Über die erneuerte Anlage wird aufbereitetes Oberflächenwasser gezielt in das Pfungstädter Moor eingeleitet. Foto: WHR

Was lange währt, wird endlich nass

Das Pfungstädter Moor bekommt wieder Wasser – neue Anlagen in Betrieb

Pfungstadt (mw/red). Viele Dinge dauern zwar lange, doch wenn am Ende der Warteschleife ein Erfolg zu verzeichnen ist, hat sich das Darben im Strudel der Zeit schließlich gelohnt. So verhält es sich nun mit dem Pfungstädter Moor, das ganz offiziell wieder bewässert wird und somit – hoffentlich – gerade noch so vor dem endgültigen Trockenfall gerettet werden kann.

Eine Sache, für die etwa die Pfungstädter Naturfreunde lange gekämpft haben, inklusive mehrfacher eindringlicher Warnungen vor den Gefahren eines trockenen Moors, die auch das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) in einer Pressemitteilung erwähnt. „Das Pfungstädter Moor ist ein Niedermoor und auf ausreichend hohe Wasserstände angewiesen. Sinkt der Wasserstand über längere Zeit, können typische Feuchtlebensräume verloren gehen. Gleichzeitig beginnt trockener Torf, sich zu zersetzen. Dabei wird zuvor gebundener Kohlenstoff als Kohlendioxid freigesetzt“, sagt Lars Herd von der RP-Pressestelle.
Bereits zwischen 1999 und 2008 erhielt das rund 97 Hektar große Pfungstädter Moor aufbereitetes Oberflächenwasser aus dem Beregnungsnetz des Wasserverbands Hessisches Ried (WHR) in Biebesheim. Ein Weiterführen scheiterte damals vor allem an ungeklärten Rechts- und Finanzierungsfragen, zudem war die Technik in keinem guten Zustand mehr.

Nun hat der WHR laut Pressemitteilung die Anlagen erneuert und erweitert, bei Bedarf könne das Moor nun erneut aufbereitetes Oberflächenwasser erhalten, geliefert vom Rheinwasseraufbereitungswerk in Biebesheim. Elf Jahre ist es her, dass ein Runder Tisch die Wiederaufnahme des Vernässens empfohlen hatte. Dieser befasste sich 2015 mit Möglichkeiten zum Verbessern der Grundwassersituation im hessischen Ried. In der Folge habe man die rechtlichen, finanziellen und technischen Voraussetzungen für das Erneuern der Anlage geschaffen, so das RP.

Teil der Wahrheit ist jedoch auch, dass bereits 2023 Wasser ins Moor hätte fließen sollen. Sprichwörtlich fünf vor zwölf war es nach Ansicht der Naturfreunde damals schon. Deshalb bleibt die Hoffnung, die Uhr möge seitdem langsamer gelaufen sein und das Naturschutzgebiet südöstlich von Pfungstadt hat noch eine Chance. „Die Wasserzuführung erfolgt kontrolliert anhand der aktuellen Grundwasserstände. Ein engmaschiges Monitoring stellt sicher, dass die Entwicklung des Wasserhaushalts fortlaufend beobachtet wird. Zukünftig sollen auch die Auswirkungen auf Flora und Fauna untersucht werden“, sagt Regierungspräsident Jan Hilligardt.

Finanziert hat das Projekt das Land, federführend verantwortlich ist in Zukunft das RP, während der WHR die technischen Maßnahmen geplant und umgesetzt hat. „Die Arbeiten in dem empfindlichen Moorgebiet erforderten viel Sorgfalt und eine enge Abstimmung aller Beteiligten. Nach Abschluss der Baumaßnahmen übernimmt der WHR nun den Betrieb der Anlage nach den Steuerungsvorgaben des Landes“, so WHR-Verbandsvorsteherin Elisabeth Jreisat.

Die Bauarbeiten begannen Ende April 2025. Bestehende Anlagenteile wurden erneuert und die vorhandene Zuwässerung über eine Sickerleitung durch eine zusätzliche Leitung in das Rinnensystem des Moores ergänzt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Auch die für die Anlagensteuerung erforderlichen Grundwassermessstellen wurden instandgesetzt und mit automatischen Messsystemen ausgestattet. Die ermittelten Wasserstände würden digital an das Regierungspräsidium Darmstadt übertragen.

Wann und in welchem Umfang Wasser zugeführt wird, richte sich nach den Vorgaben des Wasserrechtsbescheids und den Grundwasserständen an festgelegten Messstellen. Die Zuwässerung konzentriere sich zudem auf den Kernbereich des Moores. Definierte Abschaltkriterien schützten zugleich die benachbarte ehemalige Deponie und landwirtschaftlich genutzte Flächen vor unerwünschten Vernässungen. „Das Pfungstädter Moor ist für unsere Stadt ein besonderer Naturraum und ein wichtiger Rückzugsort für seltene Pflanzen und Tiere“, sagt Bürgermeister Maximilian Schimmel. „Die Wiederaufnahme der Zuwässerung ist ein wichtiger Schritt, um diesen Lebensraum langfristig zu erhalten. Das Projekt zeigt zugleich, was durch die Zusammenarbeit von Naturschutz, Wasserwirtschaft, Behörden und Kommune erreicht werden kann.“

Nächster Beitrag
Der lieblichen Stimmen Ehrenjahr
Vorheriger Beitrag
„Beach Legends“ setzen sich durch