Crumstadt (red). Am vergangenen Sonntag, 4. Oktober, wurde Pfarrerin Julia Bokowski im Erntedankgottesdienst in der evangelischen Kirche Crumstadt aus ihrem Dienst in der Gemeinde Crumstadt von Dekan Martin Franke-Coulbeaut entpflichtet. Nach 17 Dienstjahren als Pfarrerin in Crumstadt wechselt die 54-Jährige zum 1. November in die evangelische Kirchengemeinde Erzhausen.
„Julia Bokowski war mit Herz und Seele Gemeindepfarrerin in Crumstadt und möchte nun, wo ihre vier Kinder ‚aus dem Haus‘ sind, mit ihrem Ehemann Rainer Bokowski beruflich noch mal aufbrechen und Neuland entdecken“, schildert das Evangelische Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim.
Kindergartenleiterin Sylke Schormair verabschiedete Julia Bokowski „mit Wehmut und einem großen Danke“. Von Beginn an habe sich die engagierte Pfarrerin dafür eingesetzt, die Rahmenbedingungen im evangelischen Kindergarten in Crumstadt zu verbessern und verlässliche Strukturen zu schaffen. Eine aufregende Zeit begann laut dem Dekanat 2013, als der Kirchturm plötzlich wackelte und eine umfassende Sanierung der Kirche notwendig wurde. Die Gemeinde musste aus ihrer Kirche ausziehen und fand für ihre Gottesdienste an verschiedenen Orten im Ort neue Räume. So wurde die Zeit der Sanierung zu einer besonderen Zeit des Zusammenrückens und des gemeinsamen Feierns. Mit kreativen Ideen und Projekten habe Bokowski das Gemeindeleben bereichert.
Von September bis Juni 2017 entstand in Crumstadt ein ganz besonderes Projekt: Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie insgesamt 380 Crumstädterinnen und Crumstädter schrieben die Bibel von Hand ab – auf rund 2000 DIN-A3-Seiten. „Das spannende daran war die Frage: Wie gehe ich mit Fehlern um?“, erinnert sich Bokowski. Gemeinsam entstand so etwas Bleibendes, das bis heute seinen Platz in der Kirche hat: Die handgeschriebene Bibel dient heute als Altarbibel.
Besonders spannend an ihrem Beruf findet Bokowski laut dem Dekanat, Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten zu dürfen. Sie erlebe es als bereichernd, wenn Menschen ihre eigene Lebensgeschichte betrachten, sich mit ihr auseinandersetzen und dabei neue Perspektiven entdecken. Eine Sprache zu finden für das, was unausgesprochen da ist, aber benannt und angesehen werden will, gehöre zu den Stärken von Julia Bokowski. Um Menschen auf ihrem persönlichen Weg noch besser begleiten zu können, habe sie sich zusätzlich in klientenzentrierter Gesprächsführung ausbilden lassen. „Du hast Trost gegeben, ermutigt, Zuwendung gegeben und das auch zurückbekommen“, so der Dank vom Kirchenvorstand. Dekan Martin Franke-Coulbeaut würdigte die Kreativität, Freude und das Organisationstalent von Pfarrerin Julia Bokowski und dankte auch für ihr siebeneinhalbjähriges verantwortungsvolles Mitwirken im Dekanatssynodalvorstand (DSV) und ihr Wirken im Vorstand der gemeindeübergreifenden Trägerschaft (GüT) der evangelischen Kindertagesstätten im Evangelischen Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim.
Julia Bokowski ist in Berlin geboren und in Bochum und Darmstadt aufgewachsen. Als Tochter eines Mathematikprofessors studierte sie von bis 1991 bis März 1995 Mathematik und Evangelische Theologie für das Lehramt und von 1995 bis 1998 Evangelische Theologie für das Pfarramt in Mainz. Von 1992 bis 1997 war sie dort wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl Religionswissenschaft. Ihr Vikariat absolvierte sie in Klein-Gerau und Nieder-Ramstadt, war Pfarrerin in Worms und seit November 2009 Pfarrerin in Crumstadt. Fortbildungen hat Bokowski auch in der Notfallseelsorge und als Begegnungs-Clownin.
Nach dem Gottesdienst, der vom Bläser- und Kirchenchor und von ihrem Ehemann Rainer an der Orgel musikalisch begleitet wurde, konnte sich die Gemeinde bei Sekt, Kaffee und Kuchen von ihrer Pfarrerin verabschieden.
