„Wenn aus Tränen Blumen wachsen“ ist der Titel des ersten Kinderbuchs von Philipp Hauf aus Eschollbrücken. Im Herbst soll es im Alten E-Werk eine Lesung geben. Foto: Ritzert/Deichert

Schwere Momente und neue Hoffnung

Wie Philipp Hauf seine Trauer in ein Kinderbuch verwandelte

Eschollbrücken (rd). Manche Geschichten entstehen nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Leben. So war es auch bei Philipp Hauf. Der 29-Jährige aus Eschollbrücken arbeitet eigentlich in der IT. Mit Büchern hatte er beruflich bislang nichts zu tun. Dennoch hat er nun sein erstes Kinderbuch veröffentlicht – und darin ein Thema verarbeitet, das viele Menschen berührt, über das aber oft nur wenig gesprochen wird: Trauer.

Der Titel seines Buches lautet „Wenn aus Tränen Blumen wachsen – Eine Geschichte über Trauer, Gemeinschaft und die Freude am Leben“. Hinter der Geschichte steckt ein sehr persönlicher Hintergrund. Im Jahr 2019 verlor Hauf seine Mutter unerwartet an einer Krebserkrankung. Die Zeit danach beschreibt er als schwierig. Lange habe er versucht, die eigenen Gefühle zur Seite zu schieben, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und den Verlust nicht zu nah an sich heranzulassen.

Erst einige Jahre später begann er, sich intensiv mit seiner Trauer auseinanderzusetzen. Im Rahmen von professionellen Gesprächen zur Aufarbeitung entstand dabei eine Metapher, die später zum Herzstück seines Buches werden sollte: der „Berg der Traurigkeit“. Aus Gesprächen, Gedanken und persönlichen Notizen entwickelte sich nach und nach eine Geschichte, die weit über die eigene Erfahrung hinausgehen sollte.

„Je offener ich darüber gesprochen habe, desto leichter fiel es mir, damit umzugehen“, erzählt Hauf. Gleichzeitig stellte er fest, dass viele Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Aus anfänglichen Gesprächen wurden Begegnungen, aus Mitgefühl entstanden Verbindungen. Diese Erkenntnis floss schließlich auch in sein Buch ein.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Junge Finn. Nachdem seine Mutter gestorben ist, scheint seine Welt ihre Farben zu verlieren. In seinem Garten wächst ein riesiger Berg aus Traurigkeit. Doch eines Tages beginnen rund um den Berg kleine Blumen zu sprießen. Aus Tränen wächst etwas Neues. Behutsam erzählt Hauf davon, wie Erinnerungen, Hoffnung und Gemeinschaft dabei helfen können, mit Verlust umzugehen. Obwohl sich die Geschichte an Kinder richtet, möchte der Autor ausdrücklich auch Erwachsene ansprechen. Das Buch sei für Kinder ab etwa sechs Jahren geeignet, könne aber ebenso Eltern, Angehörigen oder anderen Trauernden eine Stütze sein. Dabei gehe es nicht darum, Trauer zu verdrängen, sondern ihr Raum zu geben.

Für die Illustrationen arbeitete Hauf mit dem indischen Künstler Mousam Banerjee zusammen. Kennengelernt haben sich die beiden über ein internationales Netzwerk für Kreativschaffende. Über Wochen entstand eine enge digitale Zusammenarbeit. Während Banerjee erste Bildideen entwickelte, brachte Hauf persönliche Details und Anregungen ein. So finden sich in den Zeichnungen zahlreiche kleine Hinweise auf sein eigenes Leben und seine Familie.

Veröffentlicht wurde das Buch mit Unterstützung des TZ Verlags in Roßdorf. Aktuell ist „Wenn aus Tränen Blumen wachsen“ vor allem online erhältlich. Gleichzeitig plant Hauf bereits die nächsten Schritte. Für den Herbst ist eine erste Lesung im Alten E-Werk in Pfungstadt vorgesehen. Dort soll nicht nur aus dem Buch gelesen werden. Geplant sind auch Gespräche und Begegnungen rund um das Thema Trauer. Für Philipp Hauf ist das Buch weit mehr als ein literarisches Projekt. Es ist ein persönlicher Weg, Erinnerungen zu bewahren und anderen Menschen Mut zu machen. Oder, wie es die Geschichte von Finn zeigt: Selbst aus den schwersten Momenten des Lebens können irgendwann wieder Blumen wachsen.

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