Pfungstadt/Darmstadt (rd). Mit Redebeiträgen, Musik, Bannern und Plakaten haben Menschen am vergangenen Samstag auf dem Darmstädter Luisenplatz an die mutmaßlich zu Tode gequälte Hündin Jette erinnert. Fotos und kleine bemalte Gedenksteine machten zugleich auf die Schicksale weiterer misshandelter oder getöteter Hunde und Katzen aufmerksam. Unter den Teilnehmenden waren rund zehn Vertreter des Tierheims Pfungstadt, darunter Ehrenamtliche und Vorstandsmitglieder. Nach Schätzung der Organisatorin Sandra Weidlich versammelten sich zeitweise rund 270 Menschen. Auf den vor Ort ausliegenden Petitionslisten wurden nach ihrer Zählung knapp 230 Unterschriften geleistet.
Der Fall Jette löste bundesweit Entsetzen aus. Die Hündin soll im November 2025 in Pößneck schwer misshandelt und getötet worden sein. Eine Verurteilung liegt bislang nicht vor. Der Fall gab den Anstoß zu Mahnwachen in zahlreichen Städten. Die Teilnehmenden fordern, Tierquälerei konsequenter zu verfolgen, vorhandene Strafen auszuschöpfen und den gesetzlichen Schutz von Tieren zu verbessern.
Organisiert wurde die Darmstädter Aktion von Sandra Weidlich aus Reinheim. Über soziale Medien und Veröffentlichungen des als Alex Löwenherz bekannten Tierschutzjournalisten Alexander Frick wurde sie auf den Fall Jette aufmerksam. Als Privatperson habe sie sich zunächst hilflos gefühlt. Doch dabei wollte sie es nicht belassen: „Vom Rumsitzen passiert halt nichts“, sagt Weidlich. Sie stellte eine Anfrage bei der Stadt, informierte sich über den notwendigen Ablauf, meldete die Veranstaltung als Mahnwache und Demonstration an und gründete ein kleines Organisationsteam.
Unterstützt wurde die Aktion unter anderem vom Tierschutzverein Pfungstadt und Umgebung. Katrin Muth, die das Tierheim Pfungstadt seit zweieinhalb Jahren leitet, fasst die Rückmeldungen ihrer Kollegen zusammen. Die Stimmung sei von Trauer und Betroffenheit geprägt gewesen, auch Tränen seien geflossen. Zugleich habe sich ein starker Zusammenhalt im Tierschutz gezeigt. Eine Verschärfung und konsequentere Anwendung der Tierschutzgesetze lasse sich nicht durch eine einzelne Demonstration erreichen, sagt Muth. Umso wichtiger sei es, das Thema dauerhaft im Gespräch zu halten.
Muth fordert nicht nur mögliche Verschärfungen, sondern vor allem, bestehende Gesetze konsequent anzuwenden und Tierhalteverbote tatsächlich zu kontrollieren. Nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes können bestimmte Fälle erheblicher Tierquälerei bereits heute mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden. Dass Tierschutz nicht nur ein fernes Thema ist, erlebt Muth auch in Pfungstadt. Vor rund zwei Jahren habe das Tierheim zwei Hunde sichergestellt, die fast bis zum Verhungern abgemagert gewesen seien. Dabei sei wichtig, nicht vorschnell zu urteilen: Manche Halter handelten nicht aus Absicht, sondern seien überfordert und schämten sich, Unterstützung zu suchen. Häufig könne bereits ein Gespräch helfen.
Wer akute Gewalt gegen ein Tier beobachtet, sollte nach Muths Worten die Polizei verständigen. In anderen Verdachtsfällen seien Ordnungsbehörde und Veterinäramt die richtigen Ansprechpartner. Niemand solle sich durch eigenes Eingreifen selbst in Gefahr bringen. Bei einer erkennbaren Überforderung der Tierhaltenden könne es dagegen sinnvoll sein, zunächst Unterstützung anzubieten.
Auch aktuell ist das Tierheim stark gefordert. Vor allem die große Zahl verwilderter Katzen bereite Probleme. Zudem versorgt das Team mehrere Würfe mit Katzenbabys, die noch einige Zeit im Tierheim bleiben müssen, bevor sie vermittelt werden können. Geld-, Futter- und Sachspenden seien daher jederzeit willkommen.
Der 4. Oktober, der Welttierschutztag, soll erneut bundesweit im Zeichen von Mahnwachen gegen Tierquälerei stehen. Weidlich möchte sich mit einer weiteren Aktion beteiligen; ob diese in Darmstadt oder Dieburg stattfindet, steht noch nicht fest. Interessierte, die Weidlich bei der nächsten Mahnwache unterstützen möchten, können sie per E-Mail unter ichgebemeinestimme@gmail.com sowie über Facebook unter „Sa Ca Soundso“ und Instagram unter „@sasoundso“ erreichen.
Auch im Tierheim Pfungstadt steht der Welttierschutztag am 4. Oktober ganz im Zeichen der Tiere, wenn der Verein zu seinem Tierdankfest einlädt.
