Eine Zeitkapsel im Grundstein wird folgende Generationen womöglich einmal an den Tag erinnern, als Pfungstadt Richtfest für sein neues Schwimmbad feierte, von links: Schwimmbadbeauftragter Jochen Kockegei, Erster Stadtrat Horst Knell, Bürgermeister Maximilian Schimmel, Erster Kreisbeigeordneter Lutz Köhler, Architektin Sarah Plückebaum (Stadt Pfungstadt) und Architekt René van Zoeren („Slangen & Koenis Architecten“). Fotos (3): Weißmann

Es naht die große Wiederkehr

Grundstein gelegt, Richtfest gefeiert – Neues Pfungstädter Schwimmbad soll 2028 eröffnen

Pfungstadt (mw). Wetter und Ort haben schon mal gematcht, jedoch mit einem klitzekleinen Handicap: Im neuen Pfungstädter Schwimmbad befindet sich noch gar kein Wasser, was bei den für Ende September ebenso ungewöhnlichen wie aber tatsächlich heißen Temperaturen am vergangenen Mittwoch manche mit einer augenzwinkernden Betrübnis versah.

In einem Aufwasch erledigten Stadtverwaltung und Projektbeteiligte an diesem Tag die Grundsteinlegung und das Richtfest für das neue Planschparadies in Pfungstadts Süden. Der Stolz auf das laut Bürgermeister Maximilian Schimmel größte Einzelprojekt, das die Stadt je gestemmt habe, und dessen bisherigen pannen- und seit über 200 Tagen unfallfreien Bauverlauf war den Verantwortlichen durchaus anzumerken.

Zu recht möchte man sagen, angesichts vieler Großbauprojekte im Lande, die zuletzt hauptsächlich wegen längerer Bauzeit und explodierendem Geldbedarf Schlagzeilen gemacht haben. In Pfungstadt sei das Schwimmbad jedenfalls voll im Zeit- und Kostenplan, so Rathauschef Schimmel bei seiner Rede an der Doppelveranstaltung. Der Rohbau steht, wovon sich auf dem Gelände an der Dr.-Horst-Schmidt-Straße einige geladene Gäste überzeugen konnten.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, und das stellte Schimmel zu Beginn seiner Worte ebenfalls fest, dass seit über zwölf Jahren niemand mehr auf Pfungstädter Gemarkung in die Fluten hüpfen konnte. Der alte Bade- und Saunapark wurde Anfang 2014, kurz nach dem Amtsantritt des damals neuen Bürgermeisters Patrick Koch, geschlossen und anschließend nie wieder geöffnet. Brandschutzmängel galten damals offiziell als Schließungsgrund, doch die heute gar nicht mehr so vorgehaltenen Hände wissen ebenfalls um horrende Betriebskosten und einen Sanierungsstau des in den 1970er Jahre gebauten Bads im zweistelligen Millionenbereich, was auch der erst 2012 eingeweihte Saunaanbau nicht mehr auffangen konnte.

Schier endlos schien danach der Strudel aus Konzepten, Absagen, Widersprüchen, Fragen und Kontroversen, ob und wenn ja wo in Pfungstadt wieder geschwommen werden kann. Bei einer repräsentativen Bürgerbefragung entschied sich 2020 die Mehrheit der angeschriebenen Pfungstädterinnen und Pfungstädter für ein Erlebnis- und gegen ein reines Sportbad. Zug und Ordnung in die Sache kam schließlich mit dem Einsatz des in weiten Teilen ehrenamtlich agierenden Planungsteams rund um die Stadträte Jochen Kockegei und Rolf Hecker sowie dem Ersten Stadtrat Horst Knell, ergänzt um Mitarbeitende aus der Verwaltung, wie der Architektin Sarah Plückebaum. Spatenstich für das künftige Sport- und Familienbad inklusive Saunalandschaft war im Oktober 2025. Moderne Technik soll im Neubau ausufernde Betriebskosten verhindern, darunter etwa Photovoltaik auf dem Dach, um im besten Fall energieseitig autark sein zu können.

