Groß-Rohrheim (mic). Der Sitzungssaal im Groß-Rohrheimer Rathaus war am Dienstagabend gut besucht. Zahlreiche Zuhörende waren gekommen, darunter viele Mitglieder des DRK Ortsverbands, die sich den zweiten Tagesordnungspunkt anhören wollten. Von der Feuerwehr Groß-Rohrheim, die das Ganze ja vor allem betrifft, war niemand anwesend: Die Rohrheimer Floriansjünger waren zur gleichen Zeit bei einem Großeinsatz in Biblis und halfen der dortigen Wehr. Vorgestellt wurde in der jüngsten Bauausschusssitzung eine Machbarkeitsstudie. Dazu hatte man erneut Architektin Yvonne Fritsch eingeladen.
Bereits im Mai hatte sie in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Haupt- und Finanzausschuss die vier möglichen Bauvarianten vorgestellt (wir haben berichtet).
Das Rohrheimer Feuerwehrgerätehaus ist in die Jahre gekommen. Es muss nicht nur dringend saniert werden, sondern aufgrund geänderter Vorgaben muss auch im Inneren einiges geändert werden – etwa bei den Schmutzschleusen, den sanitären Anlagen und den Spinden. Das wurde schon mehrfach von der Unfallkasse Hessen angemahnt. Räumlich platzt das Haus sprichwörtlich aus allen Nähten. Fritsch ging in ihrem Vortrag nun im speziellen auf drei Varianten ein und stellte diese vor.
Auch wenn Fritsch keine eindeutige Empfehlung gab, so war der Tenor ähnlich zur Maisitzung: Eine Sanierung könnte, was die Gesamtkosten betrifft, am Ende nur geringfügig günstiger sein, als ein kompletter Neubau. Und wie Fritsch noch weiter ausführte, würde die Unfallkasse, mit deren Vertretern man das Ganze bereits besprochen habe, bei einigen Maßnahmen bezüglich der Sanierungsvariante den Rohrheimern wohl entgegenkommen. Einige Forderungen lassen sich am Bestandgebäude nicht umsetzen. Mehrmals sagte Fritsch, dass die Unfallkasse einsieht, „dass man bei einer Sanierung nicht alles hundertprozentig nach DIN umsetzen kann.“ Das beträfe den Innenausbau und auch die rückseitige Ausfahrt für die DRK-Einsatzfahrzeuge. Der Platz ist dort einfach zu gering.
Bei einer Sanierung kommen auch noch einige Unwägbarkeiten hinzu. Daher rät die Fachfrau der Kommunalpolitik, mehrere Gutachter und Planer im Vorfeld hinzuzuziehen beziehungsweise zu beauftragen.
Das verteuert natürlich die Planungskosten, doch das stelle letztlich auch sicher, dass man am Ende eine genaue Gesamtkostensumme erhält. „An einem Bestandsbau muss man eben Kompromisse machen“, sagte Fritsch. Ein Vorteil hat die Sanierung gegenüber dem Neubau: Sie lässt sich schneller realisieren. Aber auch das gab Fritsch der Kommunalpolitik mit auf den Weg: Für eine Sanierung braucht es eine Interimslösung. So lange umgebaut wird, müssten Feuerwehr und DRK ausziehen. Aber wohin? Bei einem Neubau würden alle erst nach dessen Fertigstellung umziehen. Bliebe noch die Frage: Was passiert mit dem alten Gebäude? Letztlich, so schätzt das beauftragte Planungsbüro in seiner Machbarkeitsstudie, würde eine Sanierung aktuell rund 6,25 Millionen Euro kosten. Demgegenüber stehen die Kosten für einen Neubau, den die Architektin mit circa 7,64 Millionen Euro beziffert. „Die Feuerwehr äußert sich zu keiner Variante“, antwortete Bürgermeister Karsten Krug auf die Frage von Ella Bersch (LiGR). Sie wollte wissen, ob es eine gewisse Präferenz der Beteiligten gibt. Und auch die Verwaltung selbst ist sich nicht sicher: „Auch wir tun uns schwer“, sagte Krug abschließend. Außerdem gab es am Abend ein klares Bekenntnis zum DRK und auch zur Kleiderkammer.
Krug fügte noch an, dass man derzeit keinen anderen Standort als Alternative im Ort sieht. Im Industriegebiet gäbe es Platz, doch der Weg sei einfach zu weit entfernt, um die Hilfsfrist einzuhalten. Der vorgeschlagene Standort ist im Besitz der Gemeinde, daher hätte man keine Grundstückskosten zu zahlen. Fragen muss der neutrale Beobachter sich aber schon, wie denn die Gemeinde Groß-Rohrheim, bei klammen Kassen, das Ganze finanziell stemmen will. Für den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses gäbe es praktisch keine Zuschüsse. Das Thema wurde nur zur Kenntnis genommen. Es gab keinen Beschluss. Die Fraktionen werden nun intern beraten.
