Im Sommer 2019 haben Kinder der Dürer-Schule während der Ferienspiele die Container des Warenkorbs mit Graffiti verschönert. Foto: Verein

Quo vadis, Warenkorb?

Dürer-Schüler benötigen mehr Raum, Fahrradabstellplätze Mangelware

Weiterstadt (hst). Der Weiterstädter Warenkorb im Klein-Gerauer Weg 25a, steht auf einem städtischen Grundstück, das an das Gelände der Albrecht-Dürer-Schule und den Edeka Winkler-Markt angrenzt. Der Warenkorb ist mittlerweile eine feste Institution in Weiterstadt für Menschen, die in finanzieller Not sind.

Hier können diese Menschen seit 2012 gegen Vorlage eines Berechtigungsscheins Dinge des täglichen Bedarfs erhalten, um sich und ihren Familien ein möglichst normales Leben zu ermöglichen, ohne finanziell noch mehr belastet zu werden. Auch viele ältere Menschen, die nach Jahren harter Arbeit trotzdem nur eine geringe Rente erhalten, oder Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht oder nicht mehr Vollzeit arbeiten können, haben hier die Möglichkeit, ohne Scham und bürokratische Hürden Lebensmittel, Körperpflegemittel, Putzmittel und andere notwendige Dinge des täglichen Bedarfs gegen einen kleinen Obolus in Höhe von zwei Euro mit nach Hause zu nehmen.

Getragen wird der Warenkorb von einem Verein, in dem die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern dafür sorgen, dass die Lebensmittel ohne Unterbrechung der Kühlkette zum Klein-Gerauer Weg gelangen, dort aufbereitet, verräumt, gelagert und dann an die Kundinnen und Kunden ausgegeben werden. Auch alle anderen Dinge für den täglichen Bedarf werden von den Ehrenamtlichen dort sorgfältig für die Kundinnen und Kunden hingebracht, sortiert und weitergegeben.

Jetzt haben die Ehrenamtlichen des Warenkorbs – und vor allem auch deren Kundschaft – Sorge, dass der Standort, an dem sie seit 14 Jahren für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger da sind, einem Fahrradabstellplatz für die Schülerinnen und Schüler der Albrecht-Dürer-Schule weichen muss.

Wie Eugen Moczygemba, 1. Vorsitzender des Vereins Warenkorb, mitteilt, würden die Schülerinnen und Schüler mehr Freiraum auf dem Schulgelände benötigen und ein Fahrradabstellplatz müsste dafür verlagert werden – eventuell da hin, wo der Warenkorb seit vielen Jahren steht. In einem sachlichen und konstruktiven zweiten Gespräch mit Bürgermeister Niklas Gehnich, so Moczygemba, wurde das Für und Wider diskutiert. Dabei sei deutlich geworden, dass eine Verlagerung des Warenkorbs nur sehr schwer umsetzbar wäre: „Der Warenkorb hatte sich der Problematik der Freiflächen für die Dürer-Schule angenommen und in einer Präsentation Vorschläge erarbeitet, wie man Fahrradstellplätze vom Inneren des Schulgeländes verlagern könnte. Diese Vorschläge – einschließlich Doppelstock-Fahrradparkplätzen – wurden ausführlich mit dem Bürgermeister diskutiert.“

Die großen Vorteile der Vorschläge des Warenkorbs seien die zeitnahe Umsetzbarkeit, der deutlich geringere Aufwand und damit einhergehend auch der überschaubarere Kostenrahmen, so der Vorsitzende weiter. „Der Bürgermeister hat unsere Präsentation mitgenommen, versprochen, die Warenkorb-Vorschläge zu prüfen und sich zur gegebenen Zeit wieder zu melden.“

Konkret könnte man den „Trampelpfad“, der von der Bushaltestelle am Edeka-Gelände vorbei in den Klein-Gerauer Weg führt, schließen, dann den Zaun vom Warenkorb nach rechts verschieben, so dass ein großes Rechteck entstehen würde, auf dem man dann sehr viele Fahrräder abstellen könnte, insgesamt rund 350, wenn man Doppelstock-Parkplätze installieren würde. Benötigt würden wohl, so die Kenntnis von Moczygemba, rund 450 Stellplätze. Mit den bereits vorhandenen, an verschiedenen Plätzen installierten Fahrradabstellplätzen könnte das also wunderbar funktionieren.

Der „große Charme“ des aktuellen Standorts sei außerdem, so Moczygemba, dass die Kundinnen und Kunden von der Straße aus nicht gesehen werden können, ihre Privatsphäre damit gewahrt wäre: „Viele Menschen schämen sich, auf Hilfe angewiesen zu sein, und für diese ist es ein großes Plus, dass sie hier nicht öffentlich beim Einkaufen im Warenkorb beobachtet werden können“. Wenn die Kundinnen und Kunden beispielsweise von der Bushaltestelle zum Warenkorb gingen, wäre nicht ersichtlich, ob sie zur Schule, zum Sportverein oder zum Warenkorb gingen.

Bürgermeister Niklas Gehnich hat im Gespräch mit dem Wochen-Kurier erklärt, dass es die Schule war, die an ihn herangetreten sei, weil sie mehr Platz brauche. Aktuell würden wohl über 1600 Schülerinnen und Schüler die ADS besuchen, dazu kämen die 3. und 4. Klassen der Carl-Ulrich-Schule (CUS). Auch perspektivisch wäre absehbar, dass die Schule eher größer als kleiner würde.

Gehnich hebt hervor, dass er sich mit dem Warenkorb erst einmal informell in Verbindung gesetzt habe, um zu klären, ob eine Verlegung des Warenkorbs überhaupt Sinn mache: „Ich sehe und schätze das große ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier viel Arbeit geleistet haben und noch leisten. Und ich weiß auch, dass die Anonymität für viele Kundinnen und Kunden wichtig ist. Deswegen kam es zu den zwei Gesprächen, in denen wir schauen wollten, wie vorgegangen werden kann.“ Aktuell könne er aber keine verbindlichen Auskünfte geben, da in der Sommerzeit viele Beteiligte von Kreis und Schule in den Ferien wären und wichtige Aspekte ungeklärt bleiben müssten, etwa, wie die Fahrräder versichert sind, wenn sich der neue Abstellplatz nicht auf dem Schulgelände befindet.

Die Idee, den Trampelpfad zu schließen, habe er schon im Fachbereich besprochen: „Der Weg ist schon Thema gewesen, weil er immer wieder zugemüllt wird. Ihn für den Durchgang zu schließen, erscheint also allemal sinnvoll.“ Ob dort dann möglicherweise die Fahrradabstellfläche installiert werden kann, könne man aber jetzt noch nicht sagen. All diese Dinge seien noch zu prüfen und abzuwarten wie sich der Kreis als Schulträger dazu äußert – wenn es denn spruchreif würde.

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