Bickenbach (red). Bei einem Medientermin am Projektstandort der sogenannten Bürgerbatterie Bickenbach stellten Holger Werschnik für die Energiegenossenschaft Darmstadt, Bürgermeister Markus Hennemann für die Gemeinde Bickenbach und Viktor Braun für Sun-Profit das neue und bisher einzige Projekt dieser Art vor und teilten mit, dass Bickenbacher Bürgerinnen und Bürger bevorzugt Anteile an dem Projekt erwerben können.
„Die Energiewende endet nicht bei der Erzeugung von Solarstrom. Immer wichtiger wird es, erneuerbare Energie dann verfügbar zu machen, wenn sie tatsächlich benötigt wird. Batteriespeicher leisten hierzu einen entscheidenden Beitrag“, sagt Gangolf Schrimpf von der Energiegenossenschaft Darmstadt. Mittags, wenn die Sonne am stärksten scheint, sei sehr viel Strom verfügbar und die Strompreise würden sinken, teilweise würden sie sogar negativ. Abends, wenn die Sonne untergeht, der Verbrauch aber weiter hoch ist, müssten sehr viele Energieerzeuger, darunter vor allem auch Gaskraftwerke, mit teuren Produktionskosten hochgefahren werden. „Als Gegenmaßnahme sind netzgekoppelte Batterien – wie die Bürgerbatterie Bickenbach – sehr gut geeignet: Sie laden sich mittags mit dem Solarüberschuss auf und geben den Strom abends wieder ab. Das entlastet das Netz und macht etwa Solarstrom aus der Region auch abends noch nutzbar, wenn er gebraucht wird“, so Schrimpf.
„Die Bürgerbatterie steht bereits in Bickenbach und ist an das Stromnetz angeschlossen. Aber ein Schritt fehlt noch: der für Oktober geplante Start für den Stromhandel. Deshalb ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um für die laufende Bürgerbeteiligung daran zu werben,“ sagte Holger Werschnik als Vertreter der Energiegenossenschaft Darmstadt beim Vor-Ort-Termin.
„Für Bickenbach ist das ein besonderes Projekt, hier wird ganz konkret sichtbar, wie sich unsere Energieversorgung verändert und welche Bedeutung moderne Speichertechnologien künftig haben werden,“ so Bürgermeister Markus Hennemann. „Batteriespeicher können Strom aufnehmen, wenn viel Energie im Netz vorhanden ist, und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgeben und helfen damit, Erzeugung und Verbrauch zeitlich besser zusammenzubringen“, fuhr Hennemann fort. „Betrieben werden die Speicher durch die Energiegenossenschaft Darmstadt. Gerade die Verbindung aus moderner Energietechnik und genossenschaftlicher Organisation macht das Projekt für mich besonders interessant. Genossenschaften stehen für einen starken Gedanken: Viele Menschen schließen sich zusammen, übernehmen gemeinsam Verantwortung und ermöglichen Investitionen, die einem gemeinsamen Ziel dienen. Damit können Bürger:innen von Beobachtern der Energiewende zu wirtschaftlich Beteiligten werden. Energiewende wird damit ein Stück weit Bürgerprojekt und regionale Wertschöpfung zugleich.“
„Besonders positiv hervorheben möchten wir die Unterstützung der Gemeinde Bickenbach. Neue Energiekonzepte benötigen Offenheit, Dialog und den Mut, neue Wege zu gehen. Die Verantwortlichen der Gemeinde haben sich intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt und dessen Mehrwert für die Region erkannt. Das ist keineswegs selbstverständlich und ein wichtiger Baustein für das Gelingen solcher Zukunftsprojekte,“ sagte Viktor Braun, Gründer und Geschäftsführer von „Sun-Profit“.
„Wir arbeiten gerne an diesem Projekt gemeinsam mit der Energiegenossenschaft Darmstadt und stellen den Standort auf unserem Werkgelände in Bickenbach dafür zur Verfügung. Die Energiegenossenschaft zeigt seit Jahren mit Projekten rund um Bürgerenergie, regionalen Stromkonzepten und innovativen Vermarktungsmodellen, wie Energiewende vor Ort erfolgreich gestaltet werden kann.“
Der große Zubau an Großspeichern finde momentan vor allem in anderen Regionen Deutschlands statt – etwa in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg entstehen gerade Anlagen im dreistelligen Megawatt-Bereich. In Südhessen und rund um Darmstadt sei der Kreis der bestehenden Speicherprojekte dagegen noch klein – das gelte für alle Größenklassen: private Heimspeicher, gewerbliche Speicher und erst recht netzgekoppelte Großspeicher. Die Bürgerbatterie sei eines der ersten Projekte dieser Art in der Region, an dem sich Bürgerinnen und Bürger direkt beteiligen könnten, so Schrimpf.
Auf dem Grundstück der Firma „Sun-Profit“ in Bickenbach wurden zwei Batteriespeicher von „Tesvolt“ aufgestellt. Zusammen stünden damit 184 Kilowattstunden Speicherkapazität zur Verfügung. Schrimpf: „Es handelt sich um ein Tradingspeichersystem, das autark an der Strombörse handelt. Die GGEW AG hat die Netzanschlussgenehmigung sehr schnell erteilt. Die nächsten Schritte des Projekts sind der Start des Stromhandels im Oktober. Das Zeichnungsfenster für die bevorzugte Zeichnung durch Bickenbacher Bürgerinnen und Bürger endet dann Ende Oktober.
