Pfungstadt (rd). Auf dem Hof in der Mainstraße steht eine hölzerne Mühle mit Wasserrad – ein Stück Pfungstädter Kerb-Geschichte. Bei Annelie Hengstberger haben die Pungschder Wouwebauer Werkstatt, Material-Lager und Treffpunkt. Sie sind kein Verein, sondern ein Freundeskreis, der die Kerb seit langem mitprägt.
Begonnen hat alles 2003 am Stammtisch „Zur Schäferstubb“. Eine kleine Gruppe von sechs oder sieben Menschen fand, dass beim Kerbeumzug gestalterisch mehr möglich sein sollte. Noch im gleichen Jahr entstand ihr erster Wagen: ein Schafstall auf einem Tieflader als Hommage an ihr Stammlokal. Heute gehören 16 Menschen zur Gemeinschaft, darunter Freunde, Angehörige und Bekannte.
Der Ideenreichtum zeigte sich früh: 2004 rollte eine Straßenbahn durch Pfungstadt, 2005 folgte ein drei Meter hoher Weizenbierstiefel. 2006 entstand die Mühle mit funktionierendem Wasserrad und echtem Wasser. Sie ist bis heute erhalten und für Joachim „Aki“ Geißler noch immer einer der schönsten Wagen.
Danach folgten 2007 ein Hexenhaus, 2008 ein von Pferden gezogener Leiterwagen mit Livemusik, 2009 der Pfungstädter Galgen und 2010 ein Baustellenwagen. Nach einer Pause erhielt der Stammtisch 2012 seinen heutigen Namen und baute den Pfungstädter Europakreisel. Weitere Motive waren ein Blitzer, der Sprungturm des Schwimmbads, 2017 die frühere Streichholzfabrik und 2018 sowie 2019 das historische Rathaus.
Grundthema und Details entwickelt die Gruppe gemeinsam. Üblich sind knapp drei Monate Bauzeit, was je nach Aufwand variieren kann. „Es soll ja nicht in Arbeit ausarten“, sagt Klaus Meier. „Eine Woche vor dem Umzug soll der Wagen fertig sein. Bislang haben wir dieses Ziel immer erreicht“, ergänzt Geißler.
Der Anhänger war ursprünglich ein Miststreuer und stand etwa zehn Jahre auf einem Feld, bevor ein Landwirt ihn der Gruppe überließ. Schweißarbeiten und neue Räder machten ihn wieder einsatzfähig. Mit Aufbau kann er geschätzt bis zu zwei Tonnen wiegen und muss regelmäßig zur Brauchtumsabnahme. Material, Reparaturen, Prüfungen und das Wurfmaterial bezahlt die Gruppe selbst. Einnahmen erzielt sie nicht. Die Wouwebauer investieren Zeit und Geld, um anderen eine Freude zu machen. Nach den Corona-Jahren bauten sie 2022 den offiziellen Wagen für den Hessentag 2023. Im Jahr 2023 folgte ein übergroßes Hufeisen zur Erinnerung an die Pfungstädter Brauerei. 2024 warnten sie mit „Lasst unsere Kerb nicht sterben“ vor einem Verlust der Tradition. 2025 griffen sie mit dem Heimat- und Museumsverein erneut das Thema Mühle auf. Neben Geißler bauen unter anderem Klaus Meier, Knut Müller, Gerd Winkelmann und Detlef Schreiter mit. Eine besondere Rolle spielt Annelie Hengstberger. Seit 1972 ist sie eng mit der Kerb verbunden und stellt der Gruppe gerne ihren Hof zur Verfügung. Dort wird gearbeitet, gegrillt und gemeinsam Fußball geschaut. So ist er zum Zuhause für die Wouwebauer geworden, die auch am Kerbezug in Hahn teilnehmen.
Wer die Gruppe finanziell oder mit Material unterstützen möchte, kann sich über Facebook bei Joachim Geißler melden. Was die Wouwebauer für die Kerb 2026 bauen, bleibt noch geheim. Anfang September soll der neue Wagen bei einer Wagentaufe enthüllt werden. Beim Pfungstädter Kerbeumzug kann ihn dann die Bevölkerung sehen.
