Erfelden (haza). „Heute ist ein besonderer Tag, an dem wir nicht nur ein Gebäude feiern. Wir feiern 70 Jahre Zusammenhalt, Engagement, Gemeinschaft und auch 70 Jahre Sport in der Turnhalle. Wir feiern eine Turnhalle, die weit mehr ist als ein Dach über einem Sportboden. Unsere Turnhalle erzählt Geschichten von Mitgliedern, die angepackt haben“, betonte die Vorsitzende des TV Erfelden Melanie Stahlecker-Zach zu Beginn der Feierlichkeiten für die TV-Halle in der vergangenen Woche.
Unter dem Vorsitzenden Heinrich Maul der Sechste wurden im Frühjahr 1955 die Ideen konkret und mit tatkräftiger Unterstützung von Karl und Georg Fretter ging es am 6. November 1955 los. Am 7. September 1957 folgte schließlich die große festliche Einweihung der vereinseigenen Turnhalle.
„Zwei große Ölöfen haben die Halle geheizt. Der Boden war aus Beton, dieser war mit Farbe gestrichen. Man erinnert sich, dass beim ersten Tanz sich der Anstrich gelöst und hat und die Klamotten/Schuhe der Gäste total versaut hat. Die Oberlichter waren damals schon installiert“, informierte Stahlecker-Zach unterstützt von der zweiten Vorsitzenden Monika Seubert die Gäste.
Die TV-Halle habe sich unter den Vorsitzenden Hans Kumpf, Daniel Emmer und Walter Schaffner weiterentwickelt. Es folgten 1965 die Einweihung eines Jugendraumes, der Bühnenanbau, die Dusch- und Umkleideanlage, die Toilettenanlage, eine Miniküche und die erste Heizung sei installiert worden. In die TV-Halle habe es etwa um 1970 ein handgefertigter mobiler Springbrunnen geschafft, der auf vier Füßen gestanden hätte und von Blumen umrandet gewesen sei. Und darum habe man ausgiebig das Tanzbein geschwungen, so Stahlecker-Zach weiter. Bei einem Tanzball sei es wohl so heiß gewesen, dass Martin Landau Senior seine Schuhe darin zur Abkühlung versenkt, sie klitschnass wieder angezogen und dann beim Tanzen seinen Fuß so geschnickt habe, dass sich der Schuh mit ordentlich Schwung gelöst habe und dann fest in der Decke steckengeblieben sei. „Der steckte wohl länger oben“, kommentierte Stahlecker-Zach.
1985 folgten der Bau und die Einweihung der Schießsportanlage mit sechs Ständen – diese wurde in Windeseile innerhalb von drei Monaten errichtet. Die Schützenfeste seien legendär und immer sehr gut besucht gewesen.
Nach einer Idee vom damaligen Vorsitzenden Walter Schaffner gab es insgesamt sechs Opernabende in der Halle, worüber sogar HR 3 damals berichtet habe.
Aber auch das Bullenreiten, die Riedstädter Tauziehmeisterschaften auf dem Damm, Olympia in Erwelle, Fingerhakelwettbewerbe, drei Maskenbälle, Silvesterpartys, Tanzveranstaltungen und Turniere seien eng mit der TV-Halle verbunden gewesen.
Heute wird regelmäßig die Kerb in der Halle gefeiert. 2018 wurde die Halle barrierefrei gemacht. Ebenso wurde eine große PV-Anlage auf dem Dach installiert.
Vorsitzender Thomas Pöschl habe mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie ab 2020 zu kämpfen gehabt und es sei ihm aber trotzdem gelungen, den Verein in dieser schweren Zeit zu modernisieren und digitalisieren, berichtete Stahlecker-Zach weiter.
„Als unsere Turnhalle im Jahr 1955 mit über 4500 freiwilligen Arbeitsstunden gebaut wurde, entstand etwas Außergewöhnliches. Alle Arbeiten wurden nach Feierabend oder sonntags ausgeführt. Es waren keine Baufirmen, die den Grundstein legten – es waren die eigenen Hände unserer Mitglieder Johannes Maul Junior, Ludwig Maul, Wilhelm Maul, Ludwig Schaffner, Hans Nold, Albert Rheinhardt, Werner Müller, Werner Schrimpf, August Mertin, Georg Fretter, Karl Fretter, Heinrich Emmer und Wilhelm Schneider“, betonte Stahlecker-Zach. Was damals entstand, sei weit mehr als ein Bauwerk aus Stein, Beton und Holz gewesen. „Es entstand für uns ein Zuhause. Ein Ort, an dem Generationen das Turnen lernten, Siege feierten, Niederlagen gemeinsam verarbeiteten, Freundschaften fürs Leben schlossen – vielleicht auch Ehen – und unzählige Stunden miteinander in Gesellschaft der dritten Halbzeit verbrachten“, betonte die sichtlich bewegte Vorsitzende.
Zum Abschluss dankte Stahlecker-Zach allen, die den TV zu dem gemacht hätten, was er heute ist. „Ihr seid alle ein Teil unserer Vereinsgeschichte und ohne Euch gäbe es keinen so lebendigen Verein. „Herzlichen Glückwunsch zu 70 Jahren Erweller Turnhalle – und auf eine gemeinsame Zukunft voller Bewegung, Sport, Zusammenhalt und Begeisterung, endete die Vereinsvorsitzende und lud alle zum direkt im Anschluss stattfindenden Weinfest ein.
