Bei „Qigong im Park“ können Menschen gemeinsam mit Christine und Axel Horn (grüne Shirts) die chinesische Entspannungstechnik kostenfrei ausprobieren. Foto: Ritzert/Deichert

Ruhe, Bewegung, Beständigkeit

Qigong in Pfungstadt blickt inzwischen auf eine lange Tradition zurück

Pfungstadt (rd). Was mit der Suche nach einem Ausgleich zum stressigen Berufsalltag begann, ist für Christine und Axel Horn längst zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden. Seit 2011 bieten die beiden Qigong-Kurse in Pfungstadt an. Viele Teilnehmende begleiten sie inzwischen seit Jahren – manche sogar fast von Anfang an.

Kennengelernt haben Christine und Axel Horn Qigong bereits 2005. Beide waren damals in der IT-Branche tätig und suchten nach einer Möglichkeit, neben dem Beruf zur Ruhe zu kommen. Ein befreundetes Ehepaar praktizierte Qigong in Karben bei Bad Vilbel. Mehrere Jahre nahmen die Horns regelmäßig den Weg dorthin auf sich.

Aus dem Interesse wurde schließlich der Wunsch, tiefer einzusteigen. Bei einem chinesischen Ehepaar absolvierten beide über zwei Jahre eine Ausbildung. Eigentlich, erzählt Christine Horn, hätten sie Qigong zunächst vor allem für sich selbst lernen wollen. Doch kaum hatte der Freundeskreis davon erfahren, kam die Frage auf, warum sie ihr Wissen nicht auch weitergeben wollten. 2011 starteten schließlich die ersten Kurse in Pfungstadt.

Dass Christine und Axel gemeinsam unterrichten, hat dabei einen ganz praktischen Vorteil. Während Christine meist die Übungen erklärt, machen beide die Bewegungen vor. Die Teilnehmenden können dadurch aus unterschiedlichen Blickrichtungen sehen, welche Bewegung gerade ausgeführt wird. Für Fragen stehen anschließend beide zur Verfügung.

Beim Qigong gehe es darum, „Körper, Geist und Atmung zu verbinden“, erklärt Christine Horn. Ruhe, Konzentration und Achtsamkeit spielten ebenso eine Rolle wie die Bewegung selbst. „Man kommt zur Ruhe, kommt zu sich und kann die Außenwelt einmal abschalten.“ Gleichzeitig werden die Bewegungsabläufe immer wieder wiederholt. Eine Übung wird beispielsweise acht- bis zehnmal ausgeführt. Gerade Anfänger hätten dadurch Zeit, nach und nach hineinzufinden.

Auch unterschiedliche körperliche Voraussetzungen werden berücksichtigt. Besonders im Dienstagvormittagskurs sind viele ältere Teilnehmer dabei. Manche Übungen, die früher ausschließlich im Stehen ausgeführt wurden, haben Christine und Axel inzwischen so angepasst, dass sie auch im Sitzen möglich sind. Die Gruppe sei „mit uns gealtert“, erzählt Horn lächelnd.

Überhaupt ist die Beständigkeit bemerkenswert. Einige Teilnehmer sind seit fünf oder acht Jahren dabei, einzelne sogar nahezu seit Beginn. Zu ihnen gehört auch Gudrun Beljan, die seit rund 15 Jahren Qigong bei Christine und Axel praktiziert. Sie schätzt besonders das gemeinsame Üben und die ruhige Anleitung. „Die Bewegungen sehen einfach aus, aber sie fördern Konzentration und Koordination“, beschreibt sie ihre Erfahrungen. Gerade auch im Alter seien viele Übungen gut ausführbar.

Ein Angebot, bei dem Interessierte Qigong ganz unverbindlich kennenlernen können, ist „Qigong im Park“. Auch diese Reihe gibt es bereits seit 2011 und damit in diesem Sommer zum 16. Mal. Bei gutem Wetter kamen zu den vergangenen Terminen nach Angaben von Christine Horn jeweils rund 50 Menschen. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine von Teilnehmenden vorgeschlagene Spendenbox lehnen Christine und Axel bis heute ab.

Für sie steht das Weitergeben im Mittelpunkt. Immer wieder erzählen Teilnehmende, dass sie einzelne Elemente inzwischen auch zu Hause in ihren Alltag eingebaut haben. Manche nutzen beispielsweise das Abklopfen des Körpers, mit dem auch eine Qigong-Stunde beginnt.

Die regulären Gruppen für kostenpflichtige Kurse bleiben dagegen bewusst klein. Im eigenen Kursraum können jeweils etwa acht bis neun Personen teilnehmen. Die Kurse für den kommenden Herbst sind bereits belegt.

So ist aus der eigenen Suche nach einem Ausgleich vor mehr als 20 Jahren ein Angebot entstanden, das inzwischen viele Menschen in Pfungstadt begleitet. Der Zuspruch ist groß, viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind seit Jahren dabei. Wenn ein Kurs endet, stellt sich für manche die Frage nach dem Weitermachen deshalb kaum noch: Für sie ist längst klar, dass sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sein möchten.

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