Übergabe des Rettungswagens an die IPA Chmelnyzkyj, an ukrainische Polizeikollegen sowie den Polizeipräsidenten der Oblast Chmelnyzkyj, Polizeioberst Iwan Ischtschenko. Foto: Privat

Hilfe, die Leben retten kann

Gernsheimer engagiert sich für humanitäre Unterstützung in der Ukraine

Gernsheim (red). Humanitäre Hilfe kennt keine Grenzen – das zeigte kürzlich erneut der Gernsheimer Polizeibeamte David Weiser, der gemeinsam mit seinem Kollegen Hartmut Scherer einen weiteren Rettungswagen in die Ukraine überführte. Für Weiser, Vorsitzender der IPA Bergstraße-Odenwald, war es bereits die dritte Überführung eines Rettungswagens. Die IPA (International Police Association) ist mit rund 370.000 Mitgliedern in über 100 Staaten der weltweit größte Berufsverband von Polizeibeschäftigten. Unter ihrem Leitspruch „Servo per Amikeco – Dienen durch Freundschaft“ engagiert sie sich neben dem internationalen Austausch auch für humanitäre Hilfsprojekte. Bereits in den vergangenen Jahren brachte die IPA Bergstraße-Odenwald mehrere Rettungswagen sowie weitere dringend benötigte Hilfsgüter in die Ukraine.

Der Rettungswagen wurde vom DRK-Ortsverband Odenwaldkreis zur Verfügung gestellt. Vor der Abreise wurden die beiden Polizeibeamten vom hessischen Innenminister Roman Poseck verabschiedet, der die Hilfsmission ausdrücklich unterstützte.

Ziel der über 3000 Kilometer langen Fahrt war die westukrainische Stadt Chmelnyzkyj. Erst bei der offiziellen Übergabe erfuhren sie, dass das Fahrzeug bereits wenige Tage später rund 30 Kilometer hinter der Front im Raum Kramatorsk eingesetzt werden sollte, um verletzte Polizisten und Soldaten zu versorgen.
Bereits am ersten Abend wurde die Präsenz des Krieges laut einem Bericht Weisers deutlich. Während ihres Aufenthalts wurde demnach Luftalarm ausgelöst. Das Krankenhauspersonal habe die beiden Polizeibeamten routiniert in die Schutzräume gebracht und das richtige Verhalten erklärt. Der Alarm blieb ohne Folgen, machte laut den beiden jedoch eindrucksvoll deutlich, dass der Krieg auch im Westen der Ukraine allgegenwärtig ist. „Gerade bei der Übergabe wurde uns noch einmal eindrucksvoll vor Augen geführt, welche Bedeutung ein Rettungswagen für die Menschen in der Ukraine hat“, berichtet David Weiser. „Er bedeutet Hoffnung und die Chance auf schnelle medizinische Hilfe.“

Während ihres Aufenthalts waren David Weiser und Hartmut Scherer in einem gemeinsamen Polizei- und Militärkrankenhaus untergebracht. Dort führten sie zahlreiche Gespräche mit ukrainischen Polizeikollegen und verletzten Einsatzkräften. Besonders eindrucksvoll war laut den beiden, dass sich dort auch der Rettungswagen befand, den die IPA Bergstraße-Odenwald bereits 2022 in die Ukraine überführt hatte und der bis heute täglich im Einsatz ist. Die ukrainischen Partner hätten außerdem von den zunehmenden psychischen Belastungen berichtet, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Besonders bewegend sei zudem der Besuch eines der sieben Soldatenfriedhöfe in Chmelnyzkyj gewesen. Zwischen den Gräbern sei deutlich geworden, dass hinter jedem Namen ein Mensch mit Familie, Freunden und einer eigenen Lebensgeschichte steht.

Für David Weiser und Hartmut Scherer bleibt vor allem eine Erkenntnis: „Erst vor Ort haben wir verstanden, welchen Unterschied unsere Hilfe tatsächlich macht. Zu sehen, dass der Rettungswagen nur wenige Tage nach der Übergabe dort eingesetzt wird, wo täglich Menschenleben gerettet werden, hat uns gezeigt, dass Hilfe aus Südhessen genau dort ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird.“

Auf der Rückreise wurden die beiden Polizeibeamten von ihren ukrainischen und polnischen IPA-Freunden begleitet. Ein kurzer Aufenthalt in Warschau bot zudem die Gelegenheit, bestehende Kontakte zu polnischen Kolleginnen und Kollegen weiter zu pflegen und die internationale Zusammenarbeit innerhalb der IPA weiter auszubauen.

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