Chefarzt Peter Schräder vom Ortho-Centrum Jugenheim mit Roboter „Cori“ in der Hand. Auch die „Augen“ oben rechts im Bild sind Teil des technischen Systems. Foto: Flasche

25 Jahre Robotik in Jugenheim

Ortho-Centrum Jugenheim führend beim Einsatz moderner Technologien

Jugenheim (red). Das Ortho-Centrum Jugenheim (OCJ) fokussiert sich als Endoprothetikzentrum auf Gelenkersatzoperationen, insbesondere an Knie, Hüfte und Schulter. Wie der Kreis Darmstadt-Dieburg berichtet, setzt das OCJ als einzige Klinik in Deutschland drei Robotersysteme zur Endoprothetik am Kniegelenk ein. Pro Jahr werden in Jugenheim etwa 1.300 künstliche Hüft- und Kniegelenke eingesetzt.

Schnellere Heilung, weniger Schmerzen
Die Entwicklung begann vor 25 Jahren: Anfang der 2000er-Jahre wurden in Jugenheim Techniken eingesetzt, die sich inzwischen zu einer robotergestützten Chirurgie weiterentwickelt haben. Dadurch gehört die Klinik heute zu den Zentren, die über eine große Erfahrung im Einsatz moderner Technologien in der Knieendoprothetik verfügen. Die Roboterassistenz ermöglicht kleinere, präzisere Schnitte, was das umliegende Gewebe und die Muskeln weniger beansprucht. Infolgedessen wird eine schnellere Heilung gefördert und Schmerzen werden reduziert.

Die Entscheidung für den Einsatz von Robotik traf der damalige Chefarzt Dr. Hanns-Edgar Hoffart. „Wir hatten damals die Firma Endo Plus als Hersteller unserer Prothesen“, berichtet OP-Leiter Markus Albig, der von Anfang an das Thema Robotik in der Spezialklinik begleitet hat. „Und die hatten uns gefragt, ob wir nicht Hospitationsklinik werden wollten.“ Hoffart entschied sich dafür, und so begann der Einsatz von Robotik-Systemen in Jugenheim. „Unsere Daten wurden ausgewertet und die Systeme damit verbessert“, erklärt Markus Albig. „Galileo“ hieß das erste System, dann folgte „Kick“ und heute sind schließlich drei Geräte namens „Cori“ im Einsatz.

Die Kontrolle hat immer der Operateur
„Cori ist ein sogenannter handgehaltener Roboter und wir haben uns für dieses Modell entschieden, weil er eine gute Kombination aus der Erfahrung des Operateurs und dem maximalen Nutzen der Robotik bietet“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Peter Schräder, gleichzeitig Ärztlicher Leiter der Kreiskliniken. Der Roboter operiere jedoch nicht selbst, betont Gunnar Müller-Spilker, Leitender Oberarzt des OCJ. „Es handelt sich um ein hochpräzises Assistenzsystem, das den Chirurgen unterstützt.“ Verantwortung und Kontrolle lägen „zu jedem Zeitpunkt vollständig“ beim erfahrenen Operateur. Der Roboter sei das Instrument zur Planung und Umsetzung der Operation. Billig ist der handgehaltene Roboter „Cori“ aber natürlich nicht. Der Preis liegt bei 500.000 Euro pro Gerät.

Gesteuert werden die Roboter heute durch ein steriles Tablet im OP-Saal, früher waren es Fußpedale. Die gebe es zwar heute auch noch, aber sie hätten einen anderen Stellenwert bekommen. „Das Handling des Roboters, der eine Fräse ist, muss geübt werden“, erklärt Schräder. Es dauere etwa 20 bis 50 Operationen, um komplett versiert zu sein. In der Anfangszeit seien OP-Teams und Ärzte aus der ganzen Welt nach Jugenheim gekommen, um sich zeigen zu lassen, wie man mit der neuen Technik arbeitet. Gelegentlich habe das Team aus Jugenheim ein Robotersystem eingepackt, um die neue Methode im Ausland vorzuführen. Die weiteste Reise habe nach China geführt.
Das Thema Künstliche Intelligenz komme wohl in den nächsten Jahren noch hinzu, so Schräder. „Für uns ist es wichtig, den gesamten Prozess aktiv mitzugestalten. Die Begeisterung für neueste technische Entwicklungen ist nachvollziehbar, aber man muss schauen, dass man hier noch steuernd auch eingreifen kann.“

Ärzte sehen viele Vorteile für die Patienten
Bei einer robotergestützten Operation werde zunächst die individuelle Anatomie des Kniegelenks digital erfasst. Daraus entstehe ein 3-D-Modell, auf dessen Basis die optimale Position und Größe der Prothese geplant werden könne. Der Operateur könne in Echtzeit verschiedene Varianten simulieren und beurteilen, wie sich diese auf die Stabilität und Beweglichkeit des Gelenks auswirkten. Anschließend unterstütze das System die präzise Umsetzung dieser Planung über die robotergestützte Knochenfräsung. Das in Jugenheim verwendete System unterscheide sich von anderen darin, dass vor der OP kein CT angefertigt werde. Stattdessen werde das dreidimensionale Modell des Kniegelenks direkt während der Operation erzeugt. „Wir sind davon überzeugt, dass sich für die Patienten langfristig durch diese neue Form der Implantationstechnik große Vorteile bei Mobilität, Haltbarkeit und Gesamtzufriedenheit zeigen und in wenigen Jahren in Deutschland kein Weg mehr an der roboterunterstützten Implantation vorbeiführt“, sagt Betriebsleiterin Pelin Meyer. „Und dass wir seit 25 Jahren an der Spitze dieser technologischen Entwicklung stehen und heute wie damals Referenzklinik für Robotik in der Endoprothetik sind, macht uns natürlich besonders stolz“, ergänzt Betriebsleiter Christoph Dahmen.

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