Der Eichenheldbock sorgt im Gernsheimer Wald für Unfrieden. Foto: Burmeister

Machtlos gegen „zündelnde Idioten“

Hessenforst legt Waldwirtschaftsplan vor – Verabschiedung von Klaus Velbecker

GernsheimNaturPolitikStadtverordnetenversammlung

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Der Eichenheldbock sorgt im Gernsheimer Wald für Unfrieden. Foto: Burmeister

Hessenforst legt Waldwirtschaftsplan vor – Verabschiedung von Klaus Velbecker

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Gernsheim (mic). Zentrales Thema der jüngsten Sitzung des Gernsheimer Umweltausschusses war der neue Waldwirtschaftsplan für das Jahr 2026, der auch einen Ausblick ins kommende Jahr gab. Vorgetragen wurde dieser nun bereits zum 21. Mal von Forstamtleiter Klaus Velbecker, der dies letztmalig tat. Der Forstwirt geht im kommenden Jahr in den Ruhestand. Gernsheims Bürgermeister Peter Burger dankte Velbecker für die stets gute Zusammenarbeit.

Leider hatte Velbecker in seinem letzten Bericht nicht viel Gutes zu verkünden. Die Jahresbilanz schließt mit einem Minus in Höhe von fast 30.000 Euro ab. Etwa 120.000 Euro an Erträgen stehen Ausgaben in Höhe von rund 150.000 Euro gegenüber. Damit macht der Gernsheimer Wald nun auch im dritten Jahr ein Minus. Das liegt vor allem daran, dass wesentlich weniger Festmeter Holz geschlagen (und somit auch verkauft) wurden, als man das noch vor einem Jahr geplant hatte. Und dies wiederum lag vor allem an den Auflagen an die Forstwirtschaft bezüglich der Afrikanischen Schweinepest, wie Velbecker der zahlreich erschienenen Kommunalpolitik erläuterte.

Der Klimawandel tut in Sachen Holzqualität und was den Zustand des Waldes insgesamt anbetrifft, sein übriges – im negativen Sinn. Erneut gab es einen viel zu heißen und extrem trockenen Sommer. Und dann sind da ja auch noch die Schädlinge, die den geschwächten Bäumen zusätzlich zusetzen. Schon in seinem Bericht vor drei Jahren erwähnte Velbecker den (Eichen-) Heldbock. Ein kleiner Käfer, der sich offensichtlich im Gernsheimer Wald besonders heimisch fühlt, denn seine Population ist hier um das neunfache höher, als andernorts. Und dieses kleine Insekt steht auch noch unter Naturschutz. Hinzu kommt, dass der Gernsheimer Wald als sogenanntes FFH-Gebiet ausgewiesen ist, also ein Wald mit ganz besonderer Schutzfunktion.

„Wir bekommen großen Ärger mit sämtlichen Naturschutzbehörden, wenn wir Totholzbäume einfach irgendwo schlagen. Dann wird gefragt, warum wir wo und wie viele Bäume geschlagen haben. Und wehe, wir können das nicht genau begründen“, sagte Velbecker etwas resigniert. Auch das fehlende Grundwasser setzt vor allem dem alten Baumbestand zu. Dadurch, dass das Wasser von Wasserversorgern ständig abgepumpt wird (um damit die stark bewohnten Zentren des Rhein-Main-Gebiets zu versorgen), trocknet die im Boden unter der Muttererde liegende Kalkschicht immer mehr aus. Eigentlich ist diese Kalkschicht in etwa zwei Meter Tiefe gut und wichtig, denn sie hält auch bei längerer Trockenheit im Sommer die Feuchtigkeit im Boden. Doch, so fuhr Velbecker fort, ist diese erst einmal komplett ausgetrocknet, „wird dieser Kalk so hart wie Beton und ist undurchdringlich für Baumwurzeln.“

In diesem Zusammenhang hatte Bürgermeister Burger noch eine wichtige Mitteilung zu verkünden: Hessenwasser hatte der Stadt vor vier Jahren eine Entschädigungszahlung für die durch die Wasserentnahme entstandenen Schäden an Bäumen überwiesen. Das Ganze geschah allerdings nur unter Vorbehalt. Nun hatte der Wasserversorger selbst ein Gutachten erstellen lassen und dessen Ergebnis vor wenigen Tagen der Stadtverwaltung mitgeteilt. „Ich war nicht nur völlig ahnungslos, was da auf uns zukommt, sondern auch völlig überrascht“, sagte Burger den Ausschussmitgliedern. Demnach ist Hessenwasser der Stadt vermutlich bis 2,2 Millionen Euro rückwirkend an Entschädigungszahlen schuldig. „Wir sollten hier aber noch nicht die Sektkorken knallen lassen“, versuchte Burger das Ganze zu relativieren. Zum einen muss das Ganze noch juristisch geprüft werden und bis das Geld fließt (und ob überhaupt in dieser Höhe) kann es noch zwei Jahre dauern. Immerhin sei das Ganze ja eine Kompensation dafür, dass der Wald geschädigt wurde. „Mir wäre es lieber, wir bekämen kein Geld und der Wald wäre dafür gesund“, ergänzte der Bürgermeister.

Der Ausschuss hatte noch einige Fragen an Klaus Velbecker. Die Grünen fragten etwa nach der Weihnachtsbaum-Anpflanzung und deren Zukunft. „Ja, leider sind etwa 95 Prozent der Bäume kaputt. Die haben die Trockenheit nicht überstanden“, sagte Velbecker, um zu ergänzen, dass die Schonung neu angepflanzt werde. Auch der Waldbrand war ein Thema. Doch nicht etwa die dicken Totholzstämme seien das Problem, sondern eher das Gras und das Reisig auf dem Boden. „Wir können aber leider nichts machen, wenn irgendein kranker Idiot hier absichtlich versucht, Feuer zu legen. Und das war beim letzten Brand auch der Fall“, sagte ein wütender Forstbeamter. Der Täter hatte das, wie sich später zeigte, an rund 30 Stellen im Wald versucht.

Die Vorlage des Waldwirtschaftsplans wurde schließlich einstimmig vom Umweltausschuss an das Stadtparlament so empfohlen.

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