Detlef Warren ist fasziniert von Tier und Natur. Er engagiert sich unter anderem aktiv bei der Tierrettung bei Einsätzen und mit telefonischem Rat. Das Bild zeigt ihn mit einem Mäusebussard. Foto: Ritzert/Deichert

Ein Herz für die Natur und ihre Bewohner

Detlef Warren aus Leeheim kümmert sich um verletzte und hilfsbedürftige Tiere

Leeheim (rd). Manchmal klingelt Detlef Warrens Telefon einmal am Tag, manchmal gleich mehrfach. Eine verletzte Taube, ein hilfsbedürftiger Storch oder ein geschwächter Igel: Inzwischen kennen viele Menschen im Ried den Leeheimer und wenden sich direkt an ihn. „Das ist mir am liebsten“, sagt Warren. Dann könne er sofort die entscheidenden Fragen stellen: Wo befindet sich das Tier? Wie sieht es aus? Gibt es ein Foto? Kann der Finder es vielleicht selbst sichern?
Seit rund sechs Jahren engagiert sich Warren intensiv in der Tierrettung. Natur und Tiere begleiten den gelernten Landschaftsgärtner allerdings schon viel länger. Er erinnert sich etwa an einen Baum, der gefällt werden sollte. Als er darin Nisthöhlen mit brütenden Vögeln entdeckte, wurde die Fällung verschoben.
Heute engagiert sich Warren beim NABU-Kreisverband Groß-Gerau unter anderem für Eulen, Greifvögel und Weißstörche. Samstags kontrolliert und pflegt er mit Helfern Steinkauzröhren und Schleiereulenkästen. Einige junge Leute, die ihn während ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres begleitet haben, helfen ihm bis heute.

Hinzu kommen die Tierrettungen. Mindestens 50 Einsätze vor Ort seien es in diesem Jahr bereits gewesen, schätzt Warren. Besonders häufig gehe es derzeit um Störche und Tauben. Fünf junge Wanderfalken brachte er in diesem Jahr in eine Auffangstation, wo sie versorgt und auf ein selbstständiges Leben vorbereitet wurden. Später konnte Warren sie wieder abholen und auswildern. Genau das ist ihm wichtig: Wildtiere sollen, wann immer es möglich ist, wieder in die Freiheit zurückkehren.

Nicht jede Geschichte endet so glücklich. Einen verletzten Sperlingskauz, Deutschlands kleinste Eulenart, konnte Warren zwar sichern und in fachkundige Hände geben, doch das Tier starb an seinen Verletzungen. Auch ein geschwächter Wespenbussard konnte trotz aller Bemühungen nicht gerettet werden. „Jedes Tier tut mir leid, wenn man es nicht retten kann“, sagt Warren.

Wie wichtig Zusammenarbeit ist, zeigte eine Rettungsaktion im Jägersburger Wald. Dort waren mehr als drei Dutzend Zuchttauben ausgesetzt worden. Finder, Tierretter, eine Taubeninitiative, Polizei und Tierheim arbeiteten zusammen, bis die Tiere versorgt waren. Genau diese Kette möchte Warren gewürdigt wissen. Tierrettung beginnt für ihn bei dem Menschen, der hinschaut und ein hilfsbedürftiges Tier meldet.

Dabei muss nicht jedes vermeintlich hilflose Wildtier eingesammelt werden. Gerade bei Jungvögeln rät Warren zunächst zum Beobachten. Ist das Tier unverletzt und wird weiterhin von seinen Eltern versorgt, ist Eingreifen meist nicht notwendig. Braucht ein Vogel tatsächlich Hilfe, verwendet Warren für den Transport spezielle Kartons oder Softboxen. In ungeeigneten Transportboxen können sich die Tiere in Panik verletzen. Dunkelheit helfe vielen Vögeln zudem, sich zu beruhigen.

Anders sieht es aus, wenn Tiere durch menschliche Einflüsse in Not geraten. Warren hat beispielsweise mit Vögeln zu tun, deren Beine sich in dünnen Schnüren verfangen haben. Werden diese nicht rechtzeitig entdeckt, können sie einwachsen und schwere Verletzungen verursachen. Auch vom bedenkenlosen Füttern von Wasservögeln mit Brot rät er ab: Nicht gefressene Reste können Gewässer verunreinigen, ungeeignete Fütterung zudem Missbildungen bei den Tieren begünstigen. Auch Straßenverkehr, Gebäude und andere vom Menschen geschaffene Gefahren sorgen regelmäßig für Einsätze. Zugleich beobachtet Warren zunehmend achtlos zurückgelassenen Müll in der Landschaft. Für ihn ist das auch eine Frage des Respekts gegenüber der Natur.

Die Rettungsarbeit kostet nicht nur Zeit. Mehrere Tausend Kilometer sei Warren in diesem Jahr bereits für Tiere gefahren, vieles davon auf eigene Rechnung. Eine bessere Unterstützung ehrenamtlicher Tierretter würde er deshalb begrüßen, beispielsweise durch Fahrtkostenzuschüsse oder Tankgutscheine. Ihm gehe es nicht darum, mit der Tierrettung Geld zu verdienen, sondern darum, nicht dauerhaft sämtliche Kosten selbst tragen zu müssen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Warren ein Steinkauz, der sich in die Leeheimer Sporthalle verirrt hatte. Gemeinsam mit weiteren NABU-Aktiven fing er den Vogel ein und setzte ihn draußen wieder aus. Wenige Tage später saß der Kauz erneut in der Halle. Diesmal wurde auch die Öffnung gefunden und verschlossen, durch die er hineingelangt war.

Warren brachte den kleinen Kauz wieder nach draußen und setzte ihn auf seinen Arm. Eigentlich rechnete er damit, dass der Vogel sofort davonfliegen würde. Doch der Steinkauz blieb zunächst sitzen. Noch heute berührt Warren die Erinnerung an diesen Augenblick.

Nicht jedes Tier kann er retten, und längst nicht jede Fahrt endet mit einer erfolgreichen Auswilderung. Trotzdem fährt Warren beim nächsten Einsatz wieder los. Seine Motivation ist einfach: Tiere und Natur liegen ihm am Herzen. Und manchmal ist der schönste Lohn ein kleiner Kauz, der noch einen Augenblick auf seinem Arm sitzen bleibt, bevor es für ihn zurück in die Freiheit geht.

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