Weiterstadt (sas). Ein Reh im Vordergrund und ein stattlicher Hirsch vor einer Leinwand im Hintergrund – seit vielen Jahren spielen die Waldtiere eine Rolle auf den Filmfest-Plakaten, so auch dieses Jahr. Auf den Plakaten, die inzwischen an vielen Ecken in Weiterstadt und den Stadtteilen hängen, wird das große Jubiläum angekündigt: Das 50. Open-Air Filmfest Weiterstadt feiert sein rundes Jubiläum vom 13. bis 17. August, wie immer schon am Braunshardter Tännchen, am (Zirkus-)Filmzelt und im Kommunalen Kino.
Anfang des Jahres hat das Kommunale Kino Weiterstadt noch mit seinem Status gekämpft und war für einige Monate geschlossen – mittlerweile ist die Weiterarbeit gesichert, mit laufendem Kinoprogramm seit Juni, einem gegründeten Verein und einer gemeinnützigen GmbH der Stadt, die ebenfalls in Gründung ist. Die Einschätzung von Andreas Heidenreich, Programmleiter und langjähriger Organisator: „Das hat natürlich Einfluss gehabt auf die gesamte Arbeit, aber nicht aufs Ergebnis.“ Das Kino ist nun in seine Sommerpause gegangen, denn das Jubiläums-Filmfest findet in knapp vier Wochen statt und das Filmfest-Team steckt mitten in den umfangreichen Vorbereitungen.
Nina Friemann, langjährige Leiterin der Orgagruppe, staunt selbst über das halbe Jahrhundert: „Es ist ein Hammer, dass es jetzt schon 50 Jahre sind und vom kleinen Bettlaken in den Bäumen zu einem so großen Festival geworden ist. Ich weiß von vielen Super-8-Filmschaffenden, dass sie sich für dieses Jahr regelrecht hier verabredet haben, die wollen eine Filmzeitschrift mit dem Titel ‚Der Jochen‘ herausbringen.“ Das gereicht dem im Januar verstorbenen Jochen Pollitt zur Ehre, der mit ein paar Freunden vor 50 Jahren das Laken zwischen die Bäume am Braunshardter Tännchens gehängt und so das Filmfest ins Leben gerufen hat, vor damals rund 200 Zuschauern. Seitdem ist das Open-Air-Format im Sommer ein fester Bestandteil der regionalen wie internationalen Kurzfilm-Gemeinschaft.
Die Super8-Filmszene war früher richtig groß, weswegen das Filmfest diesem Format noch heute einen Ehrenplatz eingeräumt hat. Auch Jochen Pollitt wird in vielen alten Filmstreifen auftauchen uns besonders in diesem Jahr auf dem Jubiläums-Filmfest präsent sein.
Kurze Filme, langer Atem
Einige Highlights anlässlich des Jubiläums soll es dieses Jahr geben: eine große Retrospektive zu 50 Jahren Filmfest in Weiterstadt in 35mm-Format, Freitagnacht und Samstagnacht am Tännchen, sowie eine Super-8-Retrospektive am Samstag, um 16 Uhr, im Kino. Etliche Filmchen aus den 80er Jahren kommen aus den Projektor, Aufnahmen von den alten Filmfesten vor Ort, die zum Teil zwischen den Filmfesten in Weiterstadt gedreht wurden. Und auch dieses Jahr wird wieder ein ausgesuchtes Kurzfilmprogramm gezeigt. Viele Filmschaffende kommen nicht nur nach Weiterstadt zum Festival, sie finden hier auch ein Forum. Wie in den letzten Jahren schon wird es eine eigene Infoveranstaltung zur Filmförderung geben von der AG Kurzfilm und Hessen Film & Medien.
Auch die Jungen kommen beim Filmfestival auf ihre Kosten, mit einem eigenen Kurzfilmprogramm für Kinder am Samstag, ab 10 Uhr, und für Jugendliche am Freitag, ab 14.45 Uhr. Das Kinder- und Jugendprogramm wurde laut Filmfest-Team dieses Jahr von Kindern und Jugendlichen aus der Region ausgewählt, die im letzten Jahr dabei waren oder auch Filme gemacht haben. Es wird auch einen Animations-Workshop für Kinder (und Erwachsene) geben, am Samstag, am Braunshardter Tännchen, gestaltet von Kyne Uhlig und Nikolaus Hillebrand, den Machern der „Sendung mit der Maus“. Um Anmeldungen hierfür wird gebeten.
Gibt es thematische Schwerpunkte in diesem Jahr?
Andreas Heidenreich: „Im Vergleich zu den letzten Jahren gibt es viele wiederkehrende Themen wie Migration, sehr viele Alzheimer-Filme, auch mit Kindern, politische Themen, einige Filme über ICE in den USA, aber auch schöne Lovestories und unterhaltsame Dokus. Es sind nicht ganz so viele Filme wie letztes Jahr eingereicht worden, durch die Retrospektive haben wir allerdings bestimmt 40 bis 50 kurze Filme mehr. Und wir haben zum ersten Mal einen Film aus Grönland im Programm.“
Helfer gesucht und geschätzt
Ein Filmfest dieser Größenordnung braucht viele helfende Hände. Dieses Jahr zum 5. Mal werden wieder internationale Helfer, die sich über das Workcamp zusammengefunden haben, nach Weiterstadt anreisen, um vor allem den Auf- und Abbau zu unterstützen. Dieses Jahr kommen die 14 Workcamper aus Mexiko, Spanien, Italien, Frankreich, Japan, der Türkei, Tschechien und der Schweiz.
Doch auch die regionalen Helfer sind geschätzt. Einige sind schon seit den Anfängen des Filmfests dabei, Nachwuchs wird immer gesucht. „Wir freuen uns immer über jeden, der uns vor, während und nach dem Filmfest unterstützen kann, ob während einer Schicht auf einem der Stände oder dem freiwilligen Eintritt, der Lastwagen fahren kann – ob jung oder alt, jedes Hilfs-Angebot ist willkommen. Alle, die Lust haben, sich einzubringen“, so Nina Friemann. Auch über Schlafplätze für Filmschaffende freuen sich die Organisatoren.
Umsonst und draußen, das war das Open-Air Filmfest schon immer, unterstützen kann man das Kurzfilmevent als Besucher beim freiwilligen Eintritt sowie mit Verzehr an den Essens- und Getränkeständen. Wieder gibt es einen kostenlosen Bus-Shuttle von Darmstadt bis ans Tännchen, der immer wartet, bis der letzte Film nachts gelaufen ist. Wer es an den Festivaltagen nicht aufs Gelände schafft, ist herzlich eingeladen, zum „Best Of“ ins Filmzelt am 17. August zu kommen oder am 29. August in die Centralstation, der Vorverkauf ist bereits geöffnet.
Anmeldungen und Anfragen: info@filmfest-weiterstadt.de
