Weiterstadt (hst). Dass Menschen manchmal nicht mehr in der Lage sind, ihre Haustiere richtig zu versorgen, kann immer wieder vorkommen. Oft müssen sie sich aus gesundheitlichen Gründen – seien es längere Krankenhausaufenthalte, körperliche oder psychische Einschränkungen oder auch, weil sie in ein Senioren- oder Pflegeheim umziehen – von ihren geliebten Zwei- oder Vierbeinern trennen. Manchmal sind auch finanzielle Schwierigkeiten Grund für die Abgabe eines Tieres.
Leider haben dann viele Menschen nicht die Möglichkeit, ihre Tiere bei Familie oder Freunden unterzubringen oder sie gegen Gebühr in einem Tierheim abzugeben, wenn dieses überhaupt einen freien Platz für das Tier hat.
Dann entscheiden viel zu viele Menschen, ihr ehemals geliebtes Haustier einfach auszusetzen, am Straßenrand, im Feld oder – wie im aktuellen Fall – in einer Transportbox vor einem Möbelhaus in Weiterstadt. Am Montag, dem 28. September, wurde der 19-jährige Kater Merlin dort völlig abgemagert und mit ungepflegtem Fell gefunden und von mitfühlenden Menschen zum Gnadenhof Kellerranch gebracht.
Wie Thomas Kalbfleisch von der Kellerranch sagt, ist Merlin nicht gechipt und war stark abgemagert: „Der kleine Kerl wurde medizinisch untersucht und dabei ist unter anderem festgestellt worden, dass er unter einer Bauchspeicheldrüsenfehlfunktion leidet und er Durchfall hat, was schlimm ist, denn bei einem Tier in diesem Alter funktioniert oft die Verdauung sowieso schon nicht mehr richtig. Merlin hat ein hohes Alter erreicht, wenn man von 19 Jahren wirklich ausgehen kann. Sein Alter ist schwierig zu bestimmen, denn er wiegt nur noch zwei Kilo, soviel wie eine junge Katze. Eigentlich müsste er mindestens vier Kilo wiegen.“ Aufgrund seiner körperlichen Verfassung habe er in den vergangenen Tagen bei der Tierärztin intravenöse Infusionen erhalten, sagt Kalbfleisch.
Da Merlin vielleicht noch ein paar Monate, höchsten zwei bis drei Jahre, zu leben hat, und in dieser Zeit mit Sicherheit noch einige Probleme auftreten werden, soll Merlin seinen Lebensabend auf der Kellerranch verbringen. „Wir haben so viele Anfragen zu Merlin erhalten, an sich ist das wunderbar. Aber aus gesundheitlichen Gründen ist eine Vermittlung wirklich schwierig, weil die neuen Besitzer sehr erfahren sein müssten in der Haltung von Katzen in diesem Alter und mit diesem Krankheitsbild“, sagt der zweite Vorsitzende des Tierhilfevereins.
Trotz des Aussetzens dieses kleinen, alten Katers vor einem Möbelhaus ist Thomas Kalbfleisch froh, dass das Tier nicht einfach „entsorgt“ wurde: „Wir haben schon kleine Häschen gebracht bekommen, die im Wald in einer verschlossenen Kiste ausgesetzt wurden. Nur durch Zufall haben Passanten sie gefunden, sonst wären sie elend verhungert.“
Auch Vögel in Käfigen, die auf dem Sperrmüll entsorgt wurden, hätten dank aufmerksamer Bürger ihren Weg zur Kellerranch gefunden. Und von solchen Fällen kann Thomas Kalbfleisch bedauerlicherweise viele schildern.
Der engagierte Tierschützer wünscht sich, dass Tiere direkt zu einem Tierheim oder zur Kellerranch gebracht würden, bevor sie zum Sterben ausgesetzt werden. „Ich weiß, Tiere sind teuer, gerade auch, wenn sie krank werden. Auch uns fällt es schwer, diese Arztkosten zu stemmen. Deswegen rate ich den Tierbesitzern, entweder mit der Tierarztpraxis eine Ratenzahlung zu vereinbaren, das bieten mittlerweile fast alle Praxen an, oder man legt ein Tierarztkonto an, auf das man vorab jeden Monat so viel einzahlt, wie man sich leisten kann. Dann fällt es oft leichter, wirklich hohe Kosten zu begleichen. Und die können gerade bei Operationen leicht auf einen zukommen. Oder zumindest eine OP-Versicherung abschließen, das ist meiner Meinung nach das Minimum, was man haben sollte.“
Kalbfleisch weist außerdem noch auf die Katzenschutzverordnung hin, die seit rund einem Jahr auch für Weiterstadt gilt. „Jede Katze und jeder Kater, die als Freigänger gehalten werden, müssen zwingend gechipt, registiert und kastriert sein. Wer das nicht macht, handelt verantwortungslos und das Ordnungsamt nimmt das auch nicht auf die leichte Schulter. Hier drohen hohe Ordnungsgelder“, sagt Kalbfleisch.
Kater Merlin hat Glück im Unglück gehabt, dass er von Passanten zur Kellerranch gebracht wurde und sich hier liebevoll um ihn gekümmert wird und er seine letzten Tage bei netten Menschen verbringen kann.
Wer den Tierhilfeverein unterstützen will, sei es mit einer Patenschaft für die dort lebenden Tiere, oder mit einer Spende, kann sich über die Homepage des Vereins unter kellers-ranch.com mit der Kellerranch in Verbindung setzen.
