Bei der Vorstellung der neuen VdK-Nachbarschaftshilfe, von links: Bürgermeister Maximilian Schimmel, VdK-Vorsitzender Hans-Jürgen Wittig und Andreas Stauß, Vorsitzender des VdK Seeheim-Jugenheim und Diplom-Pflegewirt, der dem Projekt mit seinem beruflichen Sachverstand zur Seite stehen soll. Foto: Leonardy/VdK

Mehr Entlastung, weniger Einsamkeit

VdK Pfungstadt stellt Nachbarschaftshilfe offiziell vor – großes Interesse am Ehrenamt

Pfungstadt (rd). Immer mehr pflegebedürftige Menschen werden von ihren Angehörigen zu Hause versorgt. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Unterstützung im Alltag. Die geplante VdK-Nachbarschaftshilfe Pfungstadt möchte künftig genau dort ansetzen, wo Familien Entlastung benötigen. Rund 60 Interessierte informierten sich vor kurzem bei einem öffentlichen Informationsabend im Mühlbergheim über das neue Angebot, das nach derzeitiger Planung im September/Oktober starten soll.

Unter den Gästen befanden sich neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern auch Bürgermeister Maximilian Schimmel, der das Projekt von Beginn an unterstützt, Vertreter der Stadtpolitik, des VdK Hessen-Thüringen, der GeWoBau Pfungstadt sowie des Beirats der älteren Generation. Wie der Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Pfungstadt, Hans-Jürgen Wittig, erläuterte, stehe das Projekt nach rund zwei Jahren Vorbereitung, Abstimmung und Genehmigung nun kurz vor der Umsetzung.

Hintergrund ist die wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen, die überwiegend von Angehörigen im häuslichen Umfeld betreut werden. Nach Angaben des VdK betrifft dies rund 86 Prozent aller Pflegebedürftigen. Gleichzeitig fehlen vielerorts niedrigschwellige Angebote, die Angehörige entlasten und älteren Menschen mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Genau diese Lücke soll die VdK-Nachbarschaftshilfe künftig schließen. Das Angebot versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu ambulanten Pflegediensten. Statt pflegerischer oder medizinischer Leistungen stehen praktische Hilfen im Alltag im Mittelpunkt. Ehrenamtliche Nachbarschaftshelferinnen und -helfer sollen künftig beispielsweise bei Einkäufen unterstützen, zu Arzt- oder Behördenterminen begleiten, gemeinsame Spaziergänge unternehmen, Zeit für Gespräche schenken oder kleinere hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen. Ziel ist es, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen und gleichzeitig pflegende Angehörige zu entlasten.

Pflegerische Aufgaben bleiben dagegen ausdrücklich Fachkräften vorbehalten. Körperpflege, das Heben oder Umsetzen von Personen sowie andere medizinische Leistungen gehören nicht zum Aufgabenbereich der Ehrenamtlichen. Damit sollen sowohl die Hilfesuchenden als auch die Helfer geschützt werden.

Bereits jetzt haben sich nach Angaben des VdK 18 Ehrenamtliche gemeldet, die auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet werden. Geplant ist, hilfebedürftige Menschen ein- bis zweimal pro Woche zu unterstützen. Voraussetzung für den Einsatz sind unter anderem ein Erste-Hilfe-Kurs, ein erweitertes Führungszeugnis sowie Schulungen zu Themen wie Demenz, Betreuung und Angehörigenarbeit. Pflegebedürftige können für die Leistungen des Nachbarschaftshilfevereins des VdK den Entlastungsbeitrag nutzen. Zusätzliche Unterstützung erhält das Projekt unter anderem durch die Bürgerstiftung Helene Gröninger, die Stadt sowie Spenden.

Ein besonders anschauliches Beispiel machte deutlich, welchen praktischen Nutzen die Nachbarschaftshilfe künftig haben kann. So wurde von einer älteren Rollstuhlfahrerin berichtet, die seit Jahren nicht mehr an der Pfungstädter Kerb teilnehmen konnte, weil ihr eine Begleitung fehlte. Aus dieser Situation entstand die Idee, künftig gemeinsame Rundgänge über die Kerb für Rollstuhlfahrer zu organisieren. Solche kleinen Hilfen könnten für viele Betroffene ein großes Stück Lebensqualität bedeuten.

Nach Angaben des VdK sollen Interessierte unter anderem über Flyer in Arztpraxen, Apotheken und öffentlichen Einrichtungen auf das Angebot aufmerksam gemacht werden. Darüber hinaus setzt der Ortsverband auf persönliche Empfehlungen und die Vernetzung mit den örtlichen Partnern.

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