Wolfskehlen (red). Es war ein Abschied, wie ihn Wolfskehlen wohl lange nicht mehr erleben wird. Am Sonntag, 20. September, wurde Pfarrer Volker Herwig nach mehr als 23 Jahren im Dienst der evangelischen Kirchengemeinde Wolfskehlen offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt – vielleicht sogar voller als an Weihnachten oder zur Kerb.
Und passend zu seiner langen Zeit als Pfarrer begann Volker Herwig den Gottesdienst selbst. Mit seiner Predigt verabschiedete er sich nicht einfach nur von seiner Gemeinde, sondern ließ noch einmal jene Mischung aus Nachdenklichkeit, persönlicher Nähe und dem für ihn typischen Humor aufleben, der ihn über mehr als zwei Jahrzehnte begleitet hat.
Seit März 2003 war Herwig Pfarrer in Wolfskehlen. In dieser Zeit hat er die Gemeinde und das Leben im Ort auf vielfältige Weise geprägt. Viele Generationen haben ihn erlebt: bei Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten ebenso wie bei Beerdigungen, Gottesdiensten, Gemeindefesten und unzähligen persönlichen Begegnungen.
Den offiziellen Entpflichtungsteil übernahm Probst Stephan Arras. Damit wurde der Abschied auch kirchlich vollzogen. Zum Abschluss des Gottesdienstes stand mit Dominik Weyl ein ehemaliger Vikar von Volker Herwig am Altar. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Mitwirkenden wurde der Gottesdienst zu einem Spiegelbild der Gemeinde und des Ortes.
Für musikalische und fröhliche Momente sorgten die Kinder der evangelischen Kita, der Kirchenchor, der evangelische Musikkreis sowie Iris und Ute Kißner. Auch zahlreiche Vertreter des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens ließen es sich nicht nehmen, persönlich Abschied zu nehmen. Es gab Reden aus dem Kirchenvorstand, von den Wolfskehler Vereinen, von der Dekanatssynode und vom Bürgermeister. Dabei wurde deutlich, dass Volker Herwig längst mehr war als der Pfarrer der evangelischen Gemeinde. Über die Jahre war er zu einem festen Bestandteil des Wolfskehler Ortslebens geworden. Entsprechend persönlich und herzlich fielen die Worte zum Abschied aus.
Unter den vielen persönlichen Geschenken war auch eine ganz besondere Erinnerung an seine lange Zeit in Wolfskehlen: eine 30 Zentimeter große, 26 Kilogramm schwere Glocke aus Bronze. Sie ist an einem historischen Fußbalken aus der Wolfskehler Kirche sowie einem Tragbalken aus der Zellerei in Wolfskehlen befestigt. Damit verbindet das Geschenk gleich zwei Stücke Wolfskehler Geschichte. Die personalisierte Glocke darf nun mit Volker Herwig in seine neue Heimat ziehen und dort einen besonderen Platz finden – als bleibende Erinnerung an seine Zeit in Wolfskehlen und die Menschen, die ihn hier begleitet haben.
Nach dem Gottesdienst war aber noch lange nicht Schluss. Im Pfarrgarten ging die Feier weiter. Bei Gegrilltem, Brezeln, Kaffee und Kuchen sowie einer großen Auswahl an Kaltgetränken kamen Gemeinde, Vereine, Weggefährten, Freunde und Familie zusammen. Der Goddelauer Musikverein sorgte für die musikalische Begleitung und trug, neben der Unterstützung der Wolfskehler Vereine, dazu bei, dass aus dem Abschiedsfest schnell ein fröhliches und ausgelassenes Beisammensein wurde.
Und mittendrin: immer wieder Volker Herwig. Wer ihm gratulieren, sich verabschieden oder einfach noch ein paar persönliche Worte mit ihm wechseln wollte, musste mitunter etwas Geduld haben. Herwig kam kaum aus dem Händeschütteln heraus.
So wurde der Sonntag zu einem Abschied, der beides miteinander verband: die Wehmut über das Ende einer langen gemeinsamen Wegstrecke und die Freude darüber, diese Zeit noch einmal gemeinsam zu feiern.
