Einhausen (mic). Kaffee und Kuchen gab es am Sonntag an der Weschnitzrast. Diesmal waren es die Mitglieder der Selbsthilfegruppe Frauenpower Bergstraße, die eingeladen hatten. Doch man wollte mit dem Kuchenverkauf nicht nur etwas Gutes für das Gruppensparschwein tun, sondern vor allem die Besucherinnen und Besucher über eine Krankheit aufklären, die nur Frauen betrifft, aber außer den Betroffenen kaum jemand kennt.
Eine Lobby haben jene Frauen kaum. Darum tut Aufklärung Not, denn alle Betroffenen können einen Satz gar nicht leiden: „Dann iss doch einfach weniger!“ Daher möchte man auch immer wieder mit Nicht-Betroffenen ins Gespräch kommen. Hierzu bot sich kürzlich die Weschnitzrast als Veranstaltungsort an.
Die „Mitglieder“ der Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen aus der Region haben eines gemeinsam: sie haben ein Lipödem. Dabei handelt sich um eine chronische Fettverteilungsstörung. Das ganze sieht nicht nur sehr unschön aus und geht dann noch einher mit psychischen Belastungen, sondern die Krankheit verursacht auch enorme Schmerzen.
Das Lipödem ist sichtbar, denn das Fett, das nicht durch übermäßigen Genuss von Nahrungsmitteln verursacht wird, sammelt sich meist an Armen und Beinen oder am Gesäß an. Zudem sorgt es auch dafür, dass die betroffenen Frauen bei nur kleinsten Berührungen sofort blaue Flecken bekommen.
Die chronische Krankheit, die auch mit hormonellen Störungen in Verbindung steht, kann aktuell nicht medikamentös behandelt werden. Man kann einige Symptome nur mit Lymphdrainagen und durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen lindern. Es gibt dann noch die Möglichkeit der Liposuktion – eine Operation, die mehrere Eingriffe erfordert. „Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist ein schwieriger Prozess, der nur noch durch die Berechnung des BMI übernommen wird. Das empfinden wir als extrem ungerecht“, wie Christiane Müller, eine der betroffenen Frauen, im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte.
Des Weiteren fordert die Selbsthilfegruppe eine breitflächige Versorgung durch Fachärzte für Phlebologie. Aufgeklärt haben die Organisatorinnen um Sabrina Peikert und Tanja Leonhardt auch geladene Gäste aus der Politik. Gekommen war die CDU-Landtagsabgeordnete Birgit Heitlandt sowie der erste Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf. Auch Einhausens Bürgermeister Helmut Glanzner stattete dem Infostand einen Besuch ab. Am Ende waren die Damen von Frauenpower Bergstraße zufrieden mit der Veranstaltung, denn die Kuchentheken war bis auf das letzte Stück Torte an den Mann und die Frau gebracht worden.
Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden zweiten Freitag im Monat zwischen 19 und 21 Uhr im Heppenheimer Caritaszentrum, Kalterer Straße 3.
Kontakt: lipödembergstrasse@gmail.com
