Eschollbrücken (red). Im Jahr 2026 feiert ein markantes Eschollbrücker Wahrzeichen sein 50-jähriges Jubiläum. Gemeint ist der in der Ortsmitte am Römer befindliche Torfbrunnen, der hier vor 50 Jahren kurz vor der Eingemeindung nach Pfungstadt aufgestellt wurde. Aus diesem Anlass laden die „Dummbabbler“, die sich um die Instandhaltung des Brunnens kümmern, am Sonntag, 2. August, zwischen 11 und 18 Uhr, an gleicher Stelle wieder zu einem Brunnenfest ein. Das besondere Jubiläum haben die Organisatoren und der Verein für Heimatgeschichte Eschollbrücken/Eich 1982 zum Anlass genommen, um auf die bisherige Geschichte des Brunnens zurückzublicken und diese in einer kleinen Chronik zusammenzufassen:
Der Brunnen ist nicht nur ein Denkmal, sondern auch eine Reminiszenz an den früher in der Gemeinde bedeutenden Torfabbau. Diese Art der Brennmaterialgewinnung war für Eschollbrücken seit dem frühen 19. Jahrhundert über hundert Jahre lang prägend. Im Jahre 1808 begann der seit acht Jahren an der dortigen Pfarrstelle wirkende Pfarrer Walter mit dem Torfstechen, das er zuvor in seiner Zeit als Feldprediger in den Niederlanden kennengelernt hatte.
Kaum zehn Jahre später war der Torfabbau in der Eschollbrücker Gemarkung, nach erst hartnäckigen Widerständen, gang und gäbe geworden. Wie fleißig die Eschollbrücker dabei waren, beweist schon der Umstand, dass um die Mitte des Jahrhunderts allein die bürgerliche Gemeinde Eschollbrücken an die 2,5 Millionen Stück Torf selbst stechen ließ, um diese als Los- und Besoldungstorf ausgeben zu können. Die Vielzahl von Privatpersonen, die in eigener Initiative Torf stachen, ist hierbei ganz außen vorgelassen.
Bei diesem massiven Umfang ist es kaum verwunderlich, dass der Abbau bis heute Spuren in der Eschollbrücker Gemarkung hinterlassen hat. So fiel ihm schon im ausgehenden 19. Jahrhundert der sich an den heutigen Crumstädter Wald anschließende Eschollbrücker Eichwald zum Opfer, dessen weiteste Ausläufer sich bis nahe an die Hintergasse erstreckten. Auf der anderen Seite des Orts entstand überhaupt erst aus diesem Grund der heutige Eschollbrücker Kiefernwald, der ab den 1820er Jahren als Ausgleichsfläche angepflanzt wurde. Eine letzte Blütephase erlebte der für Eschollbrücken so prägende Torfabbau in der schweren Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Brennmaterial rar war, bevor 1955 der letzte Torf in Eschollbrücker Gemarkung gestochen wurde.
Schon im Zuge der ab der Mitte der 1960er Jahre stattfindenden „Ortsverschönerung“, wurde bereits 1972 an der Stelle eines im Krieg schwer beschädigten Hauses an der Untergasse Ecke Breslauerstraße eine erste Brunnenanlage mit Pflanzbeeten angelegt. Vier Jahre später erfolgte dann die Umgestaltung des Platzes und die Aufstellung des heutigen Torfbrunnens. Der Brunnen selbst soll die zum trocknen aufgeschichteten Torfstücke symbolisieren. Er wurde vom Steinmetzmeister Rainer Speckhardt geschaffen, besteht aus norwegischem Granit und wiegt gute sieben Tonnen. Der Kostenpunkt lag zu dieser Zeit bei gut 30.000 DM – eine stolze Summe, die sich die damals noch eigenständige Gemeinde kurz vor der Eingemeindung leistete.
Bis zum Jahr 2014 war der Brunnen in der Ortsmitte in Betrieb und erfreute in den Sommermonaten Passanten mit seinem Wasser, bevor man den Brunnen von städtischer Seite aus Kostengründen abstellte. Ein Zustand, der kaum befriedigte, und glücklicherweise ergriff der Stammtisch der „Dummbabbler“ die Initiative und setzte sich für die Wiederinbetriebnahme des Brunnens ein. Seit 2015 sprudelt der Brunnen nun wieder und wird durch die „Dummbabbler“ betreut und instandgehalten. Bereits 2016 fand das erste Brunnenfest statt, das durch die jährliche Wahl einer Brunnenkönigin seither auch über die Ortsgrenzen von Eschollbrücken hinaus Bekanntheit erlangt hat. Mit dem Fest zum 50-jährigen Jubiläum am 2. August wird diese Tradition nun fortgesetzt. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.
