Pfungstadt (rd). Die Malzfabrik, das abgerissene Schwimmbad oder der Torfbrunnen in Eschollbrücken: Es sind vertraute Orte, mit denen viele Menschen Erinnerungen verbinden. Sascha Schickedanz bringt sie als stilisierte Motive auf T-Shirts und Hoodies – überwiegend in schwarz-weiß, teils aber auch mit Farbakzenten und manche sogar in kräftigen Farben. „Die Leute sehen ein Motiv und können sofort etwas damit verbinden“, sagt der 47-jährige Pfungstädter.
Ihren Anfang nahm die Marke „Heimweh“ vor rund einem Jahr bei einem Ausflug zum Hessentag nach Bad Vilbel. Schickedanz und sein Freund Jens waren gemeinsam mit ihren Ehefrauen dort. Nach wenigen Stunden hätten die Männer bereits wieder nach Hause gewollt. Die Frauen kündigten daraufhin scherzhaft an, ihnen beim nächsten Ausflug ein Bild der Pfungstädter Malzfabrik auf den Tisch zu stellen. Dann könnten sie sich auch außerhalb ihrer Heimat wie daheim fühlen.
Bei einigen Bier griffen Schickedanz und sein Freund den Spruch später wieder auf und entwickelten das erste T-Shirt mit der Malzfabrik. Auch der Name war schnell gefunden: „Heimweh“. Was er damit verbindet, beschreibt Schickedanz so: „Wenn du aus dem Urlaub kommst, von der Autobahn abfährst und als Erstes die Malzfabrik siehst, weißt du, dass du daheim bist.“ Das Herz im Logo besteht aus den Fingerabdrücken der beiden Gründer. Jens zog sich nach den ersten Erfolgen aus dem Projekt zurück. Bei neuen Designs unterstützt er Schickedanz aber weiterhin. Inzwischen umfasst die Kollektion rund 30 Motive. Pfungstadt und seine Stadtteile spielen dabei eine zentrale Rolle. Neben der bereits genannten Malzfabrik finden sich darauf unter anderem die Büchner-Villa, das Rathaus in Eschollbrücken, der Kiosk Lindeneck sowie der Pfungstädter Irish Pub.
Längst reicht die Auswahl über die Stadtgrenzen hinaus. Auch der „Lange Ludwig“ in Darmstadt, die Berliner „Goldelse“ und Motive aus Kaiserslautern wurden verewigt. Bensheim soll zeitnah folgen. Neue Anregungen erhält Schickedanz häufig von Menschen, die ihn auf besondere Gebäude, Treffpunkte oder verschwundene Orte aufmerksam machen. Teilweise stellen sie auch historische Bilder zur Verfügung. Schickedanz stellt die Shirts selbst im klassischen Flexdruck her. Dabei wird das Motiv aus Folie geplottet, von überflüssigen Bestandteilen befreit und anschließend auf den Stoff gepresst. Hauptberuflich ist der gelernte Einzelhandelskaufmann bei Benz Baustoffe in Bensheim tätig.
Das Projekt „Heimweh“ führt Schickedanz inzwischen weitgehend allein. Unterstützung erhält er dabei von seiner Frau Sue, die ihm bei verschiedenen Aufgaben hilft und zu Hause den Rücken freihält. Mehrere Hundert T-Shirts und Hoodies hat Schickedanz bereits hergestellt. Auf dem Weihnachtsmarkt erzählten ihm Besucher zu vielen Motiven ihre eigenen Geschichten und Erinnerungen. Wichtig ist ihm, dass seine Shirts bezahlbar bleiben. Zur Einführung kosten sie aktuell 22,95 Euro, demnächst soll der Preis bei 25 Euro liegen. „Mir ist wichtig, dass sich jeder die Shirts leisten kann“, betont er.
Bislang verkauft Schickedanz vor allem über persönliche Kontakte und an Veranstaltungsständen. Beim Brunnenfest in Eschollbrücken wird er ebenfalls vertreten sein. Ein Onlineshop unter befindet sich im Aufbau. Anfragen und Motivvorschläge sind per E-Mail an möglich.
Langfristig möchte Schickedanz ausschließlich von „Heimweh“ leben. Perspektivisch kann er sich sogar ein bundesweites Franchise-Modell vorstellen. Denn nahezu jeder Ort habe ein Gebäude, einen Platz oder eine Kneipe, bei deren Anblick Einheimische sofort denken: Hier bin ich zu Hause.
Kontakt und weitere Infos: heimweh.store,
saschaschickedanz@icloud.com
