David Koontz bei der Arbeit – der in Hochstädten lebende Künstler entwirft und baut Bühnenkulissen für Stars wie Helene Fischer und DJ Bobo. Foto: Koontz

Von Florida in den Odenwald

David Koontz fertigt Bühnenbilder für Stars wie Helene Fischer

Hochstädten (ps). Eine große, schwarz-rote Spinne schaut bedrohlich von der Wand in David Koontz‘ Werkstatt. Es ist eines der Kunstwerke, die der Künstler aus Florida in seiner Freizeit herstellt. „Für Halloween“, erklärt Koontz, der mit seiner Frau und zwei Kindern im Bensheimer Ortsteil Hochstädten lebt. „Sie ist mit UV-Farbe bemalt. Wenn sie mit UV-Licht bestrahlt wird, dann leuchtet sie.“ Koontz ist Maler, Fotograf, Zeichner und Videokünstler, aber im Hauptberuf fertigt er Bühnenbilder und Requisiten für Stars wie Helene Fischer, DJ Bobo und Andrea Berg an. Auch für die bekannte Reitshow „Cavalluna“ ist er aktiv.

Gerade erst hat ein rund drei Meter hoher Stahlbaum seine Werkstatt verlassen. „Ich bekomme ein Konzept sowie eine Skizze für die Kulisse, dann muss ich mir überlegen, welche Materialien ich verwende und wie ich das Objekt gestalte“, so Koontz. Viele Faktoren müssten bedacht werden, so auch bei der Größe. „Es muss transportiert werden können und durch die Eingänge sämtlicher Hallen passen.“ Eine weitere Requisite, die eine große Hausforderung darstellte, war ein Flügel, auf dem Pferde stehen können. „Ein Albtraum“, so Koontz schmunzelnd.

Denn neben Aspekten wie Größe und Gewicht gelte es auch, an die Sicherheit von Mensch und Tier zu denken, die sich zwischen oder auf den Kulissen bewegen. Er zeigt Pläne für spiralförmige Konstruktionen, in denen Artisten agieren sollen. „Ich berechne aus Sicherheitsgründen immer das vielfache des eigentlich benötigten Gewichts, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.“ Konstruktionen, die Personen mit 80 oder 100 Kilo Gewicht tragen oder halten müssten, baut er beispielsweise so, dass sie bis zu 700 Kilo tragen oder halten können.

Zusammenarbeit mit bekannten Künstlern
Prominente Musikerinnen und Musiker, die viele in Deutschland nur aus den Medien kennen, hat er durch seine Arbeit persönlich kennengelernt. „DJ Bobo ist ein wahnsinnig netter und umgänglicher Mensch“, schwärmt Koontz. „Er hätte mich gerne auf seiner Tour dabei gehabt.“ Aber dazu fehlt David Koontz die Zeit. Auch für Andrea Berg und Helene Fischer hat er viel Lob übrig. „Mit Helene Fischer arbeite ich hervorragend zusammen. Sie hat einen sehr guten Draht zu den Technikern und Musikern.“ Hin und wieder agiert Koontz auch selbst auf der Bühne, zum Beispiel in selbst gebastelten Kostümen auf Stelzen. Er zeigt Bilder vom berühmten „Burning Man“-Festival in Nevada/USA, bei dem er in einem solchen Kostüm aktiv war.

Geboren und aufgewachsen ist David Koontz ist Orlando/Florida. Sein künstlerisches Talent demonstriert der 1976 geborene Amerikaner bereits im Alter von etwa fünf Jahren. „Ich habe das Haus meiner Eltern präzise aus der Vogelperspektive nachgezeichnet, obwohl ich es nie aus dieser Perspektive gesehen habe.“ Seine Eltern bauen und verkaufen geräumige Wohnmobile. Eine kreative Tätigkeit, durch die Koontz bereits in frühester Kindheit mit der Arbeit an Holz und Stahl, mit Handwerk und Design in Berührung kommt. „Ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr in der elterlichen Werkstatt mitgearbeitet und dort mit 14 Jahren auch mein erstes eigenes Geld verdient.“ In der Schule besuchte er Kunstklassen und später eine High School, die sich auf Kunst spezialisiert hatte. Nach dem Schulabschluss folgte ein Besuch auf einem College mit dem Schwerpunkt auf Kunst, dort lernte er alles über Malerei, Zeichnen, Video-Kunst und Fotografie.

KI-Kunst beeinflusst den Markt
Nach seiner Collegezeit beginnt Koontz, für amerikanische Bands Bühnen zu gestalten, bald aber kommen auch Unternehmen der Unterhaltungsbranche wie Disney und die Universal Studios als Auftraggeber dazu. Seit 2010 ist er in Deutschland aktiv, vor allem in der Schlager- und Unterhaltungsbranche, nach Stationen in Wetzlar und Regensburg lebt er seit 2017 in Hochstädten. Vor allem in Regensburg mit seiner historischen Altstadt hat es ihm sehr gut gefallen. Mit dem Odenwald ist er dagegen noch nicht so richtig warm geworden – im wörtlichen Sinne. Kalt sei es hier, findet Koontz, der manchmal das subtropische Klima in Florida vermisst.

Beeinflusst wurde David Koontz durch Künstler wie MC Escher und HR Giger. Auch durch Regisseur Ridley Scott, der durch Filme wie „Alien“ und „Blade Runner“ neue Akzente gesetzt hat. Sucht man die Kunst von David Koontz im Internet, wird man kaum etwas finden. Er habe seine Kunst bereits in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, aber durch die große Konkurrenz von KI sei der Markt schwieriger geworden, außerdem will er nicht, dass die KI durch seine Kunst trainiert wird, darum verzichtet er auf Social-Media-Kanäle. „Die Menschen können sich mit Hilfe von KI in wenigen Sekunden Kunstwerke generieren, für die ein Mensch viele Stunden oder Tage braucht.“ Schlecht reden will er die neue Technologie dennoch nicht. „KI bietet natürlich enorme Möglichkeiten, das Leben zu verbessern und Arbeitsprozesse zu vereinfachen.“ Auch ist er überzeugt, dass sich der Wunsch nach Kunst aus Menschenhand auf Dauer durchsetzen wird. Koontz ist sich sicher: „Nach der KI-Welle wollen die Menschen wieder etwas Reales.“

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