Pfungstadt (rd). Was vor drei Jahren auf dem Hessentag in Pfungstadt mit ein paar Hindernissen begann, hat sich für Luca Dolcimascolo zu einer echten Leidenschaft entwickelt. Damals entdeckte der heute 14-Jährige seine Begeisterung für den Ninja-Sport. Inzwischen gehört er zu den erfolgreichen Nachwuchsathleten seiner Altersklasse und steht vor einer ganz besonderen Herausforderung: Vom 30. Oktober bis 1. November nimmt er im tschechischen Pilsen an der Ninja-Europameisterschaft teil. Dort wird er für Deutschland an den Start gehen. „Seine Leidenschaft für den Ninja-Sport hat Luca auf dem Hessentag 2023 in Pfungstadt so richtig entdeckt“, erinnert sich seine Mutter Denise Dolcimascolo. Zwar kannte ihr Sohn die spektakulären Hindernisparcours bereits aus dem Fernsehen, doch selbst an den Geräten zu hängen, zu springen und seine Geschicklichkeit auszuprobieren, war etwas ganz anderes. Als noch im selben Jahr das Trainingszentrum „Ninja Skillz“ in Weiterstadt eröffnete, war für Luca schnell klar, dass er diesen Sport intensiver betreiben wollte.
Seither hat sich einiges getan. Zwei- bis dreimal in der Woche fährt der Pfungstädter zum Training nach Weiterstadt. Zwischen fünf und acht Stunden verbringt er dort wöchentlich damit, seine Kraft, Koordination und Technik zu verbessern. Besonders reizen ihn die ständig wechselnden Herausforderungen. „Am Ninja-Sport begeistern mich besonders die Herausforderungen, immer neue Hindernisse zu schaffen, die weiten Sprünge und die Koordination und Konzentration, die man dafür braucht“, erzählt Luca.
Wer beim Ninja-Sport erfolgreich sein möchte, braucht neben starken Armen und einer guten Körperbeherrschung auch Geduld und mentale Stärke. Nicht jedes Hindernis gelingt auf Anhieb. Das hat Luca selbst erfahren. Während ihm die sogenannte Himmelsleiter inzwischen besonders gut liegt, hatte er mit der Flying Bar zunächst seine Schwierigkeiten. Doch durch regelmäßiges Üben konnte er auch dieses Hindernis meistern. Gerade solche Erfolgserlebnisse motivieren ihn, immer weiterzumachen.
Dass sich sein Training auszahlt, zeigen die zahlreichen Erfolge, die Luca in diesem Jahr feiern konnte. Bei den OG Youth Games im Februar und bei den Ninja Skillz Games im März und September sicherte er sich jeweils den ersten Platz. Auch bei der zweiten Ninja-Bundesliga in Bonn sowie den Pugilist Ninja Games in Bruchsal stand er ganz oben auf dem Siegertreppchen. Hinzu kamen weitere Podestplätze bei verschiedenen Wettbewerben. Seine guten Leistungen im Ranking der Interessengemeinschaft Ninja-Sport (IGN) ermöglichten ihm schließlich die Qualifikation für die Europameisterschaft.
Für seine Familie ist das ein ganz besonderer Moment. Mutter Denise weiß schließlich, wie viel Zeit, Training und Ausdauer ihr Sohn in seinen Sport investiert. Die Familie unterstützt ihn dabei nach Kräften. Fahrten zu Wettkämpfen und Trainingseinheiten gehören ebenso dazu wie das Anfeuern am Parcours, das Bereithalten von Wasser und Griffpulver oder das Filmen seiner Läufe.
Neben all den sportlichen Ambitionen bleibt natürlich auch die Schule wichtig. Luca besucht die neunte Realschulklasse der Friedrich-Ebert-Schule in Pfungstadt. Training, Wettkämpfe, Hausaufgaben und Freizeit unter einen Hut zu bringen, erfordert deshalb eine gute Organisation. Dabei kann sich der Jugendliche auf seine Familie verlassen.
Seine Mutter freut sich nicht nur über die sportlichen Erfolge. Sie beobachtet auch, wie positiv sich ihr Sohn durch den Ninja-Sport entwickelt hat. Er sei selbstbewusster geworden und habe gelernt, besser mit Leistungsdruck umzugehen. Für ihn sei das Training mittlerweile „der perfekte Ausgleich zum Alltag“. Dass Luca inzwischen auch vor Fernsehkameras steht, ist eine weitere spannende Erfahrung. Bei der Ninja Warrior Kids Academy konnte er bereits kennenlernen, wie es ist, unter Beobachtung einen Parcours zu absolvieren. Anfangs war die Aufregung groß, doch mit Unterstützung seines Coaches Püppi fand er zunehmend Sicherheit. Auch ein KiKA-Team hat den jungen Sportler bereits begleitet.
Jetzt richtet sich sein Blick allerdings ganz auf die bevorstehende Europameisterschaft. Bei der Vorbereitung konzentriert sich Luca besonders auf Schnelligkeit, Technik und mentale Stärke. Schließlich können bei einem Wettkampf schon kleine Fehler darüber entscheiden, ob ein Hindernis gelingt oder ein Lauf vorzeitig endet. Sein Wunsch für Pilsen ist deshalb vor allem, seine Leistung abrufen zu können, Spaß zu haben und möglichst weit vorne zu landen.
Und nach der Europameisterschaft? Auch dafür hat Luca bereits Pläne. Er möchte sich im Ninja-Sport weiterentwickeln und mit 16 Jahren selbst bei Ninja Warrior antreten. Bis dahin werden sicherlich noch viele Hindernisse auf ihn warten. Anderen Kindern und Jugendlichen, die mit dem Gedanken spielen, den Sport einmal auszuprobieren, macht er Mut: „Probiert es aus. Traut euch, jeder kann es schaffen.“
