Eschollbrücken (rd). Wenn Kinder Aida Hiseni fragen, ob ihr Bild gut sei, antwortet sie: „Alles ist gut, was du hier malst.“ In ihren Malkursen bei „Opido-World“ sollen sich die Teilnehmenden ausprobieren, eigene Entscheidungen treffen und Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln.
Hiseni wurde 1980 in Bosnien geboren und kam 1992 wegen des dortigen Krieges nach Deutschland. Sie studierte Biologie und promovierte in den Niederlanden in Biotechnologie. Seit 2020 lebt sie mit ihrem Mann und ihrer elfjährigen Tochter in Eschollbrücken. Hauptberuflich arbeitet sie als Wissenschaftlerin bei einem großen Wissenschafts- und Technologieunternehmen in Darmstadt.
Schon als Kind zeichnete Hiseni am Fenster, was sie draußen sah, oder porträtierte ihre Mutter. „Das waren ruhige Momente, die ich brauchte“, erinnert sie sich. Bis heute lässt sie beim Malen den Alltag hinter sich und probiert gern Neues aus.Die Idee zu „Opido-World“ entstand während der Corona-Zeit, als Hiseni viel mit ihrer Tochter gestaltete und später Kurse für deren Freunde veranstaltete. Vor rund zwei Jahren machte sie ihr Angebot offiziell. Auch der Name stammt von ihrer Tochter: Als Kleinkind wiederholte sie die Fantasiewörter „Jojo, Opido“. Jojo heißt heute der Familienhund, Opido wurde zum Namen des Projekts.
In ihren Kursen gibt Hiseni so viel Unterstützung, wie der Einzelne benötigt. Manche setzen ihre eigenen Ideen sofort um, andere wünschen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Eine starre Methode gebe es deshalb nicht. Die Autodidaktin versteht sich als Begleiterin, die Raum, Material und Anregungen bereitstellt. Wenn etwas nicht gefällt, kann übermalt werden.
Kinder sollen dabei auch Selbstvertrauen für Schule und Alltag gewinnen. Ein Junge besucht sie seit den Anfängen jede Woche. Gemeinsam haben sie bereits ganz unterschiedliche Motive und Kreativtechniken ausprobiert – von Dinosauriern bis zur abstrakten Malerei. Erwachsenen falle es oft schwerer, ihren Perfektionsanspruch loszulassen. Teilnehmende beschrieben die zwei Stunden als „Urlaub“, in dem Termine und Sorgen in den Hintergrund rückten.
Weil die Nachfrage im ersten Jahr groß war und viele Wochenenden belegt waren, passte Hiseni ihr Konzept an. Derzeit öffnet sie ihr Atelier in der Regel am letzten Samstag im Monat: vormittags für bis zu acht Kinder, nachmittags für bis zu sechs Erwachsene. Eine vorherige Anmeldung sichert den Platz; eine spontane Teilnahme ist möglich, sofern noch Plätze frei sind. Hinzu kommen thematische Angebote, Kindergeburtstage und Veranstaltungen für Teams.
Gelegentlich verbindet die promovierte Wissenschaftlerin Kunst und Forschung. Mit Kindern lässt sie beispielsweise auf Papptellern in einer Salatschleuder farbenfrohe Muster entstehen oder nutzt Kurkuma für Farbexperimente. Ihre eigenen Bilder entstehen vor allem mit Acryl- und Aquarellfarben.
Damit tritt Hiseni zunehmend an die Öffentlichkeit. Über die Klima-Initiative Ober-Ramstadt, kurz „KLIO“, beteiligte sie sich an der Wanderausstellung „Nahrungsquellen in Zeiten des Klimawandels“, die 2025 auch in der Pfungstädter Kirchmühle Station machte. Für Oktober ist eine weitere Ausstellung zum Thema Wasser geplant. Hiseni gestaltet dafür die Broschüre und wirkt an der Organisation mit. Von Januar bis in den Sommer 2026 zeigte sie zudem eigene Arbeiten im Riedstädter Rathaus.
Auch an einem autofiktionalen Buch mit Teilen ihrer Lebensgeschichte arbeitet Hiseni – ursprünglich vor allem für ihre Tochter. Das Vorhaben steht noch am Anfang und soll ohne Zeitdruck wachsen. Ähnlich hält sie es mit „Opido-World“: Konkrete Fünfjahrespläne hat sie nicht. Fest steht aber, dass ihr Herzensprojekt bleiben und wachsen soll. Die Kreativität werde immer ein Teil ihres Lebens sein.
