Gemeinsam anpacken und voneinander lernen: Bei Allmendina verbinden sich Natur, Nachhaltigkeit und Begegnung. Die gemeinschaftliche Arbeit auf dem Gelände gehört zum Grundgedanken des Vereins. Foto: Allmendina

Wo Kunst auf Ökologie trifft

Allmendina schafft offenen Ort für Natur, Begegnung

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Allmendfeld (rd). Eigentlich suchte Anouschka Sarafzade nur einen Platz für ein kleines Häuschen. „Ich habe das durch Zufall gefunden, weil ich einen Platz für mein Tiny House gesucht habe“, erzählt die Schauspielerin. Erwartet hatte sie ein kleines Grundstück. Stattdessen stand sie plötzlich auf einem rund 16.000 Quadratmeter großen Gelände mit altem Baumbestand – und sah darin den geeigneten Ort für ein Gemeinschaftsprojekt.

Eine entscheidende Rolle spielte Dieter Krellmann. „Ich bin der Zufall“, sagt der heutige Ehrenvorsitzende von Allmendina lachend. Eine der damaligen Eigentümerinnen arbeitete in seinem Darmstädter Grafikbüro und erzählte ihm von dem Grundstück ihres Großvaters, das langfristig kaum noch zu bewirtschaften war. Krellmann brachte den Kontakt zu Sarafzade zustande.

Im November 2021 gründete sich der Verein Allmendina mit acht Beteiligten, inzwischen sind noch ein paar weitere dazugekommen. Der Name leitet sich von der historischen Allmende ab – Flächen, die gemeinschaftlich genutzt beziehungsweise Menschen zeitweise zur Bewirtschaftung überlassen wurden. Der Gedanke des Teilens findet sich im heutigen Konzept wieder. „Der Verein steht im Prinzip für Open Source, für Tauschen und Teilen, für Wahrnehmen“, beschreibt Sarafzade den Ansatz.

Auf dem Gelände treffen Kunst, Ökologie und gemeinschaftliches Arbeiten aufeinander. Nach den trockenen Sommern zwischen 2019 und 2021 seien dort etwa 50 große Fichten abgestorben. Allmendina beschäftigt sich deshalb unter anderem damit, welche Pflanzen mit Trockenheit zurechtkommen und wie ein Garten an veränderte klimatische Bedingungen angepasst werden kann. Markante Pflanzen sollen künftig beschildert werden, außerdem ist ein klimaresilienter Wald vorgesehen. Das Gelände soll zugleich Beispiele für Permakultur und Kreislaufwirtschaft zeigen.

Kunst ist dabei kein Zusatz, sondern Teil des Konzepts. Klimawandel und Klimaanpassung blieben für viele Menschen zunächst abstrakte Begriffe, erklärt Krellmann. Über Wahrnehmung und künstlerische Zugänge könnten Zusammenhänge greifbarer werden. Sarafzade selbst hat auf dem Gelände eine „Tiny Stage“ – kein Wohnhaus, sondern einen Raum für Aufführungen und künstlerische Experimente errichtet.

Zu den außergewöhnlichsten Projekten von Allmendina gehört „Fragment #79“. Ausgangspunkt war das Muster eines historischen Drachenteppichs aus dem Berliner Pergamonmuseum. Sarafzade übertrug ein etwa 70 Zentimeter großes Fragment in stark vergrößerter Form auf die Wiese. Mehr als 20 Meter groß wurde das Motiv dort sichtbar und aus der Vogelperspektive dokumentiert. Der dafür genutzte Bereich soll auch künftig Raum für Kunst bieten.
Regelmäßig lädt Allmendina zum „Samstagswerkeln“ ein. Dann kommen Vereinsmitglieder und Interessierte zusammen, arbeiten im Garten, pflanzen oder erledigen andere Aufgaben. Anschließend wird häufig gemeinsam gegessen. „Es ist total schön, das gemeinschaftlich zu machen“, sagt Sarafzade. „Dabei begegnen sich auch Menschen, die im Alltag möglicherweise kaum miteinander ins Gespräch kommen würden“, ergänzt Krellmann.

Hinzu kommen Baumschnittkurse, Workshops, offene Bühnen, Konzerte und die Allmendina Sessions mit Musikern, die eigene Stücke präsentieren. Rein kommerziell genutzt werden soll das Gelände ausdrücklich nicht. Bei Veranstaltungen werden beispielsweise selbst gemachte Getränke gegen freiwillige Spenden ausgegeben, bei Musik kann ein Hut herumgehen. Förderungen gab es für konkrete Vorhaben: Die Aktion Mensch unterstützte bereits mehrere Projekte zur Barrierefreiheit. Dennoch finanzieren die Beteiligten manche Anschaffung oder Umsetzung bislang auch privat.

Viel Arbeit bleibt ohnehin: Rund 120 Apfelbäume müssen gepflegt, Flächen gestaltet und neue Ideen umgesetzt werden. Mitgliedszahlen stehen dabei nicht im Vordergrund. Willkommen sind Menschen, die sich mit Wissen, Kreativität oder praktischer Hilfe beteiligen wollen.

Die Entwicklung soll Schritt für Schritt weitergehen. Besucherinnen und Besucher sollen irgendwann über das große Gelände laufen und immer wieder etwas entdecken, das sie noch nicht kennen. „Das geht bei 16.000 Quadratmetern nur langsam“, sagt Krellmann. „Aber dafür, dass es langsam geht, ist schon viel passiert.“

Weitere Infos:
allmendina.de

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