Pfungstadt (rd). Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die klingen, als seien sie für ein Kinderbuch erfunden worden. Im Fall von Kuh Mücke war es genau andersherum: Erst geschah die wahre Geschichte, dann wurde daraus ein Kinderbuch. Geschrieben hat es Hans-Joachim Sinner aus Pfungstadt. Die Bilder dazu stammen nicht von einem professionellen Illustrator, sondern von Friedrich Löffler – einem zehnjährigen Jungen, der für das Buch die Bilder gemalt hat. Gemeinsam haben die beiden „Die Abenteuer der Kuh Mücke: Eine wahre Geschichte“ veröffentlicht.
Die Begebenheit nahm im August 2025 in Neckargemünd in Baden-Württemberg ihren Anfang und ging damals durch die Medien. Mücke, eine zweijährige Kuh, sollte geschlachtet werden, entkam jedoch kurz vor ihrer geplanten Schlachtung und floh in die umliegenden Wälder. Wochenlang mied sie den Kontakt zu Menschen, bis sie schließlich Anschluss an eine Schafherde fand und von den Tieren aufgenommen wurde. Erst beim nächsten Weidenwechsel gelang es, Mücke behutsam einzufangen. Dank eines großzügigen Spenders fand sie schließlich ein dauerhaftes Zuhause auf dem Gnadenhof von Bauer Johannes in Romrod, in der Nähe von Alsfeld. Betreut wird sie vom Verein „Rüsselheim“, der sich für gerettete Nutztiere einsetzt.
Hans-Joachim Sinner ließ diese Geschichte nicht mehr los. „Da habe ich zu meinen Freunden gesagt: Ich schreibe ein Buch“, erzählt er. Zunächst hätten manche darüber geschmunzelt. Doch wer ihn kenne, wisse, dass solche Sätze bei ihm keine leeren Worte seien. Tiere hätten in seinem Leben ohnehin immer eine Rolle gespielt; in seiner Familie gab es durchgehend Hunde. So entstand nach und nach die Idee, Mückes Weg in Reimen zu erzählen. In sieben Kapiteln folgt das 24 Seiten starke Buch der jungen Kuh – von der Flucht über die Begegnung mit den Schafen bis hin zu ihrem neuen Zuhause.
Für die Bilder suchte Sinner jemanden, der Mückes Geschichte mit kindlichem Blick auf Papier bringen konnte. Auch dabei half ein besonderer Zufall: Über das Umfeld seines Lieblingsvereins, des SV Darmstadt 98, kam er mit Dr. Mignon Löffler-Enzgraber, der Enkelin von Professor Leopold Enzgraber, in Kontakt. Dieser hatte 1898 den FK Olympia Darmstadt mitgegründet, aus dem später der SV Darmstadt 98 hervorging. Während des Gesprächs meldete sich ihr Sohn Friedrich – und sagte spontan, dass er die Bilder malen wolle. Aus spontaner Begeisterung wurde ein gemeinsames Projekt.
Über mehrere Monate malte Friedrich die Bilder nach den entsprechenden Vorgaben. So entstand aus Mückes Geschichte nicht nur ein Buch über eine gerettete Kuh, sondern auch eine besondere Zusammenarbeit zwischen einem Pfungstädter Autor und einem jungen Künstler, der die Geschichte mit eigenen Bildern zum Leben erweckte. Auch gemeinsame Lesungen fanden bereits statt: Friedrich las Passagen aus dem Buch vor, während Hans-Joachim Sinner die Geschichte ergänzend einordnete. Nach Angaben des Autors kamen die Vorlesetermine, unter anderem in Kindergärten, sehr gut an.
Mit dem Buch verbindet Sinner auch einen Tierschutzgedanken. Ein Großteil der Erlöse aus dem Buchverkauf soll Mücke und weiteren Tieren in Not zugutekommen. Eine erste Spende an den Verein „Rüsselheim“ ist für August geplant. Dann möchte Sinner erneut zu dem Gnadenhof fahren, auf dem Mücke heute lebt und den er bereits gemeinsam mit Friedrich besucht hat.
Das Buch ist beim Herausgeber „epubli“ erschienen und unter anderem online erhältlich. Noch lieber ist Sinner allerdings der direkte Verkauf, weil dann ein größerer Teil des Erlöses für die geplanten Spenden verwendet werden könne. Wer Interesse an dem Buch hat, Exemplare für ein Geschäft beziehen möchte oder eine Lesung für Kinder organisieren will, kann sich an Joachim Sinner wenden.
Kontakt und weitere Infos: joachim.sinner@web.de

