Weiterstadt (hst). Das Thema der Standortverlegung des Weiterstädter Warenkorbs wurde in der letzten Sitzung des Haupt-, Finanz-, Kultur- und Sozialausschusses ausgiebig erörtert. Dabei ging klar hervor, dass die Albrecht-Dürer-Schule erweitert werden muss und dass hierfür momentan nur das aktuell vom Warenkorb genutzte Gelände neben der Schule in Frage kommen würde. Ein neuer Standort muss also her.
Wie bereits berichtet, hat der Warenkorb auf dem rund 1000 Quadratmeter großen Gelände mittlerweile neun Container sowie eine Kühlzelle auf einer Länge von 25 Metern stehen und dazu noch einen Materialcontainer, der längs gestellt ist.
Wie der 1. Vorsitzende des Warenkorbs, Eugen Moczygemba, sagt, hätten die Ehrenamtlichen des Warenkorbs auch Verständnis dafür, dass die Schule mehr Platz braucht und stünden einem Umzug insgesamt nicht negativ gegenüber: „Wir stellen uns nicht dagegen. Wir wollen nur sicherstellen, dass der Umzug, egal welches Gelände schlussendlich dafür geeignet ist, für unsere Kundschaft zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Wenn man bedenkt, wie viel ein Einkauf wiegen kann, wenn für eine mehrköpfige Familien eingekauft wird, dann wird klar, dass der neue Standort möglichst nah an einer Bushaltestelle liegen sollte.“
Von 15 bis 30 Kilogramm pro Wocheneinkauf sei hier die Rede, so Moczygemba, wenn man für eine vier- bis sechsköpfige Familie einkaufen gehe – und es gäbe sehr viele Familien unter den rund 600 Warenkorbkunden.
In der Ausschusssitzung, an der neben dem Bürgermeister der Erste Kreisbeigeordnete und auch der Warenkorb Rederecht hatten, teilte Bürgermeister Niklas Gehnich mit, dass aktuell ein Gelände auf einem Teil des Bolzplatzes beim Wohn- und Quartierszentrum auf Eignung für den Warenkorb geprüft werde. „Laut Bürgermeister Gehnich ist das Gelände rund 3500 Quadratmeter groß, davon wären 1000 Quadratmeter für den Warenkorb gut abteilbar“, sagt Moczygemba.
Allerdings liege der Bolzplatz laut vergangen Beurteilungen in einem sogenannten „sozialen Brennpunkt“, weswegen vor einigen Jahren der Bau einer Kita dort nicht verwirklicht worden sei. Ob das heute noch immer ein „Quartier mit besonderem Entwicklungsbedarf“ sei, wisse er nicht, er sei aber guten Mutes, dass sich inzwischen einiges zum Guten geändert habe.
Der Weg von der Bushaltestelle in der Sudetenstraße beträgt laut Google Maps rund 500 Meter, was nicht weiter als der Weg von der Bushaltestelle an der Dürer-Schule zum aktuellen Warenkorbgelände ist. So wären die Sorgen der Ehrenamtlichen des Warenkorbs, dass ihre Kunden die schweren Einkäufe weit tragen müssten, zumindest auf diesem Gelände ausgeräumt.
Außerdem würde der „Trampelpfad“ zum alten Warenkorb, der hinter dem Edeka-Gelände als Abkürzung genutzt werde, über kurz oder lang auch geschlossen, sagt Moczygemba, das zumindest hätte der Bürgermeister in der Ausschusssitzung verkündet. „Der Weg war und ist auch nicht schön. Er wird immer wieder mit Papier, Unrat und leeren Getränkeverpackungen zugemüllt, obwohl wir ihn oft säubern. Der Müll kommt regelmäßig wieder“, sagt Moczygemba
Auf Nachfrage an die Stadtverwaltung, wie weit die Planungen des neuen Standorts gediehen sind, teilte das Büro des Bürgermeisters mit, dass zunächst innerhalb der Verwaltung die Entwürfe für den neuen Standort geprüft würden, man sich dann mit dem Warenkorb abstimmen und ein mit dem Warenkorb abgestimmtes Ergebnis der Öffentlichkeit präsentieren wolle. Die Klärung der Standortfrage sei kein Thema, das „von heute auf morgen entschieden wird“. Der Bürgermeister bittet dafür um Verständnis.
Die Ehrenamtlichen des Warenkorbs hätten prinzipiell nichts gegen eine Verlegung des Standorts, wiederholt Moczygemba. Unbedingt zu berücksichtigen sei aber auch, dass der eigentliche Umzug, also von der Schließung des alten Standorts bis zur Inbetriebnahme des neuen, nicht mehr als 14 Tage vergehen dürften.
Diese zwei Wochen, so Moczygemba, seien der Zeitrahmen, den es unbedingt einzuhalten gelte – zum einen, um die Bedürftigen weiter versorgen zu können, zum anderen, damit man nicht wieder ganz von vorne mit der Akquise der Lebensmittelspender treten und die Absprachen mit den einzelnen Ausgabestellen neu vereinbaren müsse: „Als wir damals, vor vielen Jahren, damit anfingen, uns mit den Spendestellen und den Tafeln in Darmstadt, Groß-Gerau und Langen sowie dem Warenkorb Pfungstadt abzusprechen, wer wann wo etwas abholen kann, hat das viele, viele Stunden Zeit gekostet, bis alles reibungslos gelaufen ist. Das wieder von vorne beginnen zu müssen, wäre wirklich nicht schön.“
Und die Sorgen der Ehrenamtlichen sind nicht unbegründet, denn die Container von A nach B zu bringen wäre zwar teuer, aber verhältnismäßig einfach: „Rund 225.000 Euro würde das nach Aussage eines versierten Architekten ungefähr kosten“, sagt Moczygemba. Ob allerdings alle benötigten Strom-, Wasser- und sonstigen Anschlüsse – zumindest auf dem Bolzplatz-Gelände – rechtzeitig verlegt und in Betrieb genommen werden können, ist für die Ehrenamtlichen noch ein großer Unsicherheitsfaktor.
Deswegen wäre es schön, schon früh in die Planungen für den neuen Standort mit eingebunden zu werden, so Moczygemba, aber er und alle seine ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen würden nun abwarten, was seitens der Stadtverwaltung an sie herangetragen werde.
