Bund (mw). Würde man die statistische Grundgesamtheit von einhundert befragten Leuten zugrundelegen, die einst durch eine privatsenderische Spielshow geflügelte Wortbedeutung erlangte, sicher keine(r) gäbe die Antwort „Ja“. Auf welche Frage? Die danach, ob man sich freiwillig in die Pflegebedürftigkeit begäbe. Niemand wünscht sich, im Alter oder schon früher, nicht mehr alleine für sich sorgen zu können und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein, ob vollständig oder auch nur teilweise. Ursachen für Pflegebedürftigkeit gibt es viele, allen voran Krankheiten oder deren Spätfolgen, wie etwa Demenz, Folgen von Schlaganfällen, Krebsleiden oder schlicht fortschreitendes Alter in einer Gesellschaft, die eine längere Durchschnittslebensdauer aufweist als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Rund 5,7 Millionen Pflegebedürftige zählt das Statistische Bundesamt in Deutschland, rund vier von fünf werden zu Hause versorgt, zumeist von pflegenden Angehörigen und oft unterstützt von einem ambulanten Pflegedienst. Hiervon gibt es im Bundesgebiet über 15.000 Stück, ebenso wie rund 16.500 Pflegeheime existieren. Die Menschen, die darin leben, machen etwa ein Fünftel der Pflegebedürftigen in Deutschland aus. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren gab es in der Bundesrepublik zwischen 2,2 und 2,3 Millionen Menschen, die der Pflege bedurften, der Anstieg seit 2006 ist also enorm und will bewältigt werden. Vor allem beim Pflegepersonal in Pflegediensten, Altenheimen oder stationären Einrichtungen im Klinik- und Rehabereich wurde in zurückliegender Zeit zunehmend von Überlastung, nicht angemessener Bezahlung, hohen Einstiegshürden und schlicht zu wenig Menschen gesprochen, die sich für diesen herausfordernden Beruf entscheiden.
Bis zum Jahr 2055 erwartet das Statistische Bundesamt eine weiter steigende Kurve von Menschen mit Pflegebedürftigkeit, auf dann rund 6,8 Millionen. Danach seien indes keine weiteren starken Anstiege mehr zu erwarten, da die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre abgelöst würden von Jahren, in denen weniger Kinder auf die Welt gekommen sind.
Mit einer Reihe von Maßnahmen hat unter anderem das Bundesministerium für Gesundheit seit 2018 in der sogenannten „Konzertierten Aktion Pflege“ versucht, bessere Bedingungen für die Arbeit im Pflegesektor zu schaffen, darunter etwa mehr Geld auf dem Gehaltszettel, Bezahlung nach Tarif sowie grundsätzlich attraktivere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Dies scheint zu fruchten. Laut einer Tagesschau-Recherche habe die Pflegeausbildung in Deutschland 2025 spürbar zugelegt. Rund 64.300 neue Azubiverträge zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann bedeuten einen Anstieg von etwa acht Prozent im Vergleich zu 2024. 2020 wurde diese generalistische, dreijährige Ausbildung in Vollzeit geschaffen, sie vereint seitdem frühere Einzelberufe wie Gesundheits- und Krankenpflegerin oder den Altenpfleger. Derzeit befinden sich 158.000 Menschen deutschlandweit in diesem Ausbildungsgang, der höchste Stand seit dessen Einführung. Prozentual haben hier auch die Männer mit Neuvertrag zugenommen, nämlich um 15 Prozent im Vergleich zu 2024 (Frauen plus sechs Prozent).
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant derweil eine Pflegereform, um Milliarden in der Pflegeversicherung zu sparen. Ersten Entwürfen zufolge bedeuten Warkens Pläne harte Einschnitte für Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner, die ohnehin bereits mit ausgeuferten Kosten konfrontiert werden, die Monat für Monat auf sie zukommen. Tausende Euros müssen aufgebracht werden, um Hilfe zu erhalten, ohne die ein Leben oft nicht möglich wäre. Wohlgemerkt in einem Zustand, den man sich – wie erwähnt – nicht selbst ausgesucht hat. Zuschüsse zu Heimkosten aus der Pflegeversicherung sollen später gezahlt werden als zuletzt, ebenso wie der Zugang zu Pflegegraden erschwert werden soll.
Es besteht die Gefahr, dass immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen auf Sozialhilfe angewiesen sind, um ihre Unterbringung zu finanzieren. Ergo nur eine Verschieben der Last und kein wirkliches Sparen.
