Bürgermeisterin Christine Klein, Dieter Blumenschein, Verkehrsverein, Marion Reiser, Team Stadtmarketing, Polier Oliver Kratsch-Wehner, Firma Schneider, Zita Schaider und Erika Arnold, Team Stadtmarketing, sowie Mike Mawson, MEGB, (von links) bei einem Ortstermin auf dem Oberen Marktplatz in Bensheim. Bild: Stadt Bensheim

Bauen mit kleinem Budget

Oberer Marktplatz soll an Aufenthaltsqualität gewinnen

Bensheim (red). Von oben grüßt die Stadtkirche Sankt Georg, weiter unten breitet sich der Marktplatz in der Nachmittagssonne aus. Dazwischen befindet sich die Fläche, auf der bis 2019 das Haus am Markt stand und die seitdem brach liegt. „Das ist hier im Prinzip eine Schuttfläche“, erklärte Bauingenieur Dieter Blumenschein, zugleich Vorstandsmitglied beim Bensheimer Verkehrsverein, laut einer Mitteilung der Stadt Bensheim bei einem Ortstermin. Zu sehen ist von alldem mittlerweile nichts mehr. Seit knapp drei Wochen laufen in diesem Bereich Arbeiten, die laut Stadt nun auf die Zielgerade einbiegen.

Der Schwerpunkt liege dabei auf mehr Verkehrssicherheit, einer barriereärmeren Gestaltung und einer höheren Aufenthaltsqualität. Dass der obere Marktplatz eines Tages umgestaltet werden soll, ist seit Jahren erklärtes Ziel, angesichts der angespannten Haushaltslage ist ein solches Großprojekt derzeit jedoch nicht realisierbar. „Eine umfassende Neugestaltung wird die Stadt in den kommenden Jahren aus finanziellen Gründen kaum stemmen können“, betonte Bürgermeisterin Christine Klein beim Ortstermin. Umso wichtiger sei es, die Fläche mit vertretbarem Aufwand sinnvoll weiterzuentwickeln. „Wir wollten mit einem überschaubaren Budget möglichst viel erreichen.“

Rund 71.000 Euro investiert die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB) als Eigentümerin der Fläche in die Maßnahme. Von Beginn habe dabei die Frage im Mittelpunkt gestanden, wie sich die bislang wenig einladende Fläche möglichst vielseitig nutzen lässt.
„Die Fläche soll nicht nur während des Winzerfests funktionieren, sondern das ganze Jahr über“, erläuterte Blumenschein. Gleichzeitig sei darauf geachtet worden, dass Veranstaltungen wie das Winzerfest oder auch der Betrieb der Schorschalm im Winter weiterhin ohne Einschränkungen möglich bleiben.

Herzstück des Vorhabens ist die Neugestaltung des Bodenbelags. Der bisherige Schutt und Schotter wurde entfernt. Stattdessen entsteht eine Kombination aus gepflasterten Bereichen und einer wassergebundenen Decke aus Bessunger Faulkies. Ein gepflasterter Weg soll künftig Menschen mit Rollator oder Kinderwagen die Nutzung der Fläche erleichtern. Eine vollständige Barrierefreiheit lasse sich aufgrund der Gegebenheiten vor Ort allerdings nicht erreichen.

Unter der Fläche befinden sich historische Kelleranlagen, die teilweise mit Bauschutt verfüllt worden seien. Dieser schwierige Untergrund habe die Planer vor Herausforderungen gestellt und dazu geführt, dass der Bereich leicht angehoben und über eine weitere Treppe angebunden werden musste. „Ansonsten hätten wir den Keller abreißen müssen“, konstatierte Blumenschein.

Aus Mitteln des Förderprogramms „Zukunft Innenstadt“ will das Stadtmarketing das weitere Areal aufwerten. Im Herbst sollen entlang der Sandsteinmauer in einem erhöhten Beet Pflanzungen vorgenommen werden. Da der Untergrund nur wenig Wurzeltiefe biete, werde die Fläche angehoben. Gepflanzt werden sollen trockenheitsverträgliche, mediterrane Arten, die den zunehmend heißen Sommern und der exponierten Lage standhalten.

Im Frühjahr 2027 sollen zudem drei große Sonnensegel installiert werden. Ergänzt werden sie durch mobile Sitzmöbel. Außerdem ist vorgesehen, die Sandsteinmauer künftig indirekt zu beleuchten und damit auch in den Abendstunden stärker hervorzuheben, verbunden mit optischen Ausbesserungen. Nicht möglich sei dagegen die vielfach gewünschte Anpflanzung von Bäumen. „Wir haben das in der Vergangenheit immer wieder an unterschiedlichen Stellen prüfen lassen“, bemerkten Marion Reiser und Bürgermeisterin Klein. Unter der Fußgängerzone verliefen umfangreiche Leitungsnetze für Gas, Wasser und Strom. Gleichzeitig müssten die erforderlichen Feuerwehrzufahrten dauerhaft gewährleistet bleiben. „Das sind Zwänge, die können wir weder ignorieren noch übergehen“, so Klein. Aus diesen Gründen setze die Stadt auf andere Formen der Begrünung und Verschattung – etwa Pflanzkübel, klimaangepasste Beete oder künftig auch Sonnensegel.

Da es sich beim oberen Marktplatz um eine private Fläche mit öffentlicher Nutzung handelt, werde über eine Videoüberwachung zum Schutz vor Vandalismus nachgedacht.

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