Nach umfangreichen Renovierungen erstrahlt die evangelische Kirche in Hähnlein in neuem Glanz. Foto: Ahlheim

Raum erstrahlt in neuem Licht

Renovierung der evangelischen Kirche in Hähnlein steht vor dem Abschluss

Hähnlein (ps). Die Renovierung der evangelischen Kirche in Hähnlein nähert sich ihrem Abschluss. In den vergangenen beiden Jahren wurde der historische Kirchenraum erneuert und technisch modernisiert. Noch fehlen einzelne Bausteine, doch die evangelische Kirchengemeinde Hähnlein sieht ihr Projekt auf der Zielgeraden. Die „Hejner Kersch“ soll durch die Sanierung flexibler nutzbar werden und künftig mehr Raum für Begegnung, Veranstaltungen und Gemeindeleben bieten. Dazu gehören ein barrierefreier Zugang, ein neu gestalteter Altarbereich, moderne Heiz-, Beleuchtungs- und Medientechnik sowie ein Innenraum, der historische Elemente bewahrt.

Im Mittelpunkt der Veränderungen steht laut einer Mitteilung des Evangelischen Dekanats Bergstraße der vordere Bereich der Kirche. Dort entstand ein barrierefreier Zugang, der Altarraum wurde auf das Fußbodenniveau des Kirchenschiffs abgesenkt und Teile des historischen Bankgestühls entfernt, wodurch neuer Raum entstand. Im vorderen Kirchenschiff wichen einige Bankreihen, dort können künftig Stühle stehen. Statt einer starren Anordnung soll der Raum künftig je nach Anlass unterschiedlich bespielt werden können – für Gottesdienste ebenso wie für kulturelle Veranstaltungen.

Historische Gräber entdeckt
Während der Umbauten rückte die Geschichte des Gebäudes in den Mittelpunkt. Im Kirchenraum kamen zwei historische Grabstätten zum Vorschein. Laut Recherchen der Kirchengemeinde handelt es sich bei den 1741 und 1747 Bestatteten um die Pfarrer Johann Philipp Neuß und Georg Ludwig Busch. Wie das Dekanat auf Anfrage erklärt, sollen die Grüfte nach der Verlegung des neuen Fußbodens mit je einer Platte gekennzeichnet und damit für die Nachwelt wahrnehmbar gemacht werden. Eventuell soll es auch eine bebilderte Schautafel geben, auf der die Särge der Verstorbenen beschrieben und die beiden Bestatteten genannt werden.

Die Funde verlangten umfangreiche Untersuchungen und bremsten die Bauarbeiten über Monate aus. Archäologische Fachleute dokumentierten die Gräber und ihre Inhalte. „Zugleich mussten Planungen angepasst werden: Fußbodenaufbau, Raumgestaltung und einzelne bauliche Entscheidungen standen plötzlich erneut zur Debatte“, so das Dekanat. Auch jenseits der Grabfunde zeigte sich, wie komplex die Arbeit an einem denkmalgeschützten Gebäude ist. Unter späteren Farbschichten traten ältere Fassungen und historische Gestaltungselemente hervor. „Der Kirchenraum orientiert sich nun stärker an einer früheren Ausmalung. Wände, Emporen und Holzflächen erhielten neue Farben“, so das Dekanat.

Parallel dazu wurde die technische Infrastruktur praktisch neu aufgebaut. Elektrik, Beleuchtung, Heiztechnik und Medienanschlüsse mussten in den alten Baukörper integriert werden. Die Orgel wurde zeitweise gesichert und später wieder eingebaut. Auch die Akustik, Beleuchtungsszenarien und digitale Anschlüsse spielten bei der Neuplanung eine Rolle.

Inzwischen hat die Kirche ihr neues Gesicht weitgehend erhalten. „Der Innenraum wirkt heller, offener und freundlicher. Zugleich bleibt die Geschichte des Hauses an vielen Stellen sichtbar – in freigelegten Details, restaurierten Oberflächen und in der bewussten Entscheidung, historische Spuren nicht vollständig zu überdecken“, berichtet das Dekanat.

Auch Gemeindemitglieder engagierten sich bei Arbeitseinsätzen, berichtet Pfarrerin Julia Fricke auf Anfrage der Redaktion. „An Himmelfahrt war eine große Saubermachaktion, bei der ganz viele junge Leute mit angefasst haben – im Kern Familie und Freunde eines Brautpaars, das Erstnutzer der Kirche nach der Renovierung war.“

Baukosten höher als veranschlagt
Die ursprünglichen auf 700.000 Euro veranschlagten Baukosten liegen mittlerweile bei 780.000 Euro. Das sei vor allem den mehrfachen Bauzeitverzögerungen und damit verbundenen Preissteigerungen sowie Planänderungen und Nachtragsaufträgen geschuldet. „Laut unserer Architektin werden wir bei ca. 780.000 Euro Gesamtkosten landen“, so Fricke. Rund 250.000 Euro trägt die Kirchengemeinde. Neben Rücklagen und Mittel aus einem zinslosen Darlehen der Landeskirche wird der Eigenanteil vor allem von Spenden getragen. Bislang konnte die Kirchengemeinde knapp 170.000 Euro einsammeln. „Wir freuen uns auf jeden Fall über jede weitere Spende, zum einen, da wir leider über den geplanten Kosten rauskommen, zum anderen, weil noch Anschlussbaumaßnahmen folgen, zum Beispiel die Errichtung eines kleinen Funktionsgebäudes neben der Kirche mit barrierefreier Toilette und Teeküche“, betont Fricke.

Ganz fertig ist das Projekt noch nicht. Ausstehend ist unter anderem die neue Eingangstür, die zurzeit angefertigt wird und Mitte Juli eingebaut werden soll. Auch Teile der Außenanlage und die barrierefreie Rampe sind noch nicht fertiggestellt. Einzelne technische und gestalterische Arbeiten laufen ebenfalls weiter. Dennoch möchte die Gemeinde den erreichten Stand bereits zeigen: Für Freitag, 19. Juni, ist ein sogenanntes „Pre-Opening“ geplant. Dazu lädt die Kirchengemeinde ausdrücklich ihre Spenderinnen und Spender ein. Ein Festgottesdienst ist am Kerbsonntag, 18. Oktober, vorgesehen.

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