Gemeinsam für ein sauberes Pfungstadt: Umweltpatin Esther Thoma (links) und Daniela Ryschka, die das Projekt für die Stadt betreut. Inzwischen engagieren sich rund 25 Umweltpatinnen und -paten für saubere Wege, Wälder und Grünflächen. Foto: Ritzert/Deichert

Damit Pfungstadt ihr „Happy Place“ bleibt

Umweltpaten setzen sich für saubere Wege, Wälder und Grünflächen ein

Pfungstadt (rd). Der Wald ist für Esther Thoma ein Ort, an dem sie Abstand vom Berufsalltag gewinnt. Die 29-Jährige arbeitet als Prokuristin für Geschäftsentwicklung bei einem Softwarehersteller in Darmstadt. Nach ihrer Studienzeit hat sie sich in Pfungstadt niedergelassen und möchte langfristig hierbleiben. Umso mehr belastete sie, was ihr bei ihren Spaziergängen begegnete: Verpackungen, Zigarettenstummel, Hundekotbeutel und anderer Müll.

„Der Wald ist mein Happy Place“, sagt Thoma. Doch durch die Hinterlassenschaften anderer sei dieser zunehmend zu einem Sorgenort geworden. Nur darüber ärgern wollte sie sich nicht. Als sie im vergangenen Jahr über Facebook von einer Sammelaktion der Pfungstädter Umweltpaten erfuhr, machte sie mit – und blieb dabei.

Seither verbindet sie ihre Spaziergänge regelmäßig mit dem Müllsammeln. Sie läuft bestimmte Strecken ab, nutzt mitunter aber auch ihre Mittagspause für eine kurze Runde. Dass wenige Tage später erneut Abfall an denselben Stellen liegen kann, empfindet sie zwar als ernüchternd, aber nicht als Grund aufzugeben. „Ich wohne gerne in einer sauberen und schönen Umgebung“, sagt sie. Lieber leiste sie selbst einen kleinen Beitrag, als sich ausschließlich über andere aufzuregen.

Das Projekt geht auf eine Initiative des ZAW – Zweckverband Abfall- und Wertstoffeinsammlung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg zurück. Anfang 2024 meldeten sich zunächst zwei interessierte Bürger bei der Stadt. Daniela Ryschka, persönliche Referentin des Bürgermeisters, übernahm die Betreuung. Das Thema sei für sie nicht nur dienstlich, sondern auch privat eine Herzensangelegenheit. Seit sie vor rund vier Jahren einen Hund bekam und häufiger im Wald unterwegs war, sei ihr besonders aufgefallen, wie viel Abfall selbst dort entsorgt werde.

Mit drei Personen sei die Gruppe gestartet, berichtet Ryschka. Inzwischen engagieren sich rund 25 Umweltpaten. Die Initiative ist bewusst kein Verein und besitzt keine hierarchischen Strukturen. Jeder kann dann sammeln, wenn es die eigene Zeit erlaubt. Über Whatsapp und Signal werden spontane Aktionen abgestimmt, etwa viermal im Jahr trifft sich die Gruppe im Magistratszimmer. Zusätzlich gibt es jeweils eine größere Sammelaktion im Frühjahr und im Herbst. Der Herbsttermin liegt bewusst eine Woche nach der Pfungstädter Kerb.

Wer offiziell Umweltpate werden möchte, schließt mit der Stadt eine Vereinbarung und ist dadurch während der ehrenamtlichen Tätigkeit unfallversichert. Die Stadt stellt Greifzangen, Warnwesten mit Umweltpaten-Logo, Handschuhe, Müllsäcke und neongelbe Aufkleber zur Verfügung. Volle Säcke werden gekennzeichnet an öffentlichen Abfallbehältern abgestellt und vom Betriebshof abgeholt.

Die Zusammenarbeit mit dem Betriebshof spielt nach Ryschkas Worten eine wichtige Rolle. Neue Umweltpaten sollen möglichst auch den Wertstoffhof kennenlernen. Dort erklärt ihr Kollege Frank Rieber, wie die gesammelten Abfälle sortiert werden, wie häufig die Beschäftigten ausrücken und welche Mengen illegal entsorgten Mülls zusammenkommen.

Besonders wichtig ist beiden Frauen die Aufklärung von Kindern. Im Rahmen der hessenweiten Aktion „Sauberhafter Schulweg“ sammelten Umweltpaten dreimal gemeinsam mit Klassen der Goethe-Schule. Die Kinder erhielten Warnwesten, Handschuhe und Zangen und erfuhren auf spielerische Weise, wie lange unterschiedliche Abfälle in der Natur verbleiben. Auf Ryschkas Anfrage hin kam eine Kooperation mit der Goethe-Schule zustande. Ob andere Schulen unabhängig davon eigene Aktionen durchgeführt haben, sei ihr nicht bekannt. Weitere Kooperationen seien ausdrücklich willkommen.

Thoma sieht das Müllproblem weniger als Folge fehlender Abfalleimer, sondern vor allem als Frage des Verhaltens. Menschen, die vor ihren Augen Müll fallen lassen, spricht sie freundlich an und fragt, ob ihnen etwas heruntergefallen sei. Bislang hätten die meisten positiv reagiert – andere Umweltpaten berichteten allerdings auch von unfreundlichen Antworten.

Ryschkas größter Wunsch klingt zunächst ungewöhnlich: „Ich wünsche mir, dass wir überflüssig werden.“ Bis dahin sind weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter willkommen.
Kontakt und weitere Infos: umweltpaten@pfungstadt.de

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