Region (ps). Die Europäische Gottesanbeterin ist ein gefährlicher Lauerjäger. Reglos wartet die Fangschrecke auf Wiesen und in Büschen, um mit den zu Fangscheren weiterentwickelten Vorderbeinen blitzschnell nach ihrer Beute zu schnappen und bei lebendigem Leibe zu verspeisen.
In Deutschland ist die Europäische Gottesanbeterin noch eher selten anzutreffen. In Südhessen haben sich feste Populationsgebiete erst nach der Jahrtausendwende auf dem Schlossberg bei Heppenheim und auf der Gemarkung des Bensheimer Stadtteils Gronau etabliert.
In diesem Jahr ist die Zahl der Sichtungen aber deutschlandweit gestiegen und zwar allein seit Juli auf über 22.000, berichtet der Naturschutzbund Deutschland. Das seien doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr.
„Bei Durchschnittstemperaturen von 17 Grad Celsius und mehr entwickeln sich Eier und Larven beschleunigt. Das war in der kritischen Zeit von Mai bis Ende Juni 2026 vor allem im Südwesten der Fall. Es gibt eine hohe geografische Übereinstimmung zwischen Frühjahrswärme und Meldeboom“, erklärt Alexander Wirth, Datenanalyst bei nabu-naturgucker.de auf der Website des Verbands.
Der Klimawandel begünstige die Ausbreitung des wärmeliebenden Insekts. Vor allem entlang des Rheins sowie im Tiefland der ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Sachsen breiteten sich die Tiere aus, weshalb dort Sichtungen auch vergleichsweise häufig seien. In den Mittelgebirgen sei es der Gottesanbeterin hingegen noch zu kalt.
Das hat das abgebildete Exemplar jedoch nicht davon abgehalten, sich über die Höhen der Bergstraße ins Weschnitztal aufzumachen, wo es von Plegge-Medien-Redakteur Dr. Philipp Schaab am Fenster seines Büros im Rimbacher Ortsteil Mitlechtern abends entdeckt wurde. Es war das erste Mal, dass dem Redakteur ein solches Tier im Weschnitztal begegnete – und das im eigenen Haus.
Das zierliche, vermutlich männliche Exemplar hatte eine Länge von circa fünf bis sechs Zentimetern – Weibchen werden bis zu acht Zentimeter lang und sind kräftiger gebaut. Nach ausführlich Begutachtung wurde das für den Menschen völlig harmlose und ungefährliche Tier wieder in die Freiheit entlassen.
