Christiane Ritzert durfte bei ihrem Abschied als „Kapitänin“ der „MS Lindenhof“ zunächst von einer Liege aus zuschauen, was die Schülerinnen und Schüler für sie vorbereitet hatten. Foto: Burmeister

Die Kapitänin geht von Bord

Emotionaler Abschied für Schulleiterin Christiane Ritzert

Groß-Rohrheim (mic). Es war ihr vorletzter Schultag und dazu hatte die Schulgemeinschaft sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Schülerinnen und Schüler, das Lehrerkollegium, Sekretariat, Hausmeister, Elternbeirat und auch die Schülerbetreuung haben ihrer „Kapitänin“ zum Abschied ganz laut Danke gesagt. Die Rede ist von Christiane Ritzert, Schulleiterin der Groß-Rohrheimer Lindenhofschule. Sie war über 20 Jahre Leiterin der Grundschule, und bei Eltern, Kindern und Kolleginnen und Kollegen sehr beliebt. Sie hat die Schule während der vergangenen zwei Jahrzehnte geprägt und wird nun eine große Lücke hinterlassen. Das kam in allen Abschiedsreden immer wieder zum Ausdruck.

Man hatte sich sehr gut vorbereitet und als Abschiedsmotto eine Schiffsreise auf einem „Traumschiff“ gewählt. Ritzert war die Kapitänin auf ihrer Reise auf dem Weg in den Ruhestand. Die MS Lindenhof ging noch einmal auf große Reise und ihre Kapitänin durfte sich entspannt auf einer Liege zurücklehnen und die Show verfolgen. Vorsorglich hatte sich Ritzert gleich mal ein Päckchen Taschentücher bereitgelegt, das auch zum Einsatz kam, denn vor allem bei den vielen emotional geprägten Dankesreden liefen dann doch einige Tränen der Rührung über die Wangen der scheidenden Schulleiterin.

Immer wieder wurde an ihren beruflichen Werdegang erinnert. Christiane Ritzert, im März 1960 in Biblis geboren, hatte 1982 ihr erstes Staatsexamen absolviert; 1985 folgte das zweite Staatsexamen. Nach einer kurzen Station an einer Schule im Odenwald war sie zunächst ab 1987 Lehrerin an einer Grundschule in Biblis. 2005 übernahm sie die Leitung der Lindenhofschule. Und seither hat sie viel bewegt und auch bewirkt. In den Reden war mehrfach davon zu hören, dass Christiane Ritzert der Schule ein Gesicht gegeben und diese als Kapitänin auch durch schwierige Zeiten manövriert habe. Sie habe dabei stets einen klaren Kurs gehalten.

Und es gab manch gefährliche Untiefen – wie etwa die Sanierung der Schule und der langwierige Kampf darum. Dann folgte der Umzug in das Provisorium. Viele Monate lang war man in der „Schüco-Schule“ untergebracht und dann kam auch noch Corona. „Christiane Ritzert hat stets ein offenes Ohr für unsere Belange gehabt“, sagte etwa Tatjana Wilson vom Schulelternbeirat. „Jetzt geht eine Kapitänin von Bord und wir sagen nicht nur auf Wiedersehen sondern vor allem auch Danke.“

„Sie waren nicht nur eine Schulleiterin, sondern sind auch eine Pädagogin mit Leidenschaft“, sagte Bürgermeister Karsten Krug. Das beweisen 40 Jahre Lehrerin und davon alleine 20 Jahre als Schulleiterin. Krug ergänzte noch, dass die Lindenhofschule bei allen weiterführenden Schulen einen hervorragenden Ruf genieße. Ritzert sei es bei Problemen nie um Zuständigkeiten, sondern um Lösungen gegangen. „Bei ihnen, liebe Frau Ritzert, endet die Schule eben nicht an der Klassenzimmertür. Sie waren auch eine gute Netzwerkerin.“ Ähnliche Dankesworte, die auch die Person Ritzert als Mensch, der für alle Anliegen stets ein offenes Ohr hatte, skizzierten, gab es auch vom Lehrerkollegium. Man merkte es den Kolleginnen an, dass sie „ihre“ Schulleiterin im kommenden Schuljahr sehr vermissen werden.

Offensichtlich und deutlich hörbar schwer fiel der Ruheständlerin der Vortrag ihrer eigenen Abschiedsrede, die sie immer mal wieder kurz unterbrechen musste. „Gemeinsam haben wir die Lindenhofschule zu dem gemacht, was sie heute ist: ein Ort des Lernens, des Miteinanders, des Wohlfühlens und der Entwicklung. Darauf können wir stolz sein“, sagte die scheidende Schulleiterin in Richtung des Lehrerkollegiums.

Ritzerts besonderer Dank galt „ihrer“ Schulsekretärin Christine Winkler, die nicht nur Ansprechpartnerin, sondern auch Vertrauensperson war. Des Weiteren lobte sie die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung sowie mit den Kindergärten. Und sie bedankte sich auch bei allen Eltern. Frei nach Edith Piaf mit ihrem Song „Je ne regrette rien“ (Ich bereue nichts) sagte Ritzert abschließend: „Vom ersten bis zum letzten Tag bin ich gerne an diese Schule gekommen.“ Von den Besucherinnen und Besuchern gab es dafür stehenden, langanhaltenden Applaus.

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