Goddelau (haza). „Wenn wir heute auf 75 Jahre Georg-Büchner-Schule (GBS) zurückblicken, dann schauen wir nicht nur auf ein Gebäude, das vor 75 Jahren Richtfest gefeiert hat, sondern auf Generationen von Kindern, Familien und Lehrkräften, die diese Schule geprägt haben“, betonte Schulleiterin Ann-Jana Kloos zu Beginn der Jubiläumsfeier der GBS zu deren 75. Geburtstag.
In der Vorbereitung auf das Fest habe man auch eine ganz besondere Urkunde aus den Anfängen der Schule gefunden. Die Abschrift stammt vom 22. Juli 1951, das Original wurde eingemauert. Darin heißt es: „Möge nun in den neuen Bau zugleich ein neuer Geist einziehen, der Geist der Harmonie zwischen Schule, Kind und Elternhaus.“ „Wenn ich diese Zeilen lese, denke ich sofort an die Leitworte unserer Schule: Miteinander. Füreinander. Voneinander. Denn genau das beschreibt diese Harmonie zwischen Schule, Kind und Elternhaus“, so Kloos. „Miteinander gestalten wir Schule. Füreinander tragen wir Verantwortung. Voneinander lernen wir jeden Tag. Diese Gedanken waren bereits vor 75 Jahren wichtig – und sie sind heute vielleicht wichtiger denn je.“
Passend dazu las Kloos ein kleines Gedicht vor, das ebenfalls in der Gründer Urkunde niedergeschrieben ist: „Gott beschütze dieses Haus, Glück herein, Unglück hinaus. Jedem, der vorübergeht, das Haus zur Einkehr offen steht. Und wer drinnen bleibe, frisch und gesund und stets gesegnet viel Tag und Stund.“ „Von Herzen wünsche ich der GBS, dass sie auch in Zukunft ein solcher Ort bleibt: ein offenes Haus, ein Ort des Lernens, der Begegnung, der Gemeinschaft und der Freude“, so Kloos zum Abschluss ihrer Begrüßung.
„Heute ist ein ganz besonderer Tag: Eure Schule feiert Geburtstag. Und zwar nicht irgendeinen Geburtstag, sondern ihren 75.“, freute sich der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan über die Einladung zum Jubiläum. Viele tausend Kinder seien durch die Türen dieser Schule gegangen und hätten hier Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, aber auch Spielen und Lachen. Eine Schule sei nämlich viel mehr als ein Gebäude mit Klassenzimmern, Tischen und Stühlen, sondern vielmehr ein Ort an dem Kinder wachsen würden. Nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf und im Herzen. Hier dürfe man Fragen stellen, Fehler machen und daraus lernen. Die GBS sei genauso ein Ort, wo rund 400 Kinder in 18 Klassen aufgeteilt sind.
In Zukunft soll die Schule weiter wachsen, so Oyan. Deshalb plane der Kreis Groß-Gerau eine Erweiterung des Schulstandorts mit mehr Platz zum Lernen und modernen Unterrichtsräumen, Bereichen zum gemeinsamen Arbeiten und einer neuen Mensa. Die Planungen seien im Gange und es werde daran gearbeitet, die Schule fit für die Zukunft zu machen.
„Doch das Wichtigste an einer Schule kann man nicht bauen. Das Wichtigste sind die Menschen, die Kindern mit ihrer Neugier und ihren Ideen. Die Lehrerinnen und Lehrer, die erklären, unterstützen und Mut machen. Die Eltern, die begleiten und alle, die jeden Tag dazu beitragen, dass Schule gelingt“, so Oyan. Es gebe an der Schule eine Schach-AG, eine Akkordeon-AG und eine Kunst-AG und sogar eine Schülerzeitung. Doch besonders gefreut habe sich Oyan über die Glücks-AG. Hier lerne man nicht nur für die nächste Klassenarbeit, sondern auch fürs Leben. „Und vielleicht hätte das auch Georg Büchner gefallen, dessen Name die GBS trägt. Denn Bildung bedeute nicht nur, Dinge auswendig zu lernen, sondern auch, neugierig zu bleiben, die Welt besser zu verstehen und an sich selbst zu glauben“, so Oyan zum Abschluss seiner Ansprache.
Im Anschluss startete der Sponsorenlauf, wo die Kinder insgesamt 2726 Runden um die Schule absolvierten. Auf der Bühne folgten unter anderem Auftritte vom Schul-Chor, der Akkordeon-AG, des Jugendorchester des Musikvereins Goddelau. In der Pausenhalle gab es künstlerische Arbeiten und Installationen der Schülerinnen und Schüler der zweiten Klassen zum Namensgeber „Georg Büchner“ und seinen Friedenstexten zu sehen, sowie „den Regenbogen der Vielfalt“ der Intensivklasse zu entdecken.
Die diesjährige Schülerzeitung sei zu einer ganz besonderen Jubiläumsausgabe geworden, betonte Schulleiterin Ann-Jana Kloos. Die Viertklässlerinnen und Viertklässler hatten sich intensiv mit der Geschichte der vergangenen 75 Jahre beschäftigt, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen eingeladen, Interviews geführt und Erinnerungen gesammelt. Entstanden sei eine beeindruckende Dokumentation, die zeige, wie lebendig Schulgeschichte sein könne. Weiterhin gab es Pausenspiele aus den letzten acht Jahrzehnten zu bestaunen.
Mit einem Tag Abstand resümierte Kloos, dass das Jubiläumsfest ein toller Tag gewesen sei, der viele Begegnungen zugelassen habe. Ein älterer Jahrgang habe das Fest als Klassentreffen genutzt. „Wir haben so tolle GBS-Kinder, ich war sehr begeistert von ihrer Motivation und ihrem Durchhaltevermögen, diesen Lauf zu bezwingen. Das ist für mich wieder ein Bestätigung, dass Schule mehr ist wie Unterricht im Klassenzimmer“, freute sich Kloos im Nachgang nicht nur über die zurückgelegten 2726 Runden.
