Schneppenhausen (sas). Angekündigt hatte Manfred Dittrich seinen Rücktritt von den parlamentarischen Ehrenämtern bei der Amtseinführung des neuen Bürgermeisters Niklas Gehnich im Dezember 2025. Mit seinem Ausscheiden als geschätzter Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Weiterstadt im April dieses Jahres ist ein Amt freigeworden, das mit ihm ganze 20 Jahre besetzt war – solange hatte das bislang niemand ausgefüllt.
Der gebürtige Weiterstädter (Jahrgang 1956) und gelernte Bauingenieur schaut auf einen großen Erfahrungsschatz aus seinem Berufsleben zurück, den er auch in der Kommunalpolitik einsetzen konnte. Unsere Lokalreporterin Sabine Schreiber traf Manfred Dittrich in seinem Haus in Schneppenhausen zu einem Gespräch.
Wie geht es Ihnen jetzt nach dem Ausscheiden aus Ihrer Funktion als Stadtverordnetenvorsteher in Weiterstadt?
„Ich habe immer noch keine Langeweile, vor allem habe ich endlich Zeit, einige Dinge intensiver und häufiger zu tun, Konzert- und Theaterbesuche oder Reisen und Ausflüge, auch mit dem Oldtimer, den ich mir zu meinem Ausscheiden aus dem Berufsleben zugelegt habe. Einige Ehrenämter in Vereinen habe ich immer noch, allerdings habe ich mich nicht mehr für die SPD zu den Kommunalwahlen aufstellen lassen, da wollte ich nach über 30 Jahren einen Strich ziehen und mich nicht mehr in den Magistrat wählen lassen. Es hat alles seine Zeit. Als interessierter und fachkundiger Bürger werde ich allerdings noch weiterhin auf Stadtverordnetenversammlungen gehen, ich bin mit sieben ehemaligen Stadtvorstehern vernetzt, da können wir uns ausführlich austauschen und kommentieren.“
Manfred Dittrich ist 1995 als Stadtverordneter ins Parlament eingetreten und ist dort über 31 Jahren aktiv gewesen. In dieser Zeit war er zusätzlich stellvertretender und Stadtverordnetenvorsteher sowie Vorsitzender im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr. Neben dem Engagement in vielen Beiräten gehörte Dittrich auch 20 Jahre lang dem Arbeitskreis Städtepartnerschaften an.
Sie haben als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung einige Beschlüsse zum Abschluss bringen können, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Welche Themen sind für Sie wichtig und noch offen geblieben?
„Wir haben immer noch kein einziges bebauungsfähiges Wohngebiet, das berühmte Projekt ‚Apfelbaumgarten II‘ ist zu meiner großen Enttäuschung immer noch nicht gestartet, sondern wird bereits seit zehn Jahren geplant – ein Zeitraum, den ich mir beruflich gar nicht hätte vorstellen können. Ich war es als Bauingenieur gewohnt, Dinge schnell und präzise abzuwickeln. Viele Pläne wurden hier verändert, obwohl sie beschlossen waren, es wurden neue Schleifen gedreht, wo die Verwaltung Dinge angestoßen hat, die so nie beschlossen wurden – das hat viele Verzögerungen bewirkt. Ich hoffe, dass dort wenigstens noch ein kleines Wohngebiet entstehen wird. Ich denke, dass wir auch dringend ein kleines Gewerbegebiet brauchen, vielleicht zehn bis zwölf Hektar, im Anschluss an bestehende Gebiete. Es gab bereits mehrere Firmen, die angefragt hatten, auch bestehende, die erweitern wollten. Keine neuen Logistikzentren, die große Flächen versiegeln und starke LKW-Belastung bringen, sondern ein kleines Gewerbegebiet, gezielt für neue Arbeitskräfte und Ausbildungsplätze. Ich habe auch seit Jahren für einen neuen Kindergarten in der Riedbahn gekämpft. Solche Wünsche gebe ich jetzt gern an die aktuellen Politiker weiter.“
Wie sind Sie als Diplomingenieur zur Politik gekommen?
