Alexandra Gansens Arbeitsbereich im Raum, den sie sich mit ihrem Mann teilt. Fotos (2): Ritzer/Deichert

Wenn aus Glas Kastanien werden

Alexandra Gansen kreiert Schmuckstücke aus Feuer und Farbe

Hahn (rd). Wenn im Herbst die ersten Kastanien zu Boden fallen, erinnert sich Alexandra Gansen an ihre Kindheit. Die heute 48-Jährige hat im Oktober Geburtstag – doch als kleines Mädchen konnte sie mit Monaten und Kalenderdaten noch wenig anfangen. Bei gemeinsamen Spaziergängen fragte sie ihre Großmutter deshalb immer wieder, wann denn endlich ihr Geburtstag sei. Deren einprägsame Antwort: „Wenn die Kastanien herunterfallen, dann hast du Geburtstag.“

Viele Jahre später begleiten die Kastanien die gebürtige Pfungstädterin noch immer. Heute sammelt sie diese allerdings nicht nur vom Boden auf, sondern formt sie selbst – aus geschmolzenem Glas. Die täuschend echt wirkenden kleinen Nussfrüchte sind inzwischen zum Markenzeichen von „Lexis Glasperlenwerkstatt“ geworden. Es gibt sie als Anhänger, Ohrstecker und in unterschiedlichen Ausführungen, teilweise noch von einer grünen Schale umgeben. Und obwohl sie ein klassisches Herbstmotiv sind, werden sie das ganze Jahr über getragen. „Ich sehe auch bei 30 Grad Leute mit meinen Kastanien“, erzählt Gansen lachend. Die Liebe zu Glasperlen entdeckte sie eher zufällig. Bei einer Veranstaltung in einem Juweliergeschäft beobachtete sie gemeinsam mit einer Freundin, wie eine Künstlerin aus einer einfachen Glasstange eine kunstvolle Perle formte. „Da war es bei uns geschehen“, erinnert sie sich. Die Verbindung aus Feuer, Farbe und Form faszinierte Gansen sofort. Feuer habe sie ohnehin schon immer angezogen, wie beispielsweise Lagerfeuer bei früheren Jugendfreizeiten.

In einer Werkstatt in Langen absolvierten die Freundinnen einen Anfängerkurs. Anschließend fuhr Gansen regelmäßig dorthin, um ihre Fertigkeiten am Brenner weiterzuentwickeln. Als ihre Familie in Hahn ein Haus baute, richtete sie in einem Arbeitsraum, den sie sich mit ihrem Mann teilt, einen Bereich für ihr Handwerk ein. Seit Anfang 2012 betreibt Gansen ihre Glasperlenwerkstatt mit angemeldetem Gewerbe. Hauptberuflich arbeitet die ausgebildete Erzieherin seit rund 32 Jahren bei der Stadt Pfungstadt. Inzwischen ist sie als Springerin in verschiedenen städtischen Kindertagesstätten tätig. Für die verheiratete zweifache Mutter ist die Glasperlenkunst ein kleines zweites Standbein und zugleich eine Herzensangelegenheit.

Die Herstellung verlangt Konzentration, Erfahrung und ein sicheres Gefühl für das Material. Gansen arbeitet mit Weichglas, das je nach Zusammensetzung bei etwa 800 bis 1200 Grad schmilzt. Die in zahlreichen Farben und Stärken erhältlichen Glasstäbe kürzt sie auf rund 30 Zentimeter vor der Verarbeitung. Das heiße Glas verhalte sich ähnlich wie Honig, erklärt sie. Die Perlen entstehen auf Edelstahldornen, die zuvor in eine keramische Trennflüssigkeit getaucht werden. Hitze, Drehbewegung und Schwerkraft bringen das weiche Glas nach und nach in Form.

Bei ihren Kastanien fertigt Gansen zunächst den braunen Kern, danach folgen das helle Kastanienauge und bei einigen Modellen die grüne Schale. Diese formt sie mit kleinen Instrumenten aus Edelstahl. Emaillepulver verleiht ihr eine natürliche, leicht bräunliche Struktur. Mitunter verarbeitet sie auch Blattgold und Blattsilber oder schmilzt die Metallstifte von Ohrsteckern direkt in das Glas ein.

Anschließend kühlen die Arbeiten stufenweise in einem Temperofen ab, damit das Glas nicht zerspringt. Zu Gansens aufwendigsten Stücken zählen Quallen, die in einem gläsernen Wassertropfen zu schweben scheinen. Daneben fertigt sie farbenprächtige „Galaxien“ und zahlreiche weitere Schmuckstücke.

Ihre Arbeiten zeigt Gansen auf Kunsthandwerker-, Hobbykünstler- und Weihnachtsmärkten in einem Umkreis von bis zu 200 Kilometern. Außerdem nimmt sie seit mehreren Jahren am internationalen Treffen der Glasperlenkünstler in Wertheim teil.

Weitere Impressionen und Kontakt für Anfragen: Instagram (@lexis_glasperlen), Facebook („Lexis Glasperlenwerkstatt“), gansen.alex@gmx.de

Die „Galaxien“ sind gefragte Schmuckstücke.
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