Gernsheim (rd). Seit vielen Jahren gehört der Modellbau für Mario Schmidt aus Gernsheim zu seinen großen Leidenschaften. Besonders Flugzeuge haben es ihm angetan. Ihn begeistert, aus vielen einzelnen Teilen ein Modell entstehen zu lassen, das seinem Vorbild möglichst nahekommt und am Ende tatsächlich fliegt. „Wenn man etwas baut und konstruiert und es funktioniert am Schluss; das ist das, was mich fasziniert“, sagt Schmidt.
Als sechsjähriger Junge war er mit seinen Eltern auf der Wasserkuppe. „Da bin ich das erste Mal in ein Motorflugzeug eingestiegen“, erinnert sich Schmidt. „Das ist meine Sache, die Fliegerei“, führt er fort. Als Jugendlicher beschäftigte er sich mit Plastikmodellbausätzen, mit knapp 20 Jahren kam schließlich der Modellflug hinzu. Zunächst kaufte er einen Segler, danach ein Motorflugzeug. Doch beide Modelle wollten nicht so recht, wie Schmidt sich das vorgestellt hatte. Also begann er, selbst Hand anzulegen, Dinge zu verändern und eigene Lösungen zu entwickeln. Dass er schließlich in einem Verein landete, hatte auch mit seinem damaligen Schwiegervater zu tun. Der habe irgendwann genug davon gehabt zuzusehen, wie Schmidt sich allein mit seinen Modellen abmühte. Er meldete ihn kurzerhand bei einem Modellflugverein an. Dort fand Schmidt Gleichgesinnte und konnte sein Wissen und seine Fähigkeiten über die Jahre immer weiter ausbauen.
Heute entstehen in seiner Werkstatt zum Teil stattliche Flugmodelle. Eines davon bringt es auf eine Spannweite von rund 4,60 Metern. Gerade bei solch großen Modellen ist Erfahrung gefragt. Gewicht, Konstruktion und Flugeigenschaften müssen zusammenpassen. Im Verein gilt für die Modelle eine Gewichtsgrenze von 25 Kilogramm. Der Reiz liegt für ihn auch in der Nähe zum Original. „Wenn man ein Flugzeug gebaut hat, das aussieht wie echt und sich in der Luft auch so verhält wie das Original, dann macht das schon Spaß“, sagt er.
Dass Schmidt nicht nur Flugzeuge bauen kann, zeigte sich bei einem besonderen Auftrag der Stadt Gernsheim. Der Bürgermeister bat ihn, den sogenannten Aalschokker als Modell nachzubauen. Das Schiff sollte als Gastgeschenk für Gernsheims französische Partnerstadt Bar-sur-Aube dienen. Für Schmidt war das Neuland: Ein solches Schiffsmodell hatte er zuvor noch nie gebaut. Trotzdem sagte er zu. „Ich habe einfach gesagt: Ja, baue ich, kein Problem. Dabei hatte ich vorher noch nie so ein Schiff gebaut“, erinnert er sich. Sicherheitshalber fertigte er gleich zwei Exemplare parallel an. Falls bei einem etwas schiefgehen sollte, wollte er nicht ohne Ergebnis dastehen. Am Ende gelang das Vorhaben doppelt: Beide Modelle wurden fertig. Eines trat als Gastgeschenk die Reise nach Bar-sur-Aube an, das zweite blieb in Gernsheim beim Bürgermeister. Und weil ihm das Ganze so gut gefallen hat, baute er im Anschluss noch zwei weitere, eins für das Kulturamt und eins für sich.
Wer Mario Schmidt, den Bauhofleiter der Stadt Gernsheim, zu Hause besucht, erkennt schnell, wie viel Raum sein Hobby inzwischen einnimmt. Modelle finden sich im Keller, der Garage, in der Werkstatt und im Büro. Große und kleine Flugzeuge erzählen dort von vielen Jahren Modellbauerfahrung.
Dass der Nachwuchs für den Modellbau nicht mehr ganz so leicht zu begeistern ist wie früher, beobachtet auch Schmidt. Dabei könne das Hobby jungen Menschen einiges vermitteln. Technisches Verständnis gehört ebenso dazu wie handwerkliches Geschick und Geduld. Gleichzeitig sei der Einstieg heute teilweise leichter geworden. Moderne Modelle aus leichten Materialien können bereits weitgehend vorgefertigt gekauft werden. Wer sich ernsthaft für das Hobby interessiert, kann beim Modellflug-Club Gernsheim vorbeischauen. Mittwochs ist Vereinstag, auch die Jugendarbeit spielt dabei eine Rolle. Anfänger müssen nicht sofort alles beherrschen. Erfahrene Modellflieger unterstützen sie und greifen ein, wenn beim Bau oder beim Fliegen etwas nicht funktioniert.
Mit strahlenden Augen erinnert er sich an sein erstes Modellbausatz von Simprop, ein Lehrer-Schüler-Modell, was richtig gut geflogen ist. „Das Flugzeug hab ich circa 100 mal gebaut, als Baukasten, als Fertigmodell, für viele andere Vereinsmitglieder, usw.“, erzählt er begeistert. „Irgendwann haben wir ihn auf 2,20 Meter vergrößert, der damalige erste Vorsitzende und ich. Das Ding fliegt einfach wunderbar.“
