Die Schäden in der alten Kita Sternenzauber sind viel schlimmer, als ursprünglich angenommen. Immer mehr Mängel sind zutagegetreten. Foto: Archiv/Schreiber

Neubau statt Stückwerk

Sanierungskosten für Weiterstädter Kita "Sternenzauber" extrem gestiegen

Weiterstadt (hst). Auf der Tagesordnung der letzten Stadtverordnetenversammlung am 20. August stand unter anderem der Punkt „Sanierungsbedarf der AWO-Kita Sternenzauber“ in der Berliner Straße 25. Grund für die Sanierung der Betreuungseinrichtung ist ein Leitungswasserschaden, der vor rund drei Jahren aufgetreten ist und wegen dem die Kita übergangsweise in den Stadtteil Braunshardt verlegt werden musste.

Im Jahr 2024 belief sich eine Kostenberechnung des beauftragten Architekturbüros auf einen Betrag von knapp über 1,7 Millionen Euro zuzüglich Betriebskosten wie die Anmietung des Gemeindehauses Braunshardt und die Inventareinlagerung in Höhe von rund 210.000 Euro. Insgesamt kam man auf einen Sanierungsbetrag von knapp unter zwei Millionen Euro. Obwohl die Stadt Weiterstadt nicht Eigentümerin der Liegenschaft ist, trägt sie laut Betreibervertrag mit der AWO family gGmbH die Kosten für die bauliche Unterhaltung des Gebäudes, der Außenanlagen und des Inventars.

Laut aktuellen Kostenberechnungen des Architekturbüros hat sich der ursprünglich für die Sanierung veranschlagte Betrag jetzt allerdings erheblich erhöht, weil doch mehr Schäden zu beseitigen seien, als zunächst festgestellt. Rund 2,7 Millionen Euro zuzüglich „Risikoaufschlag“ in Höhe von fast 190.000 Euro würden jetzt anfallen. Diese Kosten übersteigen die ursprünglich also bei Weitem. Deswegen wäre ein Neubau sinnvoller als eine Sanierung des 1994 in Holzständerweise erbauten Gebäudes. Das sorgt für Unverständnis bei den Stadtverordneten: „Warum wissen wir erst jetzt, mehr als drei Jahre später, dass die Kita nicht mehr saniert werden kann“, fragt Niklas Tribull von der SPD-Fraktion. Das alles habe so lange gedauert, dass die Kinder, die vor drei Jahren dort in die Kita hätten gehen sollen, mittlerweile Schulkinder seien. „Wir sind in der Verantwortung, die Stadt, die Stadtverordneten und die AWO. Wir müssen jetzt auf die Tube drücken“, sagt Tribull.

Und Patrick Meinhardt von der CDU-Fraktion führt an, dass mit den veranschlagten 2,7 Millionen nur das Erdgeschoss saniert werden würde, kein Keller, kein Dach, kein weiteres Geschoss. Von dem energetischen Gesichtspunkt einmal ganz abgesehen. Sinnvoller und schneller wäre ein Neubau, wie es die Stadt Frankfurt vorgemacht habe: „Dort wurde von einem Generalunternehmer innerhalb von zwölf Monaten eine 5-zügige Kita für rund vier Millionen Euro errichtet“, sagte Meinhardt, denn dann hätte man ein neues Gebäude mit Gewährleistung auf das gesamte Haus.

Dem schloss sich Bürgermeister Niklas Gehnich an: „Es zeigt sich immer wieder, dass beim Bauen im Bestand Mängel auftreten, die man vorher nicht gesehen hat.“ Er selbst sei vor Ort in der Kita Sternenzauber gewesen und habe gesehen, dass die Fenster nicht richtig schließen würden, die Sanitäranlagen veraltet seien und die Räume allgemein in keinem guten Zustand wären.

Viele Mängel, die das Architekturbüro in ihren neuen Berechnungen mit aufgeführt hat, würden auch nicht auf den Leitungswasserschaden zurückzuführen sein, sondern auf bauliche Mängel aus der Bauzeit in den 90er Jahren. Unter anderem habe sich ergeben, dass der Anschluss des Regenfallrohrs im Bereich der Küche an die dort befindliche Zisterne unsachgemäß erfolgt sei, so dass die geschädigte Gebäudeecke über Jahre hinweg durchfeuchtet worden so.

Aus all diesen Gründen soll die Stadt nun die Realisierung eines viergruppigen Kita-Neubaus am gleichen Standort prüfen. Dem stimmten alle Fraktionen zu.

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