Im Rahmen des Museumsfests wurde am Sonntagvormittag die Wanderausstellung „Angekommen“ eröffnet. Foto: Hausl

Die Integration der Vertriebenen

Wanderausstellung „Angekommen“ im Schaufenstermuseum eröffnet

Griesheim (gu). Im Rahmen des Museumsfestes wurde am Sonntagvormittag die Wanderausstellung „Angekommen“ eröffnet, die bis zum 4. Oktober im Schaufenstermuseum zu sehen ist. Die Ausstellung des Bundes der Vertriebenen widmet sich der Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und macht damit ein wichtiges Kapitel der lokalen und deutschen Nachkriegsgeschichte lebendig und greifbar. Flucht und Vertreibung von 12 bis 15 Millionen Deutschen bis weit über das Ende des Zweiten Weltkrieges hinaus war die größte Zwangsmigration in der europäischen Geschichte. Sie erzählt von Verlust, Neubeginn und der schwierigen Suche nach einem Platz in einer veränderten Gesellschaft. Die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen war rückblickend ein Erfolg, der zu den größten Leistungen Deutschlands nach 1945 zählt. Doch der Weg dahin war von einer Vielzahl menschlicher Härten, Leid der Betroffenen und Spannungen zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen geprägt und führte zu tiefgreifenden politischen, sozialen und konfessionellen Veränderungen, den größten seit dem Dreißigjährigen Krieg.

Aus den vielfältigen Kulturen der Alt- und Neubürger entwickelte sich eine neue gemeinsame Identität. Auch in Griesheim und rund um St. Stephan wurde dieser Wandel sichtbar und prägt die Stadt bis heute. Hier entstand nach dem Krieg eine neue Heimat für viele Menschen, die alles verloren hatten. In einfachen Unterkünften, geprägt von Wohnraummangel, Mangelernährung und unsicheren Zukunftsperspektiven, begann für die Neuankömmlinge ein Leben unter schwierigen Bedingungen. Gleichzeitig trafen sie auf eine einheimische Bevölkerung, die selbst von den Kriegsfolgen gezeichnet war und oft wenig Verständnis für das Schicksal der Vertriebenen aufbrachte. Lange war ungewiss, ob ein friedliches Zusammenleben gelingen würde.

Und doch entstand genau hier etwas Neues: Mit großem Willen und Tatkraft beteiligten sich die Vertriebenen in Griesheim am Wiederaufbau. Sie brachten ihre Erfahrungen, Traditionen und kulturellen Prägungen ein. In St. Stephan spiegelte sich dieser Prozess im Alltag, im religiösen Leben, in Gemeinschaft und Nachbarschaft wider. Die Kirche wurde dabei nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Zentrum des Ankommens, der Orientierung und des Zusammenwachsens.

Die Ausstellung im Schaufenstermuseum lädt dazu ein, diese Geschichte als Teil einer gemeinsamen Verantwortung zu verstehen. Die Erinnerung an Flucht, Vertreibung und Integration sowie die Pflege der kulturellen Wurzeln der damaligen Neuankömmlinge sind nämlich nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft.

Die 48 ausgestellten Tafeln erfordern ein langes Lesen, räumte die Museumsvereinsvorsitzende Julia Mörtel bei der Ausstellungseröffnung ein. Pfeile auf dem Boden helfen bei der chronologischen Orientierung. Als Vertiefung dessen, was in der Ausstellung zu sehen ist, wird am 15. August Paul Pertschy als Zeitzeuge den historischen Hintergrund mit persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen ergänzen.

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