse zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Insgesamt stehen rund 1700 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche zur Verfügung, davon rund 500 Quadratmeter im Erdgeschoss.
Investoren können ihre Angebote bis zum 31. August, 12 Uhr, über die Website des Deutschen Vergabeportals einreichen. Vorab besteht die Möglichkeit, das Gebäude im Rahmen einer Ortsbesichtigung kennenzulernen und Fragen zum Verfahren zu stellen. „Falls es zu keinem Verkauf innerhalb der Ausschreibung kommt, muss die Thematik in den Gremien der MEGB überarbeitet und neu beschlossen werden“, teilt die Stadt auf Anfrage der Redaktion mit.
Kaufhaus mit langer Geschichte
Den Grundstein für das Kaufhaus legte Anschel Reiling, der 1857 ein Geschäft in der Hauptstraße 24 eröffnete. Die Witwe des jüdischen Kaufmanns, Elise Neugaß, kaufte 1876 das Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäftshaus von Georg Krausser an der Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße und verlegte das Geschäft dorthin – dies war die Geburtsstunde des Kaufhauses Reiling. 1911 wurde der Architekt Prof. Dr. Heinrich Metzendorf von der Familie mit dem Um- und Erweiterungsbau beauftragt. Als innovativ gilt laut Stadt nach wie vor der Erweiterungsbau entlang der Bahnhofstraße, den Metzendorf in Anlehnung an die großen Kaufhäuser in Berlin, München und Paris gestaltet.
1929 stellte die Familie Reiling aus geschäftlichen Gründen den Kaufhausbetrieb ein. Nach der Aufgabe des Geschäfts zog die Familie von Artur Reiling nach Zwingenberg und emigrierte von dort aus. Später übernahm das seit 1909 bestehende Kaufhaus Blüm & Krämer das Gebäude an der Ecke Marktplatz/Bahnhofstraße. Es wurde seit 1936 von Wilhelm Krämer und seiner Frau Auguste, geborene Ebling, geführt. Nach dem Tod des Ehepaars Krämer leitete Richard Ebling den Betrieb gemeinsam mit Hans Emig, der 1964 ausschied.
Richard Eblings Sohn Hans trat 1970 in den elterlichen Betrieb ein. Er führte das Kaufhaus bis zur Schließung aus wirtschaftlichen Gründen im Jahr 2003. 2018 kaufte die städtische Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB) das denkmalgeschützte Ensemble, abgesegnet durch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung.
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