Darmstadt (ps). Es sind bittere Nachrichten für die Bürgerinnen und Bürger aus Griesheim und dessen näherer Umgebung. Wie die Hessenschau und weitere Medien berichten, verschiebt sich der Neubau der Rheinstraßenbrücke in Darmstadt um mehrere Jahre. Wer mit der Straßenbahn aus der Zwiebelstadt nach Darmstadt oder umgekehrt fahren möchte, muss voraussichtlich von Ende 2027 bis 2031 auf den Schienenersatzverkehr ausweichen. Die bisherige Brücke sollte ursprünglich Ende 2027 abgerissen werden. Da die Deutsche Bahn die für einen Neubau erforderliche Sperrzeit auf den unter der Brücke liegenden Gleisen frühestens ab 2030 zulässt, wird mit der Fertigstellung des Neubaus erst im Jahr 2031 zu rechnen sein.
Ursache dieser Verschiebung ist eine Neuformulierung des Konzepts der sogenannten Korridorsanierungen des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) und der Deutschen Bahn. Kern des jetzt vorgelegten Fünf-Punkte-Plans ist die Reduzierung von 21 auf 13 Sanierungen von Verkehrsstrecken im Zeitraum von 2027 bis 2031. „Es werden keine Korridorsanierungen gestrichen, sondern nur verschoben“, betont das Ministerium. Die Reduzierung trage den knappen Verkehrskapazitäten und den Ressourcen der Bauindustrie Rechnung. Die für den Neubau der Rheinstraßenbrücke so wichtige und ursprünglich für 2031 geplante Korridorsanierung der Main-Neckar-Bahn zwischen Frankfurt und Heidelberg gehört zu jenen, die nach jetzigem Stand auf einen Zeitraum nach 2031 verschoben werden.
In dieses ursprüngliche Zeitfenster seien die Sperrpausen eingebettet gewesen, die der Ersatzneubau der Rheinstraßenbrücke benötige. „Die Sperrpausen für den Ersatzneubau waren fest in die Korridorsanierung der Main-Neckar-Bahn eingebunden“, erklärt Darmstadts Mobilitätsdezernent Paul Georg Wandrey auf Anfrage in einer Pressemitteilung der Stadt Darmstadt. „Diese Klammer ist jetzt gelöst. Damit fehlt uns die notwendige Planungssicherheit, um den abgestimmten Zeitplan verlässlich umzusetzen.“
Die städtische Planung für den Ersatzneubau der stark frequentierten, bereits seit 2023 für den Autoverkehr gesperrten Brücke, war laut der Stadt „über Jahre“ konsequent auf die Korridorsanierung ausgerichtet. Die Verhandlungen über die erforderlichen Sperrpausen seien auf dieses Zeitfenster ausgerichtet gewesen. Eine Grundlage, die mit der Entscheidung von BMV und Deutscher Bahn jedoch entfallen sei.
Infolge des neuen Konzepts für die Korridorsanierungen gebe es derzeit keine gesicherten Sperrpausen für den Neubau der Rheinstraßenbrücke, außerdem sei der für 2027/28 geplante Abriss der alten Brücke gefährdet. Die Stadt suche nun das Gespräch mit dem BMV und der DB Infra Go, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, um von der Korridorsanierung unabhängige Sperrpausen zu erhalten. Verbindliche Zusagen lagen bei Redaktionsschluss nicht vor. Es gebe Aussagen zu möglichen Alternativen, die jedoch erst noch genauer geprüft und abgestimmt werden müssten, so die Stadt.
Verlässliche Aussagen zu Sperrpausen von Seiten der DB Infra Go und des BMV, die in das Projekt Rheinstraßenbrücke eingebunden werden können, müssten „dringend erfolgen“, betont Wandrey. „Andernfalls entsteht der Stadt Darmstadt ein wirtschaftlicher Schaden, den niemand verantworten kann.“ Neben steigenden Baupreisen könnten insbesondere die längere Aufrechterhaltung der bestehenden Verkehrsführung und ein verlängerter Schienenersatzverkehr zusätzliche Kosten verursachen. Die Planungen für den Ersatzneubau liefen weiter. Eine Ausschreibung und Vergabe von Abbruch- oder Neubauleistungen sei derzeit jedoch nicht möglich.
Die Stadt Darmstadt betont, man versuche in Absprache mit dem Verkehrsdienstleister Heag Mobilo, die Straßenbahnverbindung möglichst lange aufrechtzuerhalten, um kostenaufwendigen Schienenersatzverkehr zu vermeiden. „Wir wollen nicht, dass über mehrere Jahre keine Straßenbahn nach Griesheim fährt – aber auch das ist zunächst abhängig vom weiteren Vorgehen der Deutschen Bahn.“
