Stockstadt (haza/red). Großes Interesse an der Bürgermeisterwahl in Stockstadt: Mehr als 500 Menschen kamen am Montagabend ins Coreum, um Luigi Urzo (parteilos), Maike Hebermehl (SPD) und Ute Schumann (CDU) erstmals gemeinsam auf einem Podium zu erleben. Alle drei bewerben sich um die Nachfolge von Amtsinhaber Thomas Raschel (CDU), der nicht mehr zur Wahl antritt. Viele Besucherinnen und Besucher kamen dabei mit dem Fahrrad – passend zum zweiten Platz Stockstadts beim diesjährigen Stadtradeln im Kreis Groß-Gerau.
Moderiert wurde der rund 90-minütige Abend von Coreum-Geschäftsführer Björn Hickmann. Unter den Gästen waren auch zahlreiche Vertreter der Kommunalpolitik, darunter die Bürgermeister Marcus Rahner aus Biebesheim und Marcus Merkel aus Büttelborn sowie Stockstadts Rathauschef Thomas Raschel oder der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Groß-Gerau, Stefan Sauer.
Die Fragen gaben den drei Kandidierenden Gelegenheit, ihre Vorstellungen vom Bürgermeisteramt und einzelne politische Schwerpunkte vorzustellen. Luigi Urzo stellte vor allem pragmatische und schnell umsetzbare Lösungen in den Vordergrund. Er regte unter anderem einen regelmäßigen Austausch mit den örtlichen Gewerbetreibenden an, brachte neue Wohnformen und Patenschaften für ältere Menschen ins Gespräch und sprach sich dafür aus, die Straßenbeitragssatzung abzuschaffen und Straßenbau stattdessen über die Grundsteuer B zu finanzieren.
Ute Schumann betonte die gemeinsame Entwicklung und zügige Umsetzung von Lösungen. Sie möchte Leerstände frühzeitig angehen, verwies beim Thema Senioren auf das geplante Wohnprojekt in den Köllschen Gärten und griff in ihrem Schlusswort auch die Parkplatzsituation in Stockstadt auf.
Maike Hebermehl beschrieb ihren Ansatz als Zusammenspiel von Beteiligung und Führung: den Menschen zuhören, gemeinsam Lösungen entwickeln – und anschließend Entscheidungen treffen und dafür Verantwortung übernehmen. Konkret sprach sie sich unter anderem für einen Jugendbeirat oder ein Jugendparlament aus, möchte Treffpunkte und Unterstützungsangebote für ältere Menschen stärken und bei Gewerbeflächen zunächst die Möglichkeiten zur Nachverdichtung ausschöpfen. Zusätzliche finanzielle Spielräume sieht sie in einer besseren Nutzung gemeindlicher Liegenschaften und im konsequenten Abruf von Fördermitteln. Besucherinnen und Besucher konnten während des Abends schriftlich eigene Fragen einreichen. Wegen des begrenzten Zeitrahmens wurde davon jedoch nur ein kleiner Teil aufgegriffen.
Für Diskussionen sorgte nach der Veranstaltung ein zuvor angekündigter Livestream des Podiums, laut der Tagespresse organisiert von Schumann und Hebermehl. Urzo hatte einer Übertragung seiner Person und seiner Wortbeiträge nicht zugestimmt und war dementsprechend nicht im Bild zu sehen und bei seinen Wortbeiträgen auch nicht zu hören. Berichten zufolge fühlte er sich vor vollendete Tatsachen gestellt und nicht ausreichend eingebunden. Das Vorgehen seiner Mitbewerberinnen bezeichnete Urzo anschließend in den sozialen Medien als „undemokratisch“. Sowohl Ute Schumann als auch Maike Hebermehl widersprachen dieser Darstellung postwendend öffentlich. Urzo löschte seinen Beitrag später wieder.
Wenige Wochen vor der Bürgermeisterwahl ist das Interesse an der künftigen Spitze des Stockstädter Rathauses offensichtlich groß, was hoffentlich auch zu einer hohen Wahlbeteiligung führen werde, äußerte ein Besucher zum Abschluss der Veranstaltung.
