Pfungstadt (rd). 66 Kilometer, 380.000 Volt und eine Investition von rund 400 Millionen Euro: Zwischen Urberach und Weinheim ist eines der wichtigen Netzausbauprojekte der Region abgeschlossen. Am 22. Oktober wurde die neue Höchstspannungsverbindung auf dem Betriebsgelände der Amprion GmbH in Pfungstadt symbolisch in Betrieb genommen. Sie soll dafür sorgen, dass künftig deutlich mehr Strom zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Baden-Württemberg transportiert werden kann.
Was nach Masten, Leitungen und Technik aussieht, hat Bedeutung für den Alltag. Denn mit der Energiewende wachsen die Anforderungen an das Stromnetz. Wind- und Sonnenenergie werden nicht immer dort erzeugt, wo sie gebraucht werden. Zugleich steigt der Strombedarf durch Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und die Elektrifizierung der Industrie. Damit die Energie zuverlässig ankommt, müssen bestehende Verbindungen leistungsfähiger werden.
Genau hier setzt das Projekt des Übertragungsnetzbetreibers Amprion an. Die bisherige 220-Kilovolt-Verbindung zwischen den Umspannanlagen Urberach, Pfungstadt und Weinheim wurde auf 380 Kilovolt ausgebaut. Die Trasse ist Teil einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung des deutschen Höchstspannungsnetzes.
Die höhere Spannung schafft zusätzliche Transportkapazitäten und soll Versorgungssicherheit wie wirtschaftliche Entwicklung der Region stärken.
Für den Ausbau wurden überwiegend vorhandene Trassenräume genutzt. Statt neue Schneisen zu schlagen, modernisierte man Leitungen und Masten innerhalb bestehender Korridore. Die Arbeiten unterschieden sich je nach Abschnitt.
Zwischen Urberach und Griesheim wurden auf einer Länge von 27 Kilometern die Leiterseile ausgetauscht. Die vorhandenen Masten konnten stehen bleiben. Anders auf dem 7,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Griesheim und Pfungstadt: Dort entstanden 23 zusätzliche Strommasten parallel zu zwei bestehenden Leitungen, ein weiterer Mast wurde ersetzt. Den umfangreichsten Mastentausch gab es zwischen Pfungstadt und Weinheim. Auf 31,5 Kilometern wichen 111 ältere Masten insgesamt 88 neuen. So konnte die Führung der Stromleitungen innerhalb einer bestehenden Trasse neu geordnet und optimiert werden.
Hinter dem fertigen Leitungsabschnitt steckt eine aufwendige Bauleistung.
Nach den Angaben zum Projekt wurden mehr als 9300 Kubikmeter Beton verarbeitet und über 2000 Kilometer Leiterseile verlegt. Zeitweise arbeiteten mehr als 220 Monteure gleichzeitig an der Umsetzung. Auf Teilen der Strecke kommen sogenannte Viererbündel zum Einsatz: Vier parallel geführte Leiterseile je Phase ermöglichen eine hohe Stromübertragung und können zugleich Übertragungsverluste sowie die typischen Knistergeräusche reduzieren.
Auch Pfungstadt selbst kann von den Veränderungen profitieren. Im Gewerbegebiet werden alte 110-Kilovolt-Masten zurückgebaut. Die frei werdenden Flächen beziehungsweise die geänderte Leitungsführung eröffnen der Stadt zusätzliche Möglichkeiten, das Gebiet künftig weiterzuentwickeln. Der Netzausbau ist damit nicht nur ein technisches Großprojekt, sondern berührt auch konkrete Fragen der kommunalen Planung.
Bis zur Fertigstellung war es ein langer Weg. Bereits 2013 wurde die energiewirtschaftliche Notwendigkeit des Vorhabens gesetzlich festgestellt. Der schrittweise Ausbau begann im Oktober 2023. Ursprünglich war eine frühere Inbetriebnahme vorgesehen, doch schwierige Boden- und Wetterverhältnisse sowie rechtliche Verfahren verzögerten die Arbeiten. Mit der symbolischen Inbetriebnahme im Oktober 2026 ist nun ein entscheidender Abschnitt der Verbindung abgeschlossen.
Damit endet der Ausbau der Nord-Süd-Achse allerdings noch nicht. Südlich von Weinheim setzt der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW die Arbeiten in Richtung Karlsruhe fort. Die fertiggestellte Verbindung zwischen Urberach und Weinheim bildet somit einen Baustein eines größeren Netzausbaus, der die Stromversorgung auch in den kommenden Jahrzehnten auf neue Anforderungen vorbereiten soll. Die neuen Masten sind auf eine Nutzungsdauer von bis zu 100 Jahren ausgelegt.