„Beruflich wollte ich nie in die Politik, das war immer ein Hobby. Als Jugendlicher wollte ich zuerst Architekt werden, dann war mein Berufsziel Bauingenieur, besonders spannend fand ich dabei die Option, für größere Projekte ins Ausland gehen zu können. Darauf habe ich mein Studium ausgerichtet, mit 23 Jahren war ich bereits als Leiter auf einer Großbaustelle in Nigeria – mein Berufswunsch hatte sich da schon erfüllt, weitere Städte in Westafrika folgten. Nach zehn Jahren, mit Mitte 30, bin ich dann wieder zurückgekehrt nach Weiterstadt und habe mich für die Gesellschaft für Kommunalbau in Hessen engagiert. Durch verschiedene Projekte in Südhessen, unter anderem in Pfungstadt oder Riedstadt, habe ich viele Bürgermeister und das kommunale Bauen kennengelernt und viele Erfahrungen gesammelt. Außer Schulen habe ich eigentlich alles gemacht im kommunalen Baubereich. Der Schritt dahin, in der eigenen Kommune mit meiner Expertise zu agieren, lag dann nicht mehr fern und ich habe dann in Weiterstadt angefangen, als fachkundiger Bürger unter Bürgermeister Günter Hahn. Man hat auf mich gehört und irgendwann hat man mich gefragt, ob ich nicht weiter in die Politik gehen wollte. Bald darauf, 1991, bin ich in die SPD eingetreten.“
Nach der Arbeit im Kommunalen Wohnungsbau wechselte Dittrich beruflich stärker in die Immobilienwirtschaft, mit Schwerpunkt gewerbliche Immobilienbüros. Unter seiner Leitung wurden einige große Projekte verwirklicht wie der Maintower, der Westhafen Frankfurt oder die Staatskanzlei Hessen sowie mehrere Hotels in Wiesbaden.
Ihre Expertise war damals mit Sicherheit gefragt, sind Sie heute noch beratend tätig?
„Wenn mich jemand fragt, kann ich gerne meine Einschätzung dazu abgeben – ich hätte gern noch das eine oder andere erlebt, was wir damals beschlossen haben. Leider hat die Verwaltung vieles davon nicht umgesetzt oder eben etwas anderes, insofern hat mich das oft geärgert. Ich habe mich in die Unterlagen immer sehr gründlich eingearbeitet und das kannte ich so nicht aus der freien Wirtschaft, da wurden Beschlusslagen immer zeitnah realisiert, bei Problemen hat man sich zusammengesetzt und konkret nachgebessert. Ein prominentes Beispiel ist das Gerätehaus der Feuerwehr: Da hatte ich bereits dreimal eine Bürgerversammlung in den neuen Räumen der Feuerwehr anberaumt, um den Bürgern die neue Feuerwehr zu präsentieren, und musste dreimal die Pläne ändern, weil das Projekt immer noch nicht fertig war. Auch der Bürgertreff in der Riedbahn kommt nicht zustande, weil der Bauhof dort ausgelagert ist – vielleicht war die Verwaltung durch die Vielzahl der Projekte auch zu stark gefordert. Die genauen Gründe erschließen sich mir allerdings nicht.“
Die parlamentarischen Verhältnisse haben sich in diesem Jahr geändert, eine Kooperation von CDU, FDP und ALW-Grüne, die der SPD als stärkste Partei mehrheitlich gegenübersteht – wie schätzen Sie dies ein?
„Ein Wechsel ist in einem demokratischen System immer möglich, ich habe als Stadtverordnetenvorsteher immer versucht, alle zusammen zu führen, weit über 70 Prozent aller Beschlüsse sind in meiner Zeit einstimmig erfolgt. Die meisten wollen Politik im Interesse von Weiterstadt gestalten, oft sind es nur Nuancen in der eigenen Position, da ist der Weg für gute Kompromisse meist nicht weit, das hat in der Vergangenheit auch immer gut geklappt. Ich denke, das wird auch weiter so funktionieren, dass die demokratischen Parteien aufeinander zugehen. Wie sich das mit einer neuen Partei wie der AOF und Der Partei sowie mit einer Kooperation von drei Parteien ausgestaltet, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen.“
Was ist jetzt anders als früher?
Als Stadtverordnetenvorsteher hatte man rund 120 Termine während des Jahres, allein 22 Stadtverordnetenversammlungen, Fraktionssitzungen davor und danach, zwei bis drei Ausschusssitzungen im Monat, alles neben meiner 120-Prozent-Vollzeitstelle. Auf viele Termine wurde meine Frau zwar mit eingeladen – für das private Leben blieb jedoch meist nur das Wochenende. Jetzt können wir freier alle unsere Termine und unsere Reisen planen – 100 Länder habe ich schon bereist, jetzt werden wir noch in diesem Monat nach Schottland die 101. Reise antreten. Ab sofort können wir endlich spontaner sein!“
