Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Kerstin Hundsdorf (stehend, links), Marion Vatter (stehend, rechts) und Bürgermeisterin Christine Klein (sitzend, links) sowie die Auszubildenden der Stadtverwaltung beim Aktionstag „Parität jetzt“ in der Bensheimer Innenstadt. Foto: Stadt Bensheim

Mehr Platz für Frauen in der Politik

Aktionstag macht auf Ungleichheit in den politischen Gremien und Ämtern aufmerksam

Bensheim (red). Die Stadt Bensheim hat kürzlich in der Fußgängerzone eine Aktion gegen politische Ungleichheit initiiert: Sieben Stühle waren beim bundesweiten Aktionstag „Parität jetzt“ in der Bensheimer Fußgängerzone für Männer reserviert: Ein Auszubildender der Stadt breitete sich symbolisch darauf aus. Für die drei weiblichen Auszubildenden der Stadt blieben nur die drei restlichen Plätze übrig. „So sieht – vereinfacht dargestellt – die Sitzverteilung im Deutschen Bundestag aus: Von echter Gleichberechtigung noch immer keine Rede“, erklärt die Stadt Bensheim in einer Mitteilung. „Frauen stellen 51 Prozent der Bevölkerung. Doch wenn politische Entscheidungen getroffen werden, bleiben ihre Stimmen vielerorts in der Minderheit.“ Bensheim setze in puncto Gleichberechtigung hingegen ein starkes Zeichen. In der Stadtverordnetenversammlung sind 23 der 45 Sitze mit Frauen besetzt.

Wie die Stadt berichtet, sei die Aktion auf großes Interesses gestoßen. Im Laufe des Tages hätten sich rund 60 intensive Gespräche mit Frauen und Männern, jungen und älteren Menschen entwickelt. Viele hätten persönliche Geschichten erzählt, von Benachteiligungen im Berufsleben berichtet oder davon, wie selbstverständlich Frauen noch immer den größten Teil der Sorgearbeit übernähmen.

Eine Frau berichtete von ihrem Berufsleben: Jahrzehntelang habe sie sich stärker beweisen müssen als ihre männlichen Kollegen, sei bei der Vergabe von Führungspositionen immer wieder übergangen worden und habe schließlich trotz Führungsverantwortung rund 30 Prozent weniger verdient als ihre männlichen Kollegen. Besonders traurig stimme sie, dass ihre Tochter heute ähnliche Erfahrungen mache. „Die gläserne Decke gibt es noch immer.“

Eine Landwirtin berichtete, dass Kundinnen und Kunden an ihrem Verkaufsstand häufig den männlichen Mitarbeiter nach dem Anbau ihrer Produkte fragten – obwohl sie selbst den Betrieb aufgebaut habe. Andere Frauen schilderten, dass Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Haushalt nach wie vor überwiegend an ihnen hängen blieben. Die Folge seien Teilzeit, geringere Rentenansprüche und nicht selten Altersarmut.

„Die Offenheit der Menschen hat uns beeindruckt“, sagt die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bensheim. „Viele kamen gezielt zu uns, wollten ihre Erfahrungen schildern oder einfach Danke sagen. Das zeigt, wie groß der Gesprächsbedarf beim Thema Gleichberechtigung nach wie vor ist“, erklärte die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Hundsdorf. „Solange Frauen in politischen Gremien, Führungspositionen oder anderen entscheidenden Bereichen nicht gleichberechtigt vertreten sind, bleibt Demokratie unvollständig“, betonte Bensheims Bürgermeisterin Christine Klein.

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