Zahlreiche Paare haben sich schon mit einem Schloss an der Brücke verewigt. Foto: Ritzert/Deichert

Wo die Liebe ein Schloss bekommt

An der Gernsheimer Winkelbachbrücke nahe der Fähre haben sich Paare verewigt

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Gernsheim (rd). Vielleicht war es ein Jahrestag, vielleicht ein besonderer gemeinsamer Moment. Oder einfach der Wunsch, der eigenen Liebe ein sichtbares Zeichen zu geben. Ein Schloss am Geländer, darauf zwei Namen, ein Herz oder eine Jahreszahl – und schon bleibt etwas zurück.

Wer von der Gernsheimer Fähranlegestelle ein paar Schritte am Rhein entlanggeht, entdeckt diese kleinen Botschaften an der Winkelbachbrücke. Zahlreiche sogenannte Liebesschlösser hängen dort inzwischen am Geländer. Manche sind vom Wetter gezeichnet, andere leuchten noch in kräftigen Farben. Namen, Herzen und kleine Botschaften erzählen von Menschen, die sich hier verewigt haben.

Gerade die Umgebung macht den Reiz des Ortes aus. Nur wenige Meter entfernt herrscht rund um Fähre, Hafen und Gastronomie reger Betrieb. Sportboote liegen im Wasser, auf dem Rhein ziehen Schiffe vorbei, Container und große Kräne prägen Teile des Hafenbilds. Die Winkelbachbrücke wirkt dabei fast wie ein Übergang zwischen zwei Welten: Wenige Schritte dahinter weist ein Schild auf das Naturschutzgebiet „Hammer Aue von Gernsheim und Groß-Rohrheim“ hin.
Wer weiterläuft, lässt den Trubel schnell hinter sich. Der Blick öffnet sich über Rhein und Uferlandschaft. Gerade am Abend, wenn die Sonne tiefer steht und sich das Licht im Wasser spiegelt, lässt sich gut nachvollziehen, warum Verliebte ausgerechnet hier ein kleines Zeichen hinterlassen.

Unter der Brücke fließt der Winkelbach auf seinen letzten Metern zum Rhein. Das Gewässer kommt aus dem Odenwald und erreicht nach seinem Weg durch die Ebene bei Gernsheim den Strom.

Dass die Schlösser am Geländer hängen, ist auch der Stadt längst aufgefallen. Thomas Schmidt, bei der Stadt Gernsheim unter anderem für Ingenieurbauwerke zuständig, erinnert sich, sie vor etwa drei oder vier Jahren erstmals bemerkt zu haben. Die Brücke gehört der Stadt und wird ein- bis zweimal jährlich begangen. Zusätzlich findet alle drei Jahre eine Prüfung des Bauwerks statt.

Probleme bereiten die Liebesschlösser bislang nicht. „Das wird toleriert“, sagt Schmidt. Auch aus statischer Sicht sieht er keine negativen Auswirkungen. Bei großen Brücken wie etwa in Köln, könne die enorme Zahl der Schlösser eine andere Größenordnung erreichen. An der kleinen Winkelbachbrücke sei die zusätzliche Masse jedoch zu gering, um eine relevante Belastung darzustellen. Auch die Bauwerksprüfungen würden dadurch nicht beeinträchtigt. Entfernt werden mussten die Schlösser bislang nicht.

Und persönlich? Auch da sieht Schmidt die Sache entspannt. Für ihn selbst wäre ein Liebesschloss zwar nichts. Aber: „Wenn Pärchen Lust drauf haben, sollen sie es machen.“

So bleibt die kleine Winkelbachbrücke auch weiterhin ein Ort für große Gefühle, mit metallischen Liebesbekundungen, die ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen.

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