Im Saal des Pfarrzentrums St. Stephan wurde zum zweiten Mal das Heimatfest St. Stephanssiedlung gefeiert. Foto: Manuela Schultz

Bewegend, erheiternd, einfach schön

Heimatfest in St. Stephan: Große Verbundenheit von damals mit heute

FestGesellschaftGriesheimKultur

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Im Saal des Pfarrzentrums St. Stephan wurde zum zweiten Mal das Heimatfest St. Stephanssiedlung gefeiert. Foto: Manuela Schultz

Heimatfest in St. Stephan: Große Verbundenheit von damals mit heute

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Griesheim (red). Als sich am vergangenen Sonntag um die Mittagszeit das Pfarrzentrum in der Griesheimer Stephanssiedlung füllte, lag eine Stimmung von Freude und Verbundenheit in der Luft.

Bereits zum zweiten Mal fand das Heimatfest, das aus den Feierlichkeiten zu 75 Jahre Siedlung St. Stephan im Jahr 2023 entstanden ist, statt. Die Organisatoren Rita Mück und Jürgen Rückert blicken stolz auf ihr Team: 24 Personen zählt diese starke Truppe, die von weiteren neun Helferinnen und Helfern ergänzt wurde.
Wie das Orga-Team mitteilt, war das Fest ein großer Erfolg: „Alte Bekannte zu treffen, sich mal wieder zu sehen und natürlich auch auszutauschen, das entsprach ganz der Idee des Festes.“ Nachdem jeder einen Platz gefunden hatte, begrüßten Rita Mück und Jürgen Rückert die Gäste, unter ihnen Altbürgermeister Norbert Leber und Amtsinhaber Geza Krebs-Wetzl.

Gestartet wurde mit dem Mittagessen. Viele fleißige Bedienungen trugen in rasantem Tempo Sarmen (Kraut mit Fleischbällchen), Bohnensuppe mit Bauchfleisch oder Krautfleckerl auf. Sie erkannten anhand der Serviettenfarbe, wer welches Gericht bestellt hatte, und so erhielten alle Gäste in kurzer Zeit ihr Wunschgericht. Viele Hände hatten am Vortag tatkräftig damit zu tun, Gemüse zu schneiden, Fleischbällchen zu formen und Vorbereitungen zu treffen. Am Veranstaltungstag hieß es für all die fleißigen Köchinnen und Köche, bereits um 8.30 Uhr loszulegen.

Helmut Heller, Manuel Schultz und Toni Hein kochten über offenem Feuer im großen Kessel die Bohnensuppe während auf den Kochern hinter dem Pfarrzentrum das Sarmenkraut vor sich hin köchelte. In der Küche herrschte ebenfalls reges Treiben. Hier wurde Brot geschnitten, die Krautfleckerl gekocht und angebraten, Schmalzbrote geschmiert und Snackschalen mit Käse, Trauben und Brezeln gefüllt.

Unterdessen bereitete das Bar-Team alles für das nahende Ereignis vor. Dass sich die Arbeit gelohnt hatte, spiegelten die Gäste vielfach wider. Das Mittagessen wurde genossen und immer wieder gelobt, was die Küchencrew sehr freute.

Begleitet wurde die Veranstaltung musikalisch von einer kleinen Gruppe der Siebenbürger Musikanten, die sich in dieser Besetzung als „Original Riedblech“ vorstellte. Bekannte Melodien durchzogen die Veranstaltung bis in den frühen Abend und die Musiker wurden immer wieder mit Applaus bedacht.
Um die Zeit zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken nicht programmlos verstreichen zu lassen, hatten sich die Geschwister Jürgen Rückert und Sabina „Bini“ Gleich eine kurzweilige Unterhaltung einfallen lassen. Mit einem Zwiegespräch in Mundart der Siedlung St. Stephan (donauschwäbisch) präsentierten sie ein Gespräch mit allerlei Witz und ganz viel Charme. Ergänzt wurden die beiden Akteure durch Rita Mück und ihren Bruder Helmut Schultz und ein dankbares Publikum spendete reichlich Applaus. Kurz darauf wurde das Kuchenbuffet eröffnet, das ausschließlich aus selbstgebackenen Kuchen und Süßgebäcken bestand. Ob traditionelle Äppelbitte, Donauwelle, Süßgebäck oder Torten – es war für jeden Geschmack etwas zu finden.

Wer den Weg zur Kuchentafel einschlug, der kam an der liebevoll dekorierten Vitrine des Saals vorbei. Eine ausgestellte donauschwäbische Tracht lenkte den Blick in das Innere. Wer hier kurz innehielt, der konnte aufwendige Stickereien, Fotos aus dem alten Siedlungsleben, Handwerkszeuge, Geschirr sowie Zeugnisse des unerschütterlichen Glaubens, der Halt und Zuversicht in schweren Zeiten war, bewundern. Die Originalstücke wurden für diesen Tag zusammengetragen und ausgestellt, um zu erinnern und diese Erinnerung aufrecht zu halten.

Der Nachmittag war längst angebrochen, als die Donaugeschwister ihren Auftritt ankündigten. Die vierköpfige Gruppe aus den Geschwisterpaaren Rita Mück und Helmut Schultz sowie Jürgen Rückert und Bini Gleich sangen in musikalischer Begleitung durch „Orininal Riedblech“ die Lieder „Nach meiner Heimat“ und „Leise sinkt der Abend nieder“. Die Gäste waren zum Mitsingen herzlich eingeladen. Dafür lagen auf den Tischen die Textblätter aus. Wer nicht sang, der summte zumindest mit. Als letztes Lied präsentierten die Geschwister das Lied „s´ist Feierabend“ a cappella. Hatten sie sich vor dem Stück noch Ruhe erbeten, da sie es ohne Mikrofon singen würden, so konnte man während des Liedes nahezu eine Stecknadel fallen hören. Ein dankbares Publikum spendete emotional ergriffen Applaus.

Die Abmoderation wurde spontan von „Käpt‘n“ Johann Schmalz unterbrochen, der kurzerhand das Mikrofon ergriff. Er dankte persönlich, aber auch vielen Gästen aus dem Herzen sprechend, für diese wundervolle Veranstaltung und rührte mit diesem Dank die Cheforganisatoren Rückert und Mück zu Tränen, die rasch weggeblinzelt wurden. Ein dankbarer Applaus verschaffte hierfür das nötige Zeitfenster.

Bini Gleich übernahm das Mikrofon und erzählte von den Ursprüngen der Donaugeschwister und der Freundschaft, die Siedlungsmitgründer Adam Schultz (Vater von Rita und Helmut) und Andreas Radnei (Großvater von Bini und Jürgen) verband. Mit der Kopie eines Schriftstücks, das „Andres“ seinem Freund Adam einst überreichte, zitierte sie den damaligen Gruß des Freundes: „Wein trinken macht fröhlich, Gott lieben macht selig. Drum liebe Gott und trinke Wein, so kannst du fromm und fröhlich sein“. Zu den Klängen von „Original Riedblech“ wurde sodann getanzt und geschunkelt und die Veranstaltung klang in den frühen Abendstunden langsam aus.

In zwei Jahren, so ist es angedacht, soll es zum 80. Jubiläum der Siedlung St. Stephan erneut ein großes Fest geben, auf das sich alle heute schon freuen.

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