Schwimmbadbeauftragter Kockegei stellte am Rednerpult kurz vor, worauf sich die Besucherinnen und Besucher ab dem Sommer 2028 im neuen Sport- und Familienbad freuen könnten und würdigte dabei vor allem die Arbeit von Holger Heisel (DLRG) und Bernhard Jäger (Schwimmabteilung TSV Pfungstadt) im „Dachverband Schwimmen in Pfungstadt“, die maßgebliche Basisarbeit für das heutige Großprojekt geleistet hätten und immer dafür kämpften, dass in ihrer Stadt wieder Schwimmkurse und Schwimmsport möglich sind.

Innen wartet ein 25-Meter-Becken mit acht Bahnen auf Schwimmbegeisterte, über drei Bahnen gibt es einen Hubboden, um flexible Wassertiefen etwa für Schul-, Verein- oder Seniorenschwimmen zu ermöglichen. Zwei Temperaturzonen und eine Trennwand sollen Sport- und Freizeit gleichzeitig ermöglichen. Dazu gesellen sich ein Außenbereich mit Spiel- und Wasserfläche für kleine Kinder, ein Becken unter freiem Himmel, Liegeflächen und Grünanlagen sowie Beachvolleyballfeld und Foodtruck-Standort.

Eine Besonderheit sei zudem die 50 Meter lange Rutsche, wie Horst Knell bei einem Baustellenrundgang anspricht, denn es gebe in Deutschland nur einen Hersteller, der diese nahtlos aus einem Stück in Edelstahl fertige – und diesen habe man für das Pfungstädter Bad beauftragt.
Freundinnen und Freunde des heilsamen Schwitzens kommen künftig im Saunabereich auf ihre Kosten, hier sind Saunen verschiedener Temperaturen vorgesehen plus Außensauna.

Finanziert wird das Sport- und Familienbad laut Stadtverwaltung aus öffentlichen Geldern und Fördermitteln, während die angesprochene Saunaanlage als eigenständiger Bereich konzipiert sei und sich wirtschaftlich selbst tragen müsse. Das spiegelt sich auch in der künftigen Bezahlsystematik des Eintritts wider. Wie Stadtrat Knell sagt, komme man von der Sauna jederzeit ins Schwimmbad und zurück, aber nicht umgekehrt, sofern man nur für das Bad ein Ticket habe. Diese sollen überwiegend bargeldlos über eine App oder ein Terminal vor Ort erstanden werden.

Den Grundstein befüllte Bürgermeister Schimmel vor den Augen der Anwesenden mit einer Zeitkapsel, in die unter anderem eine aktuelle Pfungstädter Woche, ein Set Euro-Münzen oder eine städtische Urkunde Eingang fanden, um die viel spätere Nachwelt möglicherweise einmal an den Tag des Doppelfests vor dem Rohbau des neuen Bads zu erinnern. Anschließend wurde dieser nach feierlichen Worten und Wünschen fest verschlossen und soll im Eingangsbereich verbaut werden.

Jene Stunde der jahrhundertealten Tradition des Richtspruchs der Zimmerleute schlug kurz danach. Zuvor hatte sich der verantwortliche Architekt René van Zoeren vom niederländischen Büro „Slangen & Koenis Architecten“ in seiner Ansprache noch sehr erfreut darüber gezeigt, dass es solche überlieferten Bräuche wie das Richtfest in Deutschland immer noch gebe und einige Hintergründe erläutert.

Positioniert auf zwei Arbeitsbühnen in schwindelnder Höhe und gekleidet in der Kluft ihres Handwerks ertönte von den Zimmermännern der Richtspruch über dem bisher überwiegend in Holz und Beton hergestellten Rohbau, ehe das symbolisch Glück bringende, geleerte Weinglas auf dem staubigen Boden zerschellte.

Ihren Weg in die Zeitkapsel fand auch eine aktuelle Ausgabe der „Pfungstädter Woche“.

 

Von hoch oben aus zwei Arbeitsbühnen hielten die Zimmerleute den Richtspruch ab.
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