Bensheim (red). Der 16. Hessentag, der vom 5. bis 13. Juni 1976 unter dem Motto „Bergsträßer Festwoche“ in Bensheim über die Bühne ging, zählt zu den prägendsten Ereignissen der jüngeren Bensheimer Stadtgeschichte. Neun Tage lang stand die Stadt im Mittelpunkt des Landesgeschehens. „Mit rund 150 Einzelveranstaltungen, einer großen Landesausstellung, kulturellen Höhepunkten, Sportveranstaltungen, Festakten und einem spektakulären Festzug präsentierte sich Bensheim als Gastgeber des bis dahin größten und vielfältigsten Hessentags in der Geschichte“, berichtet die Stadt Bensheim in einer Mitteilung. Damals kamen rund 345.000 Besucherinnen und Besucher an die Bergstraße. Den großen Festzug am Abschlusssonntag verfolgten rund 200.000 Menschen entlang der Straßen. Die Festzugstrecke betrug insgesamt fünf Kilometer, umfasste 300 Zugnummern und erstreckte sich über eine Gesamtlänge von etwa acht Kilometern. Am Marktplatz war eine große Ehrentribüne aufgebaut. 129 Polizeibeamte und 160 Feuerwehrleute sorgten für einen reibungslosen Ablauf der Parade.
Mit dabei war auch das Hessentagspärchen: Die Geschwister Jutta und Rolf Schmitt, 11 und 13 Jahre alt, sie Schülerin der fünften Realschulklasse, er Schüler der siebten Hauptschulklasse und Kinder des 2021 verstorbenen Zeller Urgesteins Willi Schmitt. Der Hessentag wurde zum Motor städtebaulicher und infrastruktureller Projekte. So konnte pünktlich zum Landesfest das neue Bürgerhaus eröffnet werden, das der damalige Ministerpräsident Albert Osswald im Beisein des damaligen Bürgermeisters Georg Stolle als „Perle im Kranz hessischer Bürgerhäuser“ bezeichnete. Darüber hinaus wurden unter anderem die Darmstädter Straße ausgebaut, die Brücke über die Saarstraße realisiert, Parkflächen geschaffen, Sportanlagen modernisiert und öffentliche Bereiche aufgewertet. Auch etliche private Investitionen wurden angestoßen: Im Rahmen eines Fassadenwettbewerbs wurden historische Gebäude saniert, wurde Fachwerk freigelegt und das Stadtbild verschönert. Insgesamt erhielten 50 renovierte Häuser eine Auszeichnung.
Zu den Höhepunkten gehörte die große Landesausstellung am Berliner Ring mit rund 250 Ausstellern, die auf mehr als 15.000 Quadratmetern ihre Leistungen präsentierten. Tausende Besucherinnen und Besucher strömten täglich durch die Ausstellungshallen und über das Freigelände.
Zuspruch fanden auch das erstmals in den Hessentag integrierte Seefest am Badesee mit mehr als 15.000 Gästen, Artistik-Vorführungen und einer von den Feuerwehren inszenierten Wasserorgel – unterstützt von Booten des Technischen Hilfswerks (THW), einer Fähre mit Auerbacher Pionieren und amerikanischen Einheiten. „Die Internationale Sport- und Musikschau im Weiherhausstadion begeisterte darüber hinaus 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer“, so die Stadt.
Weitere Höhepunkte waren ein großer Flugtag auf dem Gelände der Segelfluggruppe Bensheim, Theater- und Musikveranstaltungen, die Verleihung der Wilhelm-Leuschner-Medaille im neuen Bürgerhaus sowie eine Ausstellung zum 200. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit. Nach dem erfolgreichen Landesfest von 1976 erhielt die Stadt erneut den Zuschlag für den Hessentag und war vom 6. bis 15. Juni 2014 zum zweiten Mal Gastgeber des größten Landesfests Deutschlands.
Der Pressetext basiert auf dem Artikel „Bensheim 1976 – Der Hessentag der Superlative“ von Claudia Sosniak, der in der kommenden Ausgabe der Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße erscheinen wird.

