Christin Singer und ihre Mutter haben die Geschichten gemeinsam in einem Buch verewigt. Foto: Privat

Ein Platz für Primel in der Bücherei?

Christin Singer hat die Gutenachtgeschichten ihrer Mutter illustriert

Pfungstadt (rd). Als Christin Singer bei ihren Eltern zwei handgeschriebene Tagebücher wiederentdeckte, hielt sie ein Stück ihrer Kindheit in den Händen. Darin standen die Abenteuer von „Primel, dem Regenwurm“ – Gutenachtgeschichten, die ihre Mutter vor mehr als 35 Jahren für ihre drei Kinder erfunden hatte.
Die Familie führte damals in Frauenzimmern, einem Stadtteil von Güglingen nahe dem Erlebnispark Tripsdrill, einen Metzgereibetrieb, in dem beide Eltern mit großem Einsatz arbeiteten. Zugleich nahm sich Singers Mutter immer wieder bewusst Zeit, kleine Geschichten aufzuschreiben und sie ihren Kindern am Abend vorzulesen. Diese liebevolle Geste bedeute ihr bis heute sehr viel, erzählt die 42-Jährige. Das daraus entstandene Buch versteht Singer deshalb vor allem als Würdigung ihrer Mutter und als Dankeschön für die schönen Kindheitserinnerungen.

Den Anstoß für Primels Abenteuer gab Singers ältere Schwester, die sich vor Käfern ekelte. Christin Singer dagegen nahm die kleinen Gartenbewohner gerne auf die Hand. Gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Zwillingsbruder erlebte sie den heimischen Garten als eine Welt voller Entdeckungen.
Genau dort zieht Primel bei der Familie Gerste ein – dem früheren Familiennamen der heutigen Pfungstädterin. Auch die drei Kinder in den Geschichten beruhen auf Singer und ihren Geschwistern. Mal begegnet Primel den Kindern, mal erkundet er die Natur allein. Er beobachtet Schmetterlinge, treibt Frühsport im Garten, findet einen Joghurt und bekommt Bauchschmerzen oder hält sein Spiegelbild zunächst für einen anderen Regenwurm. Es sind kurze, warmherzige Abenteuer, die den Blick auf das Leben zwischen Erde, Gras und Blumen lenken.

Etwa 30 bis 40 Geschichten schrieb Singers Mutter in die beiden Tagebücher und ergänzte sie teilweise durch kleine Zeichnungen. Als ihre Tochter die Aufzeichnungen Jahre später wiederfand, wollte sie die Freude an den Geschichten auch an andere weitergeben. Sie übertrug eine Auswahl der Texte und gestaltete sämtliche Illustrationen selbst. Viele Abende zeichnete sie auf dem iPad, häufig noch im Bett. Als Architektin bringt Singer das gestalterische Gespür und die Erfahrung im Umgang mit digitalen Werkzeugen mit. Beruflich arbeitet sie in einem Planungsbüro in Mühltal.

Aus den alten Tagebüchern entstand schließlich ein farbenfrohes Kinderbuch mit eigener ISBN (Internationale Standardbuchnummer). Rund 30 Exemplare ließ Singer drucken. Das kleine Format passt gut in einen Kinderrucksack, die festen, dicken Seiten eignen sich auch für jüngere Kinder. Die einzelnen Episoden sind bewusst kurz gehalten: Abends lassen sich eine oder zwei Geschichten vorlesen, am nächsten Tag kann es mit dem nächsten Abenteuer weitergehen.
Seit fast zehn Jahren lebt Christin Singer in Pfungstadt. Sie ist verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter sowie einen fast zehnjährigen Sohn. Erst kürzlich las sie das Buch wieder gemeinsam mit ihrer Tochter. Damit hat Primel längst die nächste Generation der Familie erreicht.

Regulär verkauft wird das Buch bislang nicht. Neben Familie und Beruf fehlte Singer bisher die Zeit, einen Verlag zu suchen oder eine größere Auflage zu finanzieren. Genügend Stoff für einen zweiten Band wäre jedoch vorhanden, denn zahlreiche Abenteuer warten noch darauf, illustriert und veröffentlicht zu werden.

Ihr größter Wunsch ist zunächst ein anderer: „Primel, der Regenwurm“ soll einen Platz in der Pfungstädter Stadtbücherei erhalten und dort für Kinder und Familien zugänglich sein. Ein bereits abgegebenes Exemplar war nicht mehr auffindbar. Singer hofft dennoch, dass Primel künftig auch andere Kinder auf seinen Streifzügen durch den Garten mitnehmen kann. Schulen, Kindergärten und weitere Einrichtungen können bei Interesse ebenfalls bei ihr melden.

Kontakt: primelderregenwurm@gmail.com

Einblick in den Arbeitsprozess auf dem Tablet. Foto: Ritzert/Deichert
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