Ihr können und ihre Begeisterung gibt Michelle Deschner an ihre beiden Neffen weiter. Foto: Deschner

Johnny wohnt im Kühlschrank

Michelle Deschner aus Leeheim entwickelt eigene Brotrezepte

Leeheim (rd). Mehl, Wasser und etwas Zeit: Mehr braucht „Johnny“ nicht. Der knapp neun Jahre alte Sauerteig verbringt die meiste Zeit im Kühlschrank von Michelle Deschner. Seit 2017 bildet er die Grundlage für viele Brote der 32-jährigen Leeheimerin. Vor dem Backen wird Johnny aufgefrischt und darf etwa zwölf Stunden reifen. Viele Hobbybäcker gäben ihrem Sauerteig einen Namen, erzählt Deschner. So werde er aufmerksamer versorgt und nicht so leicht vernachlässigt.

Ihre Freude am Backen reicht bis in die Kindheit zurück. Damals half sie ihrer Mutter bei Kuchen und anderem süßen Gebäck. Brot rückte 2014 in den Mittelpunkt. Ein Buch aus der Bücherei weckte ihre Neugier, weitere Anregungen fand sie in sozialen Netzwerken. Auf die ersten Hefebrote folgten 2017 Versuche mit Sauerteig. Ihr eigener Ansatz misslang, doch eine Bekannte gab ihr einen Teil ihres Sauerteigs ab. Daraus wurde Johnny, den Deschner bis heute weiterführt.

Das nötige Wissen eignete sie sich durch Bücher, Fachtexte und den Austausch in Facebook-Gruppen selbst an. Rezepte sind für sie eher Ausgangspunkt als feste Anleitung: Sie verändert Zutaten, kombiniert neu und entwickelt so eigene Brote und Brötchen. Auch mit Hefewasser, Kombucha sowie Milch- und Wasserkefir hat sie experimentiert. Früher backte sie noch mit einem Ofen, bei dem die Temperaturangaben kaum zu erkennen waren. Heute bietet ihr ein Haushaltsbackofen mit Dampffunktion deutlich bessere Voraussetzungen für ihre Brot- und Brötchenkreationen.

Ihre Ergebnisse zeigt Deschner auf Instagram. Als Influencerin versteht sie sich aber nicht. Wichtiger sind ihr Gespräche mit anderen Hobbybäckern und Rückmeldungen zu ihren Rezepten. Über ihre damalige Facebook-Seite wurde auch der Chefredakteur des Magazins „Brot“ auf sie aufmerksam. Seit April 2018 schreibt Deschner für das Heft – zunächst über Marmeladen und Aufstriche, später vor allem über Brot und Brötchen.

Unter der Woche bleibt derzeit wenig Zeit zum Backen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau absolviert eine Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement und lebt dafür in einem Internat in Bad Vilbel. Deshalb steht sie hauptsächlich an den Wochenenden in Leeheim am Ofen. Beruflich in eine Bäckerei zu wechseln, reizt sie nicht. Ihr gefällt gerade die Freiheit, neue Rezepte zu entwickeln und andere Zutaten auszuprobieren.

Besonders gerne backt Deschner mit ihren beiden Neffen, die bald vier und sieben Jahre alt werden. Wenn die Jungen zu Besuch sind, entstehen gemeinsam Brot, Pizza, Kuchen oder süßes Gebäck. Es ist sogar eine neue Familientradition entstanden: Gemeinsam mit den beiden werden die Geburtstagstorten für die Familie gebacken und gestaltet.

Weitere Infos: Instagram (@mimipusteblume)

